Das KaDeWe in Berlin | Bildquelle: dpa

Kennzeichnungspflicht für israelische Produkte KaDeWe verkauft wieder Siedlerweine

Stand: 22.11.2015 17:24 Uhr

Heftige Kritik hagelte es aus Israel, als die EU die Kennzeichnungspflicht für Siedlerprodukte beschloss. Und nochmals heftig reagierte Israel, weil das KaDeWe acht israelische Weine aus dem Sortiment genommen hatte. Nun aber macht das Kaufhaus einen Rückzieher.

Das Berliner Kaufhaus des Westens KaDeWe hat auf die heftige Kritik von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagiert und angekündigt, ab sofort wieder die acht israelischen Weine verkaufen zu wollen, die aus dem Sortiment entfernt worden waren.

Nach der Empfehlung der EU sei "hausintern zu rasch und unsensibel gehandelt worden", erklärte die Geschäftsleitung am Sonntag. In einer Stellungnahme hieß es weiter: "Wir bedauern, dass es durch dieses falsche Verhalten seitens der KaDeWe-Group zu Missverständnissen gekommen ist, und bitten, dies zu entschuldigen." Das KaDeWe sei stolz auf sein internationales Sortiment, zu dem "selbstverständlich auch über 200 israelische Produkte" gehörten. "Das KaDeWe steht für Weltoffenheit und Internationalität. Wir lehnen jede Form von Diskriminierung und Intoleranz ab."

Wenige Stunden zuvor hatte Israels Ministerpräsident Netanyahu das KaDeWe heftig kritisiert und von einem "Boykott" gesprochen. Gegen "diesen moralisch, sachlich und historisch unangemessenen Schritt" protestiere er in aller Schärfe.

"Dieses Kaufhaus war in jüdischem Besitz, die Nazis haben es enteignet. Es ist absurd, dass dieses Kaufhaus jetzt Produkte aus den Siedlungen in Judäa und Samaria (Westjordanland) und den Golanhöhen kennzeichnet."

Kaufen oder boykottieren?

Die EU-Kommission hatte am 11. November eine Kennzeichnungspflicht für Obst, Gemüse und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie Kosmetika aus Siedlungen im Westjordanland, auf den Golanhöhen sowie aus Ost-Jerusalem bekannt gegeben. Verbraucher in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen die Möglichkeit haben, israelische Siedlerprodukte aus besetzten arabischen Gebieten zu kaufen oder bewusst zu boykottieren.

Das KaDeWe nahm nach dieser Verfügung aus Brüssel acht Weine aus dem Sortiment, bei denen der Siedlungshinweis fehlte.

Aus der Stadt Ramallah im Westjordanland wird Wein exportiert. Solche Produkte müssen künftig gekennzeichnet werden. | Bildquelle: REUTERS
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Aus der Stadt Ramallah im Westjordanland wird Wein exportiert. Solche Produkte müssen künftig gekennzeichnet werden.

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