Polizisten vor der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin | Bildquelle: dpa

Schutz jüdischer Einrichtungen Polizei vor Synagoge, Kita, Museum ...

Stand: 18.02.2015 18:54 Uhr

Es mache sie traurig, dass 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle jüdischen Einrichtungen in Deutschland aufwendig bewacht werden müssen, sagt Kanzlerin Merkel. Sabine Müller erklärt, welche Gebäude wie geschützt werden.

Sabine Müller, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Dass jüdische Einrichtungen in Deutschland besonders geschützt werden, ist offensichtlich. Berlin-Mitte, Oranienburger Straße: Vor der "Neuen Synagoge" mit der wunderschönen goldverzierten Kuppel gehen zwei Polizisten auf und ab. Zwei Reihen stabile Metallpöller sichern das Gebäude zur Straße hin.

Es gilt also, was Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt immer wieder versprach: "Wir werden seitens der Bundesregierung, aber auch seitens der Landesregierungen und aller Verantwortlichen in Deutschland, alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen, die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger die jüdischer Herkunft sind in Deutschland gewährleistet wird."

Debatte über Sicherheit von Juden in Europa
tagesschau 20:00 Uhr, 17.02.2015, Andreas Jöhrens, RBB

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Für den Objektschutz sind die Sicherheitsbehörden der Bundesländer zuständig, sie stehen in engem Austausch mit der Bundesregierung. Rund um die Uhr zwei Polizisten, das ist heute Standard vor jüdischen Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Museen oder dem Sitz des Zentralrats der Juden. Und zwar permanent, nicht nur nach Anschlägen auf Juden irgendwo auf der Welt, wenn erhöhte Wachsamkeit gilt.

60 Einrichtungen werden allein in Berlin bewacht

An besonders sensiblen Orten sind die Objektschützer sogar mit Maschinenpistolen bewaffnet. Allein in Berlin, der mit etwa 11.000 Mitgliedern größten jüdischen Gemeinde in Deutschland, werden knapp 60 Einrichtungen rund um die Uhr von geschätzten 350 Polizisten bewacht. Berlins jüdische Gemeinde hat einen eigenen Sicherheitsdienst, der eng mit der Polizei zusammenarbeitet.

Jüdische Gläubige bei der Eröffnung einer Synagoge in Cottbus | Bildquelle: dpa
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Jüdische Gläubige bei der Eröffnung einer Synagoge in Cottbus

Wie man hört, sind manche Einrichtungen wie Schulen oder Kitas nicht nur von außen, sondern auch von innen gesichert. Oft kommen ehemalige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad oder Ex-Soldaten der israelischen Armee zum Einsatz.

Reichen die Anstrengungen zum Schutz jüdischer Einrichtungen aus? Nicht alle jüdischen Mitbürger würden das bejahen. Der Schriftsteller und Publizist Rafael Seligmann, der in Berlin wohnt, sagte im Deutschlandfunk, Europas Juden lebten in Angst und Schrecken, weil nichts oder fast nichts zu ihrem Schutz getan werde. Johannes Dimroth vom Bundesinnenministerium hält das für eine Einzelmeinung: "Diesen Eindruck kann ich nicht teilen. Aus den Gesprächen mit den Vertretern der jüdischen Glaubensgemeinschaft kennen wir diese Beschwerden nicht."

Rund um Uhr gesicherte jüdische Einrichtungen - das ist 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Alltag in Deutschland. Traurig, findet die Kanzlerin: "Dass es keine einzige jüdische Einrichtung gibt, die nicht durch Polizei bewacht werden muss. Das ist ein Punkt, der mich doch sehr besorgt stimmt."

Wie werden jüdische Einrichtungen in Deutschland geschützt?
S. Müller, ARD Berlin
18.02.2015 17:35 Uhr

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