FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, der FDP Bundesvorsitzenden Christian Lindner, Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und FDP-Vize Wolfgang Kubicki unterhalten sich  in Berlin beim Treffen von FDP und Grünen zur Vorbereitung auf den Start der Jamaika-Sondierungsverhandlungen in großer Runde am Freitag (2 | Bildquelle: dpa

Grüne und FDP Die Kleinen beschnuppern sich

Stand: 19.10.2017 16:48 Uhr

Sich näher kennenlernen und herausfinden, ob man zueinander passt - auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint: Das Polit-Dating in Berlin geht in die zweite Runde. Heute berieten Liberale und Grüne miteinander und kamen sich offenbar etwas näher.

FDP und Grüne haben sich nach einem ersten Sondierungstreffen über die weiteren Gespräche zuversichtlich geäußert, aber auch auf Differenzen verwiesen. Auf den 8500 Kilometern bis nach Jamaika sei man "wieder ein bisschen weiter gekommen", sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nach dem Gespräch in Berlin. Die Runde sei von Konzentration, Respekt und größerer programmatischer Lebendigkeit geprägt gewesen. Gleichzeitig sei deutlich geworden, "dass es noch eine lange Wegstrecke zu gehen gibt".

Auch Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner sprach von einer respektvollen Atmosphäre. Es sei auch fachlich tiefgründig gesprochen worden. Beiden Parteien sei klar, dass man "nicht den ausgetretenen Pfaden der Union" folgen wolle, wenn es zu einer gemeinsamen Regierung kommen sollte.

Beide Parteien hatten sich insbesondere im Schlussspurt des Bundestagswahlkampfs hart attackiert. Das Treffen sollte daher auch eine Vertrauensbasis schaffen. "Jetzt geht es darum, die Stimmung etwas aufzuhellen, denn gerade zwischen Grünen und uns war es in der Vergangenheit nicht besonders herzlich", sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki. Grünen-Chef Cem Özdemir erwartete schwierige Gespräche bei den Themen Klima- und Europapolitik. Gemeinsamkeiten mit der FDP gebe es dagegen in den Bereichen Digitalisierung und Bürgerrechte.

Sondierungsgespräche von FDP und Grünen
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.10.2017, Oliver Köhr, ARD Berlin

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Lindner pocht auf konkrete Verabredungen

FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete es als völlig offen, ob es zu Koalitionsverhandlungen kommt. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 50:50. Zugleich drängte er auf konkrete Festlegungen in den Gesprächen. "Je widersprüchlicher Programme und Wähleraufträge von Parteien sein könnten, desto konkreter sollte die Verabredung zu Beginn einer gemeinsamen Reise sein, damit man auch den gemeinsamen Zielort erreicht und nicht ganz woanders rauskommt", sagte er bei einer Buchvorstellung.

Wenn er sich die Verhandlungsdelegation der Grünen anschaue, habe er den Eindruck, dass diese wegen unterschiedlicher Sichtweisen und Anschauungen mit sich selbst zu verhandeln habe.

Eva Lodde, ARD Berlin, zu den Gesprächen
tagesschau 16:00 Uhr, 19.10.2017

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Spitzen gegen die Kanzlerin

Zugleich provozierte er die Union mit Äußerungen zur Zukunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU-Vorsitzende habe nach der Bundestagswahl "einen deutlich spürbaren Autoritätsverlust" erlitten, sagte Lindner dem Magazin "Stern". "Ich erwarte, dass in der CDU in den nächsten vier Jahren eine Debatte über die Nachfolge von Angela Merkel eröffnet wird." Ob die CDU-Chefin die volle Distanz von vier weiteren Jahren im Kanzleramt bleiben werde, sei "schwer zu sagen".

Merkel regiert seit zwölf Jahren. Bei der Bundestagswahl war die von ihr geführte CDU zusammen mit der CSU auf das schwächste Unionsergebnis seit der ersten Bundestagswahl 1949 abgestürzt, war aber trotzdem stärkste Kraft geworden. Da die SPD nach ihrer historischen Wahlniederlage in die Opposition will, spricht die Union nun mit FDP und Grünen über ein Regierungsbündnis. Am Freitag wollen sich alle erstmals in großer Runde treffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Oktober 2017 um 16:00 Uhr.

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