Fragen und Antworten: Promotion und Plagiate

Fragen und Antworten

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Promotion, Plagiate und die Konsequenzen

tagesschau.de gibt einen Überblick über die Plagiatsvorwürfe, das Verfahren und die Ansprüche an wissenschaftliches Arbeiten.

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Wie wurden die Vorwürfe gegen Schavan überprüft?

Ende April 2012 werden auf der Internetseite "schavanplag" Vorwürfe gegen die Ministerin laut. Anonyme Blogger listen mehrere Stellen in der Doktorarbeit von 1980 auf, in denen die CDU-Politikerin abgeschrieben und Quellen nicht genannt haben soll. Im Mai kündigt die Universität Düsseldorf an, die Vorwürfe zu überprüfen. Die Promotionskommission der Philosophischen Fakultät wird mit dem Fall beauftragt. Der Druck auf Schavan wird größer, als im Oktober ein geheimer Bericht der Universität an die Öffentlichkeit gerät, in dem ihr eine "leitende Täuschungsabsicht" unterstellt wird. Die Uni stellt wegen der Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen Strafanzeige gegen Unbekannt.

Nach der Promotionskommission befasst sich im Januar 2013 erstmals der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät mit den Vorwürfen. 14 von 15 Mitgliedern stimmen für die Einleitung eines Verfahrens zur Aberkennung des Doktorgrades. Schavan bestreitet die Vorwürfe und fordert ein zweites, externes Gutachten. Doch dazu kommt es nicht mehr. Am 5. Februar entzieht die Uni Düsseldorf Schavan mit 12 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und einer Enthaltung den Doktorgrad.

Welche Anforderungen muss eine Doktorarbeit erfüllen?

Die Anforderungen an eine Doktorarbeit legt die jeweilige Fakultät der Universität in ihrer Promotionsordnung fest. Diese variiert je nach Hochschule und Studienfach. In der Ordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät Bayreuth heißt es: "Die Dissertation muss eine selbstständige wissenschaftliche Leistung darstellen (...). Die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen sind vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommene Stellen sind kenntlich zu machen." Jeder Doktorand muss eine ehrenwörtliche Erklärung abgeben, "dass er die Dissertation selbstständig verfasst und keine anderen als die von ihm angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat".

Was genau ist ein Plagiat in wissenschaftlichen Arbeiten?

Wenn der Prüfungsordnung zuwider gehandelt wird, also die benutzte Literatur und die Hilfsquellen beim Verfassen der wissenschaftlichen Arbeit nicht vollständig angegeben werden, und die aus diesen Quellen entnommenen Textstellen nicht ausreichend kenntlich gemacht werden, handelt es sich um ein Plagiat. Denn in diesem Fall behauptet der Autor indirekt und fälschlicherweise, der Urheber dieser Ideen zu sein.

Welche Arten von Plagiaten gibt es?

Man unterscheidet zwischen Print- und Online-Plagiaten. Im ersten Fall werden einzelne Sätze oder Textpassagen aus Büchern und Zeitschriften übernommen. Beim Online-Plagiarismus werden Textstellen ganz einfach per Copy und Paste in die Arbeit kopiert. Außerdem wird zwischen offensichtlichen und versteckten Plagiaten unterschieden: Offensichtliche Plagiate sind exakte Übernahmen fremden Gedankenguts, also Zitate ohne Anführungszeichen. Bei versteckten Plagiaten werden die Sätze nur geringfügig geändert, sodass der Sinn dahinter aber derselbe bleibt.

Welche Konsequenzen haben Plagiate?

Wenn Plagiate beim Einreichen der Arbeit auffallen, wird diese in der Regel nicht angenommen, das bedeutet während des Studiums, das Fach wird nicht bestanden. Bei einer Doktorarbeit heißt das, dass der Doktorgrad nicht vergeben wird. Zudem wird untersucht, ob die fremden Textstellen unbewusst oder bewusst übernommen wurden. Ist letzteres der Fall, wird zusätzlich gegen die ehrenwörtliche Erklärung (s.o.) verstoßen und der betreffende Student wird exmatrikuliert.

Darf man eine Doktorarbeit wiederholen?

Während des Promotionsverfahrens kann der Prüfer dem Bewerber die Dissertation zur Verbesserung zurückgeben. In diesem Fall kann also noch nachträglich etwas geändert werden. Ist das Promotionsverfahren aber abgeschlossen, geht das nicht mehr.

Was passiert, wenn Plagiate erst nach der Promotion bekannt werden?

In einer solchen Situation wird zunächst die Promotionskommission der betreffenden Fakultät einer Universität tätig. Sie prüft nachträglich, ob in den angekreideten Textpassagen tatsächlich Plagiate zu finden sind und ebenfalls, ob diese bewusst in den Text eingearbeitet wurden. Kann eine bewusste Täuschung nicht nachgewiesen werden, ist das Untersuchungsverfahren damit beendet. Weil die Promotion zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen ist, darf der Träger seinen Doktorgrad behalten. Handelt es sich aber um eine bewusste Täuschung, wird er dem Autor entzogen.

Welche Prüfungsordnung ist ausschlaggebend?

Prüfungsordnungen werden ständig verändert. Treten Plagiatsvorwürfe auf, die sich auf eine Dissertation beziehen, die unter Geltung einer ehemaligen Prüfungsordnung verfasst und abgenommen wurde, orientiert sich auch die Untersuchung der Vorwürfe an der damals gültigen Ordnung.

Kann man seinen Doktorgrad selber ablegen?

Nein, das ist nicht möglich. Dem Träger den Doktorgrad absprechen kann nur diejenige Einrichtung, die ihn ursprünglich verliehen hat. Tut sie das nicht, bleibt er bestehen und kann vom Träger nicht einfach so abgelegt werden, auch nicht übergangsweise. Es gibt hauptsächlich zwei mögliche Gründe, den Doktorgrad zu entziehen: wissenschaftliches Fehlverhalten, etwa durch Fälschungen und Plagiate, oder wenn der Gradträger schwer straffällig geworden ist.

Doktortitel vs. Doktorgrad - was gilt?

Korrekt bezeichnet ist der Doktor kein Titel, wie beispielsweise ein Adelstitel, sondern der höchste akademische Grad, der durch eine Hochschulausbildung erreicht werden kann. Er wird durch die Promotion erworben, eine Prüfung, die die Befähigung zu eigenständiger Forschung an einer Hochschule nachweist. Die Promotion ist außerdem die Voraussetzung für die Habilitation, eine weitere Prüfung, die dann die Lehrbefähigung des Prüflings in einem wissenschaftlichen Fach feststellt.

Stand: 23.02.2011 21:08 Uhr

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