Eine schwarze Schleife mit der Flugnummer "4U9525"in Haltern am See.  | Bildquelle: dpa

Germanwings-Absturz Gedenken an eine unfassbare Tat

Stand: 24.03.2017 18:31 Uhr

Am Vormittag des 24. März 2015 stürzte in den französischen Alpen eine Germanwings-Maschine ab. 150 Menschen starben. Heute gedachten die Angehörigen der Opfer. Den Jahrestag nutzte jedoch auch die Familie des Kopiloten für einen umstrittenen Auftritt.

Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz haben Schüler, Lehrer und Eltern im westfälischen Haltern der Opfer gedacht. Zur Zeit des Absturzes um 10.41 Uhr versammelten sich Hunderte Menschen auf dem Schulhof des Joseph-König-Gymnasiums zu Schweigeminuten. Weiße Rosen erinnerten an die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen, die unter den 150 Toten waren. Die Schüler und Lehrerinnen der Schule waren auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch in Spanien.

Auch in der Nähe des Absturzortes im südfranzösischen Le Vernet findet eine Gedenkveranstaltung statt. In Gegenwart von 500 Angehörigen soll ein "Gedenkelement" vorgestellt werden. Bei der Lufthansa gab es eine konzernweite Schweigeminute um 10.41 Uhr, dem Zeitpunkt des Absturzes.

Am 24. März 2015 war ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Nach Erkenntnis der Ermittler brachte der depressive Kopilot die Maschine absichtlich zum Absturz.

Experte: Untersuchungsbericht zweifelhaft

Der Flugunfallexperte Tim van Beveren zog die Ergebnisse des Untersuchungsberichts in Zweifel. Die Ermittler hätten sich schon nach 48 Stunden auf eine Absturzursache festgelegt. "Etwas Vergleichbares habe ich in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt." Es sei zu Beginn der Ermittlungen nicht klar erwiesen gewesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren im Cockpit gesessen habe. Möglicherweise habe es am Jet Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben, behauptete er. Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe.

Vater des Copiloten widerspricht Depressionstheorie

Auch der Vater des Piloten stellte seine Sicht der Tat dar: Er bestritt, dass sein Sohn zum Zeitpunkt des Absturzes an einer Depression gelitten habe. Kein Arzt oder Therapeut habe damals Suizidgedanken bei seinem Sohn festgestellt, es habe auch keine Hinweise auf ein "fremdaggressives Verhalten" vorgelegen, sagte er. Er habe seinen Sohn in den Jahren vor dem Absturz als "lebensbejahenden, verantwortungsvollen" Menschen erlebt.

Dem trat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf entgegen: "Er litt seit Monaten unter Schlaflosigkeit, hatte Angst um sein Augenlicht, war verzweifelt", sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa.

Zweiter Jahrestag des Germanwings Absturzes
tagesthemen 21:45 Uhr, 24.03.2017, Jens Eberl, WDR

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Regierung: Keine Zweifel am Ergebnis der Untersuchungsbehörde

Der Vater des Germanwings-Kopiloten Lubitz | Bildquelle: AFP
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Bestreitet, dass sein Sohn an Depressionen litt: Günter Lubitz.

Auch die Bundesregierung wies die Zweifel von Lubitz zurück. "Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Der Halterner Schulleiter Ulrich Wessel kritisierte, dass der Vater des Germanwings-Todespiloten Andreas Lubitz ausgerechnet zum zweiten Jahrestag der Katastrophe zu einer Pressekonferenz eingeladen hatte. Dies sei eine "Provokation, ein Affront gegenüber den Eltern", sagte Wessel nach einer Gedenkfeier in der westfälischen Stadt für die Opfer des Absturzes. Wessel warf dem Vater eine "Form von Realitätsverlust" vor.

Deutsche und französische Ermittler weisen Kritik zurück

Die deutschen Flugunfallexperten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) halten nach der Kritik weiterhin an der offiziellen Ursache des Germanwings-Unglücks 2015 fest. Es gebe keine Zweifel am Abschlussbericht der französischen Behörden. Die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA bleibt ebenfalls bei ihrer Einschätzung, dass der Copilot Lubitz zum Zeitpunkt des Absturzes im Cockpit war. Die Ingenieure hätten damals die Stimm- und Atemgeräusche im Cockpit ausgewertet. Diese seien bis sieben Sekunden vor dem Absturz hörbar gewesen.

Cockpit fordert Rücknahme von Zwei-Personen-Regel

Die Pilotengewerkschaft Cockpit forderte derweil die Rücknahme der sogenannten Zwei-Personen-Regel. Sie war als Folge des Unglücks eingeführt worden. Sie besagt, dass immer zwei Personen zur gleichen Zeit im Cockpit sein müssen.

Im MDR kritisierte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl die Novelle. Einerseits sei Fliegen zwar etwas sicherer geworden, weil es immer eine Zweierbesetzung geben müsse, andererseits werde nun aber beim Personaltausch die Cockpittür viel häufiger und zudem mit Ankündigung geöffnet. Er würde sich angesichts häufig geöffneter Türen "dafür entscheiden, dass diese Maßnahme abgeschafft wird - einfach, um die gesamte Sicherheit zu erhöhen", sagte Wahl.

Auch die Airlines überprüfen die Regelung. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte entsprechende Überlegungen. Auch die Airlines Air Berlin, Tuifly und Condor seien in dieser Hinsicht aktiv, ergänzte eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Entscheidungen seien noch nicht gefallen. Aktuell gelte die Regel bei allen Gesellschaften.

Über dieses Thema berichteten am 24. März 2017 u.a. tagesschau24 um 11:00 Uhr und die Tagesschau um 12:00 Uhr.

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