Kinderfüße auf Waage | Bildquelle: picture alliance / Jan-Peter Kas

WHO fordert Beschränkungen Weniger Werbung für Süßes und Junk Food?

Stand: 29.12.2017 09:06 Uhr

Jedes vierzehnte Mädchen in Deutschland ist fettleibig - und sogar jeder neunte Junge. Die Weltgesundheitsorganisation fordert deswegen klarere Beschränkungen für Süßigkeiten- und Junk-Food-Werbung. Die freiwillige Selbstkontrolle funktioniere nicht.

Das Problem fettleibiger Kinder muss in Deutschland nach Auffassung einer Expertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rigoroser bekämpft werden. Vor allem die Werbung für Süßwaren, Junk-Food oder Bier müsse stärker eingeschränkt werden. "Es reicht nicht, bei Werbung auf eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Hersteller von Junk Food zu setzen", sagte Ernährungswissenschaftlerin Juana Willumsen, WHO-Expertin für Fettleibigkeit bei Kindern, der Nachrichtenagentur dpa. Die Werbung müsse klar reguliert sein, die Einhaltung überwacht werden, und es müsse Strafen bei Verstößen geben.

Willumsen sagte weiter, zahlreiche Studien zur Effizienz freiwilliger Selbstkontrollen legten vor allem eines nahe: "Es funktioniert nicht." Hersteller von Süßwaren und -getränken und anderem Junk Food verpflichteten sich oft nur zu sehr begrenzten Einschränkungen. Dann werde etwa auf Werbung in Zeichentricksendungen oder Programmen nur für unter Fünfjährige verzichtet - "junge Leute sind aber bis 16 sehr anfällig für Werbung, und die sehen auch andere Programme". Schulkinder hätten laut Statistik in Deutschland 2014 weniger Obst- und Gemüse gegessen als 2002. Auch der Softdrink-Konsum steige wieder.

Bier mache besonders dick und Werbung dafür sei in Deutschland nicht verboten, so Willumsen. Das trage womöglich zum steigenden Gewicht vieler Erwachsener, aber auch vieler Jugendlicher bei. Die WHO empfiehlt mehr Schulsport sowie eine Stadt- und Transportplanung, die Laufen, Fahrradfahren und sportliche Freizeitbeschäftigung fördert.

Jeder neunte Junge ist fettleibig

Nach der von der WHO genutzten Statistik des Wissenschaftler-Netzwerks NCD-RisC waren 2016 in Deutschland 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen fünf und 19 Jahren fettleibig. 1980 waren es bei den Jungen nur vier Prozent gewesen und im Jahr 2000 8,1 Prozent. Ab welchem Gewicht ein Kind als fettleibig gilt, wird weltweit einheitlich berechnet. Dabei werden Alter und Größe berücksichtigt. 2016 fielen in Österreich 11,3 Prozent der Jungen in die Kategorie, in der Schweiz sieben Prozent.

Mehr fettleibige Jungen als in Deutschland gibt es unter anderem in Spanien (12,9 Prozent), Italien (14,5 Prozent), China (15,4 Prozent) und den USA (23,3 Prozent). Weniger sind es dagegen in Großbritannien mit 10,9 Prozent oder in Frankreich mit 8,9 Prozent. In Indien lag der Anteil erst bei 2,4 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

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