Höhlenfisch, eine Schmerle | Bildquelle: dpa

Erster Höhlenfisch Europas "Evolution live"

Stand: 03.04.2017 18:01 Uhr

Er ist klein und lebt am liebsten im Dunkeln - der Höhlenfisch. Normalerweise ist er in Mexiko oder den USA zuhause. Per Zufall haben nun Taucher Exemplare im Aachtopf am Bodensee entdeckt. Für Wissenschaftler eine Sensation.

Von Florian Gediehn, SWR

Der Aachtopf im Bodenseegebiet ist das Tauchrevier von Joachim Kreiselmaier. Im August 2015 wagt er mal wieder den Sprung in das kalte Wasser. Gespeist von der Donau ist der Aachtopf die wasserreichste Quelle Deutschlands. Wer sich hinein wagt, muss Profi sein, denn das Gewässer ist Einstieg in ein komplexes Höhlensystem. Die Sicht ist schlecht, die Strömung gefährlich

Aachquelle in Aach (Landkreis Konstanz) | Bildquelle: dpa
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Keiner hätte ihn hier vermutet - der Höhlenfisch war im Aachtopf abgetaucht - so weit nördlich wie noch kein Artgenosse vor ihm.

"Plötzlich waren da diese Fische", erinnert sich Joachim Kreiselmaier. Im Schein seiner Lampe sah er, dass sie transparent wirkten, dass ihre Blutgefäße durch die Haut schimmerten. "Ich hatte ähnliches in Mexiko gesehen, aber nicht hier. Ich wusste: Das ist etwas Besonderes."

Dann die Sensation ...

Monate später kann Freyhof einen der Fische fangen, bringt ihn zu Jasminca Behrmann-Godel, Assistenz-Professorin im limnologischen Institut der Universität Konstanz. Sie berät sich mit Kollegen. Nach wissenschaftlichen Analysen kam der Schluss, dass es sich um einen Höhlenfisch handeln muss.

Die Höhlenfische aus dem Aachtopf sind nicht nur die ersten Höhlenfische Europas. Sie sind auch die weltweit nördlichsten. Der bisherige Rekordhalter ist in Pennsylvania, USA, zu Hause am 41. Breitengrad. "Es wurde spekuliert, dass nördlicher gar keine Höhlenfische mehr vorkommen können, da dort während der letzten Eiszeit alles vereist war." Zur Orientierung: In Europa liegt  etwa Neapel nahe dem 41. Breitengrad.

20.000 Jahre - oder praktisch gestern

Die Wissenschaftler rätseln vor allem noch über den relativ kurzen Zeitraum, in dem sich die Höhlenfische an ihre Umgebung angepasst haben. Nach der letzten Eiszeit, also vor etwa 20.000 Jahren, müssten sie von der Donau in den Aachtopf gekommen sein. "Für einen Evolutionsbiologen ist das wie vorgestern", sagt Behrmann-Godel. Ihren Anpassungsprozess hätten die Fische wohl auch noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel könnten sich ihre Augen weiter zurückbilden, weil sie in den dunklen Unterwasserhöhlen überflüssig seien. Weitere Anpassungsprozesse sind zu erwarten - oder wie Jasminca Behrmann-Godel sagt: "Wir erleben hier so etwas wie 'Evolution live'."

Erstmals Höhlenfisch in Europa entdeckt
tagesschau 20:00 Uhr, 03.04.2017, Florian Gediehn/Alfred Knödler, SWR

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. April 2017 um 18:00 Uhr.

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