Fragen und Antworten

Fragen und Antworten Promotion, Plagiate und die Konsequenzen

Stand: 23.02.2011 21:08 Uhr

Die Uni Bayreuth hat Minister zu Guttenberg den Doktorgrad aberkannt. Guttenberg hatte darum gebeten wegen "gravierender handwerklicher Fehler" in seiner Dissertation. tagesschau.de gibt einen Überblick über die Plagiatsvorwürfe, das Verfahren und die Ansprüche an wissenschaftliches Arbeiten.

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Wie wurden die Vorwürfe gegen Guttenberg überprüft?

Bei der Überprüfung der Vorwürfe orientiert sich die "Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft" an der Uni Bayreuth an Richtlinien, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft erarbeitet hat. Diese gibt Empfehlungen zum  Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten wie "Erfindung und Fälschung von Daten, Plagiat, Vertrauensbruch".

Die Promotionsordnung der Uni Bayreuth legt den Umgang mit ungültigen Promotionsleistungen fest: "Wird die Täuschung erst nach Aushändigung der Urkunde bekannt, so kann nachträglich die Doktorprüfung für nicht bestanden erklärt werden", heißt es dort. In diesem Fall wird die Promotionsurkunde eingezogen. Diese Entscheidung sei "nach einer Frist von fünf Jahren ab Datum der Promotionsurkunde ausgeschlossen".

Welche Anforderungen muss eine Doktorarbeit erfüllen?

Die Anforderungen an eine Doktorarbeit legt die jeweilige Fakultät der Universität in ihrer Promotionsordnung fest. Diese variiert je nach Hochschule und Studienfach. In der Ordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät Bayreuth heißt es: "Die Dissertation muss eine selbstständige wissenschaftliche Leistung darstellen (...). Die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen sind vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommene Stellen sind kenntlich zu machen." Jeder Doktorand muss eine ehrenwörtliche Erklärung abgeben, "dass er die Dissertation selbstständig verfasst und keine anderen als die von ihm angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat".

Was genau ist ein Plagiat in wissenschaftlichen Arbeiten?

Die Doktorarbeit von zu Guttenberg | Bildquelle: dpa
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Meins oder seins? Minister zu Guttenberg soll Teile seiner Doktorarbeit abgekupfert haben.

Wenn der Prüfungsordnung zuwider gehandelt wird, also die benutzte Literatur und die Hilfsquellen beim Verfassen der wissenschaftlichen Arbeit nicht vollständig angegeben werden, und die aus diesen Quellen entnommenen Textstellen nicht ausreichend kenntlich gemacht werden, handelt es sich um ein Plagiat. Denn in diesem Fall behauptet der Autor indirekt und fälschlicherweise, der Urheber dieser Ideen zu sein.

Welche Arten von Plagiaten gibt es?

Man unterscheidet zwischen Print- und Online-Plagiaten. Im ersten Fall werden einzelne Sätze oder Textpassagen aus Büchern und Zeitschriften übernommen. Beim Online-Plagiarismus werden Textstellen ganz einfach per Copy und Paste in die Arbeit kopiert. Außerdem wird zwischen offensichtlichen und versteckten Plagiaten unterschieden: Offensichtliche Plagiate sind exakte Übernahmen fremden Gedankenguts, also Zitate ohne Anführungszeichen. Bei versteckten Plagiaten werden die Sätze nur geringfügig geändert, sodass der Sinn dahinter aber derselbe bleibt.

Welche Konsequenzen haben Plagiate?

Wenn Plagiate beim Einreichen der Arbeit auffallen, wird diese in der Regel nicht angenommen, das bedeutet während des Studiums, das Fach wird nicht bestanden. Bei einer Doktorarbeit heißt das, dass der Doktorgrad nicht vergeben wird. Zudem wird untersucht, ob die fremden Textstellen unbewusst oder bewusst übernommen wurden. Ist letzteres der Fall, wird zusätzlich gegen die ehrenwörtliche Erklärung (s.o.) verstoßen und der betreffende Student wird exmatrikuliert.

Darf man eine Doktorarbeit wiederholen?

Während des Promotionsverfahrens kann der Prüfer dem Bewerber die Dissertation zur Verbesserung zurückgeben. In diesem Fall kann also noch nachträglich etwas geändert werden. Ist das Promotionsverfahren aber abgeschlossen, geht das nicht mehr.

Was passiert, wenn Plagiate erst nach der Promotion bekannt werden?

In einer solchen Situation wird zunächst die Promotionskommission der betreffenden Fakultät einer Universität tätig. Sie prüft nachträglich, ob in den angekreideten Textpassagen tatsächlich Plagiate zu finden sind und ebenfalls, ob diese bewusst in den Text eingearbeitet wurden. Kann eine bewusste Täuschung nicht nachgewiesen werden, ist das Untersuchungsverfahren damit beendet. Weil die Promotion zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen ist, darf der Träger seinen Doktorgrad behalten. Handelt es sich aber um eine bewusste Täuschung, wird er dem Autor entzogen.

Welche Prüfungsordnung ist ausschlaggebend?

Prüfungsordnungen werden ständig verändert. Treten Plagiatsvorwürfe auf, die sich auf eine Dissertation beziehen, die unter Geltung einer ehemaligen Prüfungsordnung verfasst und abgenommen wurde, orientiert sich auch die Untersuchung der Vorwürfe an der damals gültigen Ordnung.

Kann man seinen Doktorgrad selber ablegen?

Nein, das ist nicht möglich. Dem Träger den Doktorgrad absprechen kann nur diejenige Einrichtung, die ihn ursprünglich verliehen hat. Tut sie das nicht, bleibt er bestehen und kann vom Träger nicht einfach so abgelegt werden, auch nicht übergangsweise. Es gibt hauptsächlich zwei mögliche Gründe, den Doktorgrad zu entziehen: wissenschaftliches Fehlverhalten, etwa durch Fälschungen und Plagiate, oder wenn der Gradträger schwer straffällig geworden ist.

Doktortitel vs. Doktorgrad - was gilt?

Korrekt bezeichnet ist der Doktor kein Titel, wie beispielsweise ein Adelstitel, sondern der höchste akademische Grad, der durch eine Hochschulausbildung erreicht werden kann. Er wird durch die Promotion erworben, eine Prüfung, die die Befähigung zu eigenständiger Forschung an einer Hochschule nachweist. Die Promotion ist außerdem die Voraussetzung für die Habilitation, eine weitere Prüfung, die dann die Lehrbefähigung des Prüflings in einem wissenschaftlichen Fach feststellt.

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