Fragen und Antworten

Fragen und Antworten Was tun, wenn der ICE zur Sauna wird?

Stand: 22.10.2015 13:49 Uhr

In Hochgeschwindigkeitszügen ist die Klimaanlage die einzige Chance der Belüftung: Fällt diese im Sommer aus, wird es im ICE extrem heiß. Im Notfall bleibt die Notbremse oder der Nothammer, um eine Scheibe einzuschlagen. Aber hätte das wirklich geholfen? tagesschau.de hat Antworten zusammengestellt.

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Hätten die Passagiere der betroffenen ICE die Notbremse ziehen sollen?

Der Zug hält unmittelbar, sobald die Notbremse betätigt wird. Ein Ventil entlüftet das Bremssystem und löst damit eine Schnellbremsung aus, erläutert Prof. Günter Löffler vom Institut für Technik spurgeführter Fahrzeuge der Technischen Universität Dresden. Der Lokführer kann den Bremsvorgang jedoch kurzzeitig überbrücken - sollte der Zug sich gerade etwa in einem Tunnel befinden.

Allerdings hätte eine Notbremsung den Passagieren in den überhitzten ICEs wohl kaum etwas genützt, meint Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Die Türen werden nämlich auf freier Strecke nicht geöffnet - auch nicht, um bei großer Hitze frische Luft in den Zug zu lassen. Zu groß wäre das Risiko, sollten Fahrgäste den Zug verlassen und auf den Gleisen herumirren. Sind Personen auf den Gleisen, muss die Strecke gesperrt werden - und der übrige Bahnverkehr wird behindert. Im Endeffekt wäre der Nothalt außerhalb eines Bahnhofs also weiterhin unangenehm - mit dem Unterschied, dass der heiße Zug dann steht, statt zu fahren.

Wäre es besser, die Fensterscheiben einzuschlagen?

Während der Fahrt sollte man das auf keinen Fall versuchen: Laut Experten herrschen während einer ICE-Fahrt Luftdruckbedingungen wie bei einem startenden Flugzeug. Sollte eine Scheibe beschädigt sein, fährt der ICE Bahnangaben zu Folge mit verminderter Geschwindigkeit den nächsten Bahnhof an oder muss stehen bleiben - das wird jeweils im Einzelfall entschieden.

Prinzipiell können im ICE mit einem roten Punkt gekennzeichnete Scheiben aber eingeschlagen werden. Dabei zerbröselt das Glas zunächst nur, ähnlich wie die Windschutzscheibe eines Autos, erläutert Prof. Günter Löffler von der TU Dresden. Um das Fenster dann zu öffnen, müsste man die Scheibe eindrücken. Dies ist jedoch nur für den Fall einer Evakuierung vorgesehen - als Notausstieg, wenn der Zug steht.

Bei den extremen Hitzebedingungen in den ICEs hätte der Bahntechnik-Experte Löffler trotzdem zum Nothammer gegriffen - allerdings erst, nachdem er die Notbremse gezogen hat, um dann bei verminderter Fahrgeschwindigkeit oder eben Stillstand des Zuges ein Fenster aufzuschlagen.

Eine Notbremsung oder kaputte ICE-Fensterscheiben können teuer werden. Muss der Passagier zahlen?

Eine Notbremse ist nur im Notfall zu benutzen - das gleiche gilt für das Einschlagen eines Fensters. Ein solcher Notfall tritt ein, wenn die eigene Sicherheit gefährdet ist oder die anderer Reisender. Ob das für den großen Klimaanlagen-Ausfall zutrifft, sei schwer einzuschätzen, so Heinz Klewe von der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Genaue Angaben dazu finden sich in den Beförderungsbedingungen der Bahn nicht.

Der Missbrauch einer Bremse kostet 200 Euro - mindestens: Zusätzlicher Schadenersatz für andere Schäden, etwa durch Streckensperrungen, könnte hinzukommen. Statt zum Nothammer zu greifen sollten sich Passagiere deshalb, so Klewe, an die Zugbegleiter wenden, sobald sie bemerken, dass es ihnen oder einem Mitreisenden auf Grund der Hitze nicht gut geht.

Hat man als Passagier beim Ausfall der Klimaanlage Anspruch auf Wasser und andere Getränke?

Ein Recht darauf gibt es - anders als bei Verspätungen - nicht. Den Passagieren werden aber, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn, kostenlos Getränke angeboten - solange der Vorrat reicht. Für den Sommer würde dabei der Bestand an antialkoholischen Getränken an Bord aufgestockt. Und wenn nichts mehr da ist? Das Wasser aus dem Hahn der Bordtoilette ist ausdrücklich kein Trinkwasser. Als erste Abhilfe ist es wohl trotzdem zu empfehlen - zum Kühlen von Armen, Schläfen und Nacken.

Zusammengestellt von Marta Banasch für tagesschau.de

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