Özdemir und Lindner

Grüne und FDP sondieren Verbunden in tiefer Abneigung

Stand: 19.10.2017 05:08 Uhr

Im Wahlkampf haben sich Grüne und FDP nichts geschenkt. Doch allen Sticheleien zum Trotz wollen sie heute ausloten, ob ein Jamaika-Bündnis bei allen ideologischen und inhaltlichen Unterschieden eine Option für sie wäre.

Von Thorsten Huhn, ARD-Hauptstadtstudio

Sie haben nicht gerade ein herzliches Verhältnis zueinander, die Freien Demokraten und die Grünen. Dass sie immer wieder um Sachthemen streiten, ist in der Politik normal. Aber irgendwie stimmt es auch atmosphärisch nicht so richtig. Immer wieder gibt es gegenseitige Sticheleien.

So sagte FDP-Chef Christian Lindner in einer Wahlkampfrede: "Die Grüne Partei hat eine moralische Überheblichkeit. Sie glaubt, in die Geheimnisse der Geschichte eingeweiht zu sein und sagt uns allen deshalb, was wir zu tun und zu lassen haben, was wir essen sollen wie wir leben sollen, was gut und was schlecht ist und was böse."

Solche spitzen Bemerkungen gibt es umgekehrt auch von den Grünen. Parteichef Cem Özdemir tönte im Wahlkampf: "Und jetzt noch die Vorstellung, Christian Lindner säße in der nächsten Regierung mit Alexander Dobrindt zusammen. Stellt euch das mal vor."

Sondierungsgespräche zwischen Grünen und FDP
tagesschau 14:00 Uhr, 19.10.2017, Karin Dohr, ARD Berlin

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Der eine eher brav, der andere aufsässig

Manche Beobachter sprechen davon, dass Grüne und Liberale seit Jahrzehnten eine tiefe Abneigung verbindet. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie beide bürgerliche Parteien sind - die einen etwas braver und die anderen etwas aufsässiger. Übel genommen haben die Liberalen den Grünen ihre Häme, als die FDP 2013 aus dem Bundestag flog. Das tragen manche von ihnen den Grünen immer noch nach.

Dabei kennen sich die beiden Spitzenleute Lindner und Özdemir ganz gut und duzen sich. In einem gemeinsam ARD-Interview antwortete Lindner auf die Frage, was man von Özdemir lernen könne: "Wie man als ein guter Grüner gelten kann, ohne repräsentativ für die eigene Partei zu sein." Und Özdemir sagte auf die Frage, worum er den FDP-Vorsitzenden beneide: "Worum beneide ich ihn? Dass er es geschafft hat, die Partei, die aus dem Bundestag rausflog, wieder auf die Tagesordnung zu setzen."

Streitpunkte Klima und Migration

Wenn man Parteitage der beiden besucht, dann fällt der Unterschied sofort auf: FDP-Delegierte sehen aus, als kämen sie gerade aus dem modernen Büro einer großen Rechtsanwaltskanzlei. Bei den Grünen dagegen sieht es eher nach großer Wohngemeinschaft aus. Und irgendwie kann man sich nicht vorstellen, dass sich beide viel zu sagen haben. Die zwei Welten passen einfach nicht zusammen.

Natürlich unterscheiden sich die beiden Parteien auch inhaltlich. Ein großer Streitpunkt ist die Klimapolitik. Özdemir fordert laut und deutlich, die nächste Koalition muss den Einstieg in den Ausstieg vom Verbrennungsmotor beschließen und dafür die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten. Dem überzeugten Marktwirtschaftler Lindner gefällt das nicht. Er wirft den Grünen vor, dass sie die Menschen mit immer neuen Vorschriften bevormunden wollten.

Auch in der Flüchtlingspolitik gibt es sehr verschiedene Ansichten. Die FDP will beispielsweise Algerien, Marokko und Tunesien zu sicheren Herkunftsländern erklären, was die Grünen ablehnen. Da liegen die Liberalen wesentlich näher bei der Union.

Im Wahlkampf war der FDP-Vorsitzende wenig optimistisch, was eine Jamaika-Koalition angeht. Doch soll aus Jamaika etwas werden, müssen FDP und Grüne lernen, miteinander auszukommen. Das sollte möglich sein. Eine große Liebe wird daraus aber nicht werden. Dafür leben die beiden Parteien in zu verschiedenen Welten.

Das schwierige Verhältnis zwischen FDP und Grünen
Torsten Huhn, ARD Berlin
19.10.2017 07:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 19. Oktober 2017 das ARD-Morgenmagazin um 05:38 Uhr, die tagesschau um 06:00 Uhr und NDR Info um 06:50 Uhr.

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Torsten Huhn, NDR

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