Jachten liegen in Monte Carlo | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/R

Vermittlung in Steueroasen Dubiose Deals deutscher Honorarkonsuln

Stand: 22.06.2018 06:01 Uhr

Deutsche Honorarkonsuln vertreten die Bundesrepublik im Ausland - ehrenamtlich. Doch nach Recherchen von BR und "SZ" machen viele von ihnen fragwürdige Geschäfte in Steueroasen.

Von Pia Dangelmayer und Maximilian Zierer, BR

Honorarkonsuln sind Ehrenbeamte. Sie vertreten Deutschland dort, wo es keine deutsche Botschaft gibt, etwa in abgelegenen Regionen oder auf kleinen Inseln. Laut Konsulargesetz sollen sie "das Ansehen und die Interessen Deutschlands" nach besten Kräften schützen und fördern.

Ein Dutzend aktive oder ehemalige deutsche Honorarkonsuln sind jedoch nach Informationen des BR und der "Süddeutschen Zeitung" in Offshore-Geschäfte verstrickt. Das haben Recherchen in Firmenregistern sowie den Panama- und ParadisePapers ergeben.

 Steuerspartipps mit offiziellem Stempel

Der Honorarkonsul auf den Bahamas etwa legte Briefkastenfirmen an und pflegte Kontakte zur berüchtigten Steuerkanzlei Mossack Fonseca. Der Honorarkonsul in Monaco verwaltet offenbar das Vermögen der deutschen Milliardärsfamilie Engelhorn mit anonymen Trusts auf den Bermudas. Er soll laut Ermittlerkreisen eine zentrale Figur in einem der größten Steuerverfahren der vergangenen Jahre gewesen sein, bei dem es zu einer Steuernachzahlung von 145 Millionen Euro kam. Beide wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Im Inselstaat Vanuatu im Südpazifik wirbt der Honorarkonsul in einem Buch für das dortige Niedrigsteuergebiet, ein paar Seiten weiter prangt das Honorarkonsul-Logo. Ein Problem sieht er darin nicht. Ein Honorarkonsul in Portugal preist auf Youtube Steuertricks an und bietet deutschen Kunden an, Offshore-Firmen zu gründen. Auf Anfrage betont er, seine Tätigkeit als Honorarkonsul stehe in keinem Zusammenhang mit seinen anwaltlichen Beratungen.

Massiver  Interessenkonflikt

Die Recherchen werfen Fragen über den Auswahlprozess von Honorarkonsuln durch das Auswärtige Amt auf. Der Oppositionspolitiker Fabio De Masi von der Linkspartei sieht in den Tätigkeiten in Steueroasen einen massiven Interessenkonflikt: Die Offshore-Geschäfte deutscher Ehrenbeamter schadeten den Interessen der Bundesregierung, die ja eigentlich Steuerflucht bekämpfen wolle, sagte er dem BR.

Der Steuerexperte Jack Blum von der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network in Washington kritisiert die mangelnde Kontrolle durch die zuständigen Behörden: "Entweder die Leute in den Botschaften und im Auswärtigen Amt wissen nicht, was Offshore-Geschäfte sind, oder es ist ihnen egal."

Das Gebäude des Auswärtigen Amtes. | Bildquelle: dpa
galerie

Das Auswärtige Amt hat sich mit den Geschäften seiner Honorakonsuln noch nicht befasst.

Auswärtiges Amt ahnungslos

Das Auswärtige Amt wusste nach eigenen Angaben nichts von den fragwürdigen Tätigkeiten der Honorarkonsuln, die Fälle waren, "was mutmaßliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit Trusts und Offshore-Firmen angeht, dem Auswärtigen Amt in Berlin bislang nicht bekannt", heißt es dazu schriftlich. Jetzt will das Ministerium die Recherchen zum Anlass nehmen, die Honorarkonsuln zu überprüfen und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. Juni 2018 um 09:36 Uhr.

Darstellung: