Eine Glühlampe vor einem Verkaufsregal.

Stufe vier des EU-Verbots Die letzten Tage der Glühbirne

Stand: 30.08.2012 15:44 Uhr

Es naht der letzte Tag, an dem Glühbirnen verkauft werden dürfen. Die EU schickt jetzt auch die 25- und 40-Watt-Glühlampen in Rente. Was in der Fassung steckt, darf selbstverständlich weiterleuchten, doch Glühlampen nachzukaufen, dürfte schwierig werden. Aber es gibt Verordnungslückenfinder und manch brauchbare Alternative.

Martin Gent und Matthis Dierkes, WDR

Bei Osram ist die "Allgebrauchsglühlampe" im Netz noch zu finden, bei Philips läuft die Suche schon jetzt ins Leere, dort sind nur noch LED-Lampen, Energiesparlampen und Halogenlampen gelistet.

Ganz verboten wird die Glühlampe nicht, aber ab Samstag, 1. September 2012, tritt Stufe vier des "Glühlampenausstiegs" in Kraft: Es dürfen nur noch Glühlampen mit einem Lichtstrom von kleiner als 60 Lumen - das entspricht etwa 10 Watt - vertrieben werden.

farbige LED | Bildquelle: dpa
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Alternative zur Glühbirne: LED-Lampen. Wer's mag, auch gern in bunt.

Faktisch bedeutet das das Aus für die beliebten Glühlampen mit 25 und 40 Watt, die bislang noch erhältlich waren und allenfalls Energieklasse D erreichten. Erlaubt bleiben Reflektorlampen, farbige Lampen und Speziallampen, beispielsweise solche, die das Pflanzenwachstum fördern.

Außerdem natürlich alle Lampen, die den Strom effizienter in Licht umwandeln als die Glühlampe, also Energieklasse A, B oder C erreichen. Dazu gehören Energiesparlampen ("Kompaktleuchtstofflampen"), Leuchtstoffröhren, Halogenlampen mit "mittlerer Effizienz" und LED-Lampen.

Stichwort

Was wir gemeinhin Glühbirne nennen, heißt in der Fachwelt Glühlampe oder Allgebrauchsglühlampe. Der Oberbegriff ist Lampe oder Leuchtmittel. Umgangssprachlich ist eine Lampe das, wo man die Glühbirne reinschraubt. Eine, die Petroleumlampe vor Augen, durchaus schlüssige Bezeichnung, die sich in der Fachwelt aber nicht durchgesetzt hat. Dort kommt das Leuchtmittel in eine Leuchte.

Des Deutschen liebste Glühbirne

Der Glühlampenausstieg gilt als eine der unpopulärsten Entscheidungen der EU. Sie ist tatsächlich ungewöhnlich radikal. Das sei absurd, sagt der Medienjournalist Dietrich Leder "angesichts der Liberalität gegenüber Fahrzeugbesitzern, die weiterhin ihre überdimensionierten Kraftwagen sinnlos durch die Gegend bewegen können".

Energiesparlampe | Bildquelle: dpa
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Überwiegend unbeliebt: Viele meinen, diese Art Energiesparlampen machen ungemütliches Licht.

Wie angemessen der Glühlampenausstieg ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Ausschlaggebend für den Schritt waren im Jahr 2008 klima- und energiepolitische Überlegungen.

2020 sollen jährlich laut Verordnung durch eben diese EU-weit 39 Terawattstunden Energie eingespart werden. Das entspricht immerhin der Leistung von vier großen Kernkraftwerken im Dauerbetrieb. Unklar ist, ob die Einsparung erreicht werden wird.

Erfahrungen mit anderen Energiesparmaßnahmen zeigten, dass die Ziele wegen des sogenannten "Rebound-Effekts" häufig nicht erreicht wurden. Auch die oft diskutierte Quecksilberfrage wird in der Verordnung berücksichtigt. Weil viele Energiesparlampen ohne Recycling entsorgt würden, kämen in der EU 2,9 Tonnen Quecksilber in die Umwelt. Das soll trotz steigender Lampenzahl nicht mehr werden: durch weniger Quecksilber in jeder einzelnen Energiesparlampe und besseres Recycling.

Interview mit Medienhistoriker - Der profitable Tod der Glühbirne
DLR
30.08.2012 11:24 Uhr

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Stichwort

Bevor Glühlampen verboten wurden, versuchte man lange die Menschen von den modernen Energiesparlampen zu überzeugen. Kostet mehr, hält aber achtmal so lange und spart 80 Prozent Strom, lauteten die Argumente. Während ihrer Lebensdauer spart die Sparlampe Strom für 65 Euro ein, hieß es. Soweit die versprochene Haltbarkeit erreicht wird, stimmt das auch.

Was aber machen die Menschen mit den eingesparten 65 Euro? Zusätzliche Lampen einschrauben, denn Licht ist ja plötzlich so billig? Oder auf die hohe Kante legen für einen zusätzlichen Kurztrip nach Mallorca? All das verbraucht Energie.

Energieeffizienz ändert Kaufverhalten und Konsummuster, manches der erhofften Einsparung prallt zurück, die Forscher sprechen vom "Rebound-Effekt". Mehrere Studien konnten zeigen, dass die tatsächliche Einsparung oft deutlich niedriger ist als die erwartete.

Energiesparlampe ist nicht gleich Energiesparlampe

Der schlechte Ruf der Energiesparlampe hat auch mit früher Enttäuschung zu tun. Tatsächlich gab und gibt es Energiesparlampen ("Kompaktleuchtstofflampen"), die erst nach gefühlten Minuten helles, unangenehm bläuliches Licht geben, dabei noch leise summen und für empfindliche Nasen stinken.

Selbst Produkte der großen Markenhersteller konnten trotz hohen Preises nicht immer die Erwartungen erfüllen. Wer einmal mit einer Energiesparlampe reingefallen ist, steht diesem Lampentyp verständlicherweise erst einmal ablehnend gegenüber. Tests zeigen, dass die Zeit der Enttäuschungen nicht vorbei ist.

Doch einige Hersteller haben reagiert. Das Angebot wurde breiter, die Lampen besser. Gute Lampen gehen flink an, machen angenehm warmweißes Licht, halten lange und stören nicht durch lästige Geräusche oder Gerüche. Bei der Auswahl helfen können zum Beispiel die Tests der Stiftung Warentest.

Viele Energiesparlampen erzeugen kein kontinuierliches Farbspektrum, eine rote Bluse kann deshalb auch mal bräunlich wirken.

Leuchtdiode | Bildquelle: dpa
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Eine weiße Leuchtdiode neben drei farbigen LED-Exemplaren. Viele Experten meinen, die Zukunft gehört nicht der Energiesparlampe, sondern Leuchtdioden (LED) oder der OLED-Technologie, bei der organische Materialien zum Leuchten gebracht werden.

Entsorgungsfrage

Kompaktleuchtstofflampen enthalten geringe Mengen Flüssigquecksilber oder festes Amalgam. Die Amalgam-Technik ist von Vorteil, wenn die Lampe zu Bruch geht. Allerdings brauchen solche Lampen länger, bis sie richtig hell leuchten.

Viele Verbraucher ärgert, dass sie wegen des Quecksilbergehaltes und der im Lampenfuß verbauten Elektronik ihre alten Energiesparlampen nicht ohne weiteres entsorgen können. In den Hausmüll dürfen sie wegen der giftigen Inhaltsstoffe nicht. Auch die Verkäufer - wie Baumärkte und Elektrofachgeschäfte - nehmen die alten Energiesparlampen nicht immer zurück. Per Gesetz sind sie dazu nicht verpflichtet.

Erst ab 2014 müssen auch Geschäfte, die eine Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmeter besitzen, diesen Elektroschrott zurücknehmen. Bis dahin bleibt häufig nur die Fahrt zum Wertstoffhof. Auch im Internet lassen sich Abgabestellen in der Nähe finden.

Testwürfel mit organisch licht-emittierenden Dioden (OLED) | Bildquelle: dpa
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Testwürfel mit organisch licht-emittierenden Dioden (OLED)

Lichtblick Leuchtdiode

Die Energiesparlampe wird von vielen Experten nur als Übergangslösung bezeichnet. Viel mehr Zukunftschancen räumen sie LED-Lampen ein. Die sparen noch mehr Energie und haben eine sehr lange Lebensdauer, bis zu 25.000 Stunden. Außerdem geben sie jetzt schon ein ähnlich gutes Licht ab wie die herkömmlichen Glühbirnen. Allerdings sind LED-Lampen noch ziemlich teuer: Die Testsieger der Markenhersteller kosten 40 Euro und mehr.

Halogen für Glühfadenliebhaber

Als Kompromisslösung gilt die Halogenleuchte in Glühbirnenform. Sie ist besonders günstig in der Anschaffung (etwa 2 Euro) und erzeugt ein Licht, das sich gut eignet, um zum Beispiel einzelne Gegenstände in der Wohnung anzustrahlen.

Für Halogenlampen spricht auch die natürliche Farbwiedergabe. Allerdings verbrauchen Halogenlampen auch deutlich mehr Strom als LED- und Energiesparlampen. Deshalb sind die meisten ab 2016 ebenfalls EU-weit verboten.

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