Beamte der Bundespolizei  | Bildquelle: dpa

Bundesweite Durchsuchungen Razzia wegen Spionageverdachts gegen Iran

Stand: 16.01.2018 13:47 Uhr

Seit längerem liegt die Bundesregierung mit dem Iran wegen mutmaßlicher Spionage im Clinch. Nach der Verhaftung eines iranischen Agenten wurde kürzlich der Botschafter einbestellt. Nun gab es bundesweite Razzien.

Die Bundesanwaltschaft hat in mehreren Bundesländern Wohnungen und Geschäftsräume von zehn mutmaßlichen iranischen Agenten durchsuchen lassen. Es bestehe der Verdacht "geheimdienstlicher Agententätigkeit", teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Niemand sei festgenommen worden. Ausschlaggebend für die Durchsuchungsaktion seien Hinweise des Verfassungsschutzes gewesen.

Die Beschuldigten sollen im Auftrag "einer dem Iran zuzurechnenden geheimdienstlichen Einheit" Institutionen und Personen in Deutschland ausgespäht haben. Mehr Details wurden nicht genannt. Das Magazin "Focus", das als erstes über die Aktion berichtet hatte, sprach von Durchsuchungen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin. Danach sind die Verdächtigen Mitglieder der sogenannten Quds-Brigaden, einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Die Bundesanwaltschaft kommentierte dies nicht.

Iranischer Botschafter einbestellt

Ende Dezember hatte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter wegen eines außergewöhnlichen Spionagefalls einbestellt. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Wehrbeauftragte Reinhold Robbe soll wegen seiner engen Verbindungen zu Israel ausgespäht worden sein. Dem iranischen Botschafter sei "unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass solche Tätigkeiten nicht geduldet werden und vollkommen inakzeptabel sind", teilte das Ministerium damals mit.

Ein mutmaßlicher Spion des Iran betritt im März 2017 das Berliner Kammergericht. | Bildquelle: dpa
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Ein mutmaßlicher iranischer Spion war 2017 vom Kammergericht Berlin zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Haftstrafe gegen mutmaßlichen Spion

Vorausgegangen war die Verurteilung eines iranischen Spions durch das Berliner Kammergericht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der aus Pakistan stammende Agent im Auftrag des Irans ab Juli 2015 das Privatleben Robbes ausspioniert hat. Der Mann war wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2018 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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