Betrunkene Frau liegt auf der Straße | Bildquelle: picture alliance / dpa

Jahresbericht 2014 Weniger junge Komatrinker - aber "Problem ungelöst"

Stand: 12.11.2015 11:35 Uhr

Ob Bier, Mixgetränke oder "harte Sachen" - auch 2014 kamen Tausende Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus. Die Zahl der jungen Komatrinker sinkt zwar, liegt aber immer noch auf hohem Niveau.

In Deutschland sinkt die Zahl der in Krankenhäusern behandelten jugendlichen Komatrinker zwar weiter, Experten sehen darin aber noch keinen Grund zum Jubeln. 2014 wurden bundesweit 22.391 Patienten im Alter von zehn bis 19 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Jugendliche mit Zigaretten und Alkohol | Bildquelle: ARD-aktuell
galerie

Auch 2014 kamen Tausende Kinder und Jugendliche nach Alkoholexzessen ins Krankenhaus.

Schon 2013 hatte es einen Rückgang gegeben, der fiel seinerzeit mit minus 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aber größer aus. Die aktuellen Werte liegen nach wie vor deutlich über denen vergangener Jahre. 2000 etwa waren lediglich 9514 Komasäufer in dieser Altersgruppe in Krankenhäusern stationär aufgenommen worden.

Experten beklagen mangelnde Prävention

"Der Rückgang ist sehr wichtig, aber die Zahlen sind noch immer erschreckend hoch", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm, Gabriele Bartsch. "Das Problem ist nicht ansatzweise gelöst." Bedenklich sei auch, dass bei Älteren die Zahl der Klinikaufenthalte nach Alkoholexzessen zwar absolut geringer sei als bei Jugendlichen, sie dort aber 2014 gestiegen sei - etwa bei den über 60-Jährigen.

Die wirksamsten Ansätze der Prävention würden in Deutschland nicht praktiziert, sagte Bartsch - etwa die Preisgestaltung und die Verfügbarkeit. Nach oben getrieben werde der Alkoholkonsum von den vergleichsweise niedrigen Steuern für alkoholische Getränke und der Tatsache, dass Alkoholika rund um die Uhr gekauft werden könnten.

Drogenmissbrauch: Alkohol | Bildquelle: picture alliance / Arco Images
galerie

Jungen und junge Männer trinken nach wie vor häufiger exzessiv als ihre weiblichen Altersgenossen.

(Junge) Männer trinken öfter und exzessiver

Jungen und junge Männer trinken nach wie vor häufiger exzessiv als ihre weiblichen Altersgenossen. Bei ersteren sank die Zahl der Alkoholexzesse, die in Kliniken endeten, 2014 um 3,5 Prozent auf 324 Fälle je 100.000 Einwohner. Bei Mädchen und jungen Frauen verringerte sich der Wert um 3,3 Prozent auf 244 Fälle je 100.000 Einwohner. 70 Prozent der wegen Alkohols stationär behandelten jungen Menschen war den Angaben zufolge noch keine 18 Jahre alt.

Insgesamt kamen den Statistikern zufolge 2014 bundesweit 118.562 (Vorjahr: 116.503) Menschen wegen akuten Alkoholmissbrauchs in Kliniken - etwa 70 Prozent davon waren Männer. Psychische Störungen und Verhaltensstörungen aufgrund von Alkohol machten mit 340.500 Fällen die zweithäufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt aus. In diese Gruppe fallen auch die Fälle akuten Alkoholmissbrauchs. Davor lag bei den Gründen für eine stationäre Aufnahme Herzschwäche.

Darstellung: