Kölner Ditib Zentralmoschee in Ehrenfeld | Bildquelle: dpa

Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen Ditib-Spionage

Stand: 18.01.2017 14:03 Uhr

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts beim bundesweiten Dachverband der Moscheengemeinden, Ditib. Von dort sollen Informationen über Anhänger des Predigers Gülen nach Ankara weitergereicht worden sein.

Mitglieder des türkischen Moscheenverbands in Deutschland, Ditib, sollen Informationen über Anhänger des Predigers Fethullah Gülen an die Regierung in Ankara weitergereicht haben. Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Spionageverdachts gegen Unbekannt. Gülen gilt in der Türkei als Staatsfeind und maßgeblicher Drahtzieher des misslungenen Putschversuchs im Juli vergangenen Jahres.

Erst Bestätigung, dann Richtigstellung

Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte in der "Rheinischen Post" zunächst bestätigt, dass Imame des Verbands Informationen über Gülen-Anhänger weitergeleitet haben. Von einer "Panne" war da die Rede. Später veröffentlichte der Verband auf seiner Webseite eine "Richtigstellung". Darin hieß es nur noch, die Vorwürfe würden ernst genommen und von Ditib weiterhin untersucht.

Muslime beten im Gebetsraum der DiTiB-Moschee in Stuttgart | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Etwa 900 türkisch-islamische Vereine sind bei Ditib organisiert.

Ditib ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. Der Verband untersteht letztlich der Kontrolle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Laut Satzung gibt es enge - auch personelle - Verbindungen zum staatlichen türkischen Religionsamt Diyanet in Ankara. Diyanet hatte im vergangenen September alle für Religion zuständigen Mitarbeiter türkischer Botschaften und Konsulate dazu aufgefordert, Berichte über Aktivitäten der Gülen-Bewegung in ihrer Region zu verfassen und diese an die Religionsbehörde zu schicken.

Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Volker Beck, kritisierte die späte Aufnahme von Ermittlungen. Er habe bereits im Dezember Anzeige beim Generalbundesanwalt erstattet. Nun müsse geklärt werden, ob Tatverdächtige nicht inzwischen ausgereist seien.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Januar 2017 um 17:00 Uhr.

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