Internetprojekt GuttenPlag "Schwarmintelligenz" im Kampf gegen Plagiate

Stand: 19.02.2011 05:40 Uhr

Seit die ersten Vorwürfe bekannt wurden, wächst die Webseite GuttenPlag: Freiwillige haben rund 170 mögliche Plagiate in der Dissertation von Minister zu Guttenberg zusammengestellt. Und sie suchen weiter. Stefan Weber, ein Initiator der Seite, ist begeistert.

Von Oliver Neuroth, SWR

Screenshot der Webseite GuttenPlag
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Screenshot der Webseite GuttenPlag: Ein Werkzeug für weniger Plagiate?

Viele nennen ihn den "Plagiator": Stefan Weber, Medienwissenschaftler aus Salzburg und Experte für Wissenschaftsplagiate. Zusammen mit einem Kollegen hatte er die Idee zu GuttenPlag. Viele hundert Freiwillige machen mit und versuchen, Plagiate in Guttenbergs Arbeit zu finden. "Das finde ich ganz erstaunlich und sehr positiv", so Weber, "weil sich eine Einzelperson wie im Falle Guttenberg gar nicht die Mühe machen kann, 450 Seiten durchzugoogeln. Wenn so etwas verteilt wird, kann man das mit dem schönen Begriff 'Schwarmintelligenz' benennen."

Die Suche nach weiteren Stellen läuft

Stefan Weber ist stolz: Nutzer von GuttenPlag hätten inzwischen nachgewiesen, dass mindestens 76 Seiten von Guttenbergs Arbeit Textpassagen enthalten, die schon einmal woanders veröffentlicht worden sind und nicht richtig gekennzeichnet worden sind. Und die Suche nach weiteren Stellen läuft. Aber schon nach den ersten Funden war für Weber klar: Hier wurde im großen Stil absichtlich abgeschrieben. So sei für ihn klar, "dass diese Stellen eindeutig darauf hinweisen, dass hier womöglich methodisch vorgegangen wurde. Dass es sich also um eine Fälschung großen, ich möchte sagen größten Stils handelt." Bei Guttenbergs Dissertation handele es sich um eine Arbeit, "wo einem das Grausen kommt", so Weber.

Absichtlicher Betrug oder schlechter Ghostwriter?

Das sehen viele User von GuttenPlag genauso. Im Diskussionsforum tauschen sie sich darüber aus, auf welchen Seiten der Arbeit sie Plagiate gefunden haben und schreiben Kommentare wie: "So etwas ist kein Zufall, jedenfalls nicht in einer juristischen Dissertation. Wer so handelt und selbst eigene Stellungnahmen von anderen abkupfert, dem gehört der Doktortitel aberkannt."

Andere spekulieren, dass Guttenberg nicht der tatsächliche Autor der Doktorarbeit sein könnte: "Es ist zu bezweifeln, dass Herr zu Guttenberg so viele Textpassagen übernommen hat, ohne diese umzuformulieren. Er ist wohl einem Ghostwriter aufgesessen; also Kontobewegungen, Kontakt dubioser Personen etc. verfolgen."

"Werkzeug für weniger Plagiate"

GuttenPlag wirkt wie ein Netzwerk von Hobby-Detektiven, die Spaß daran haben, das Internet zu durchforsten und sich darüber auszutauschen. Das hat Zukunft, findet Plagiats-Experte Weber. Aber er warnt auch davor, dass solche Portale schnell zu Hetzseiten werden könnten, auf denen sich ausschließlich böse Kommentare wiederfinden: "Aber wir haben hier schon ein neues Werkzeug, das dieses Phänomen des Textplagiarismus in einem neuen Licht erscheinen lassen könnte und das auch helfen könnte, dass weniger Plagiate in Zukunft passieren."

Wer steckt hinter GuttenPlag?
Oliver Neuroth, ARD Berlin
19.02.2011 04:57 Uhr

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