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G20-Gipfel in Hamburg Erdogan kommt ohne Prügel-Leibwächter

Stand: 26.06.2017 13:42 Uhr

Beim G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg wird der türkische Präsident Erdogan zwar von Sicherheitspersonal begleitet. Doch es werden nicht die Leibwächter sein, die in Washington auf Demonstranten eingeschlagen haben. Das gab das Auswärtige Amt bekannt.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wird zum G20-Gipfel nicht die Leibwächter mitbringen, die in Washington Demonstranten geschlagen hatten. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte, die Regierung sei sehr sicher, "dass diese Personenschützer nicht den türkischen Staatspräsidenten nach Hamburg begleiten werden".

Vorfall wie in Washington soll vermieden werden

Nach Angaben der US-Polizei werden neun türkische Sicherheitsbeamte, drei türkische Polizisten und zwei Kanadier per Haftbefehl gesucht, weil sie bei einer Demonstration in Washington Mitte Mai auf Gegner Erdogans eingeschlagen hätten. Der Zwischenfall hatte sich vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington ereignet. Gegner Erdogans warteten dort nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump mit Sprechchören auf den türkischen Staatschef. Daraufhin griffen türkische Sicherheitsleute und Erdogan-Anhänger die Demonstranten an und verletzten neun von ihnen. Erdogan empörte sich später über die Haftbefehle und warf der US-Polizei vor, ihn nicht ausreichend geschützt zu haben.

Leibwächter von Präsident Erdogan prügeln auf mehrere Menschen ein | Bildquelle: AP
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Die Ausschreitungen ereigneten sich am Rande eines Besuchs Erdogans in Washington. Videomitschnitte zeigen, wie Sicherheitsleute brutal auf Demonstranten eintreten.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Bundesregierung einige Sicherheitskräfte Erdogans nicht in Deutschland haben will. Nach dem Vorfall in Washington wolle die Bundesregierung ähnliche Gewaltszenen beim G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg verhindern, berichtete die "Welt am Sonntag". Demnach soll die türkische Botschaft dem Auswärtigen Amt eine Liste mit rund 50 Personen übermittelt haben, die Erdogan nach Hamburg begleiten sollen. Unter ihnen seien mehrere Sicherheitskräfte gewesen, gegen die US-Behörden nach den Gewaltszenen von Washington Haftbefehle erlassen haben. Das Auswärtige Amt machte der Türkei dem Zeitungsbericht zufolge deutlich, dass diese nicht nach Deutschland kommen sollten. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte den Bericht nicht kommentieren.

Bewaffnetes Sicherheitspersonal nur mit deutscher Erlaubnis

Generell gilt, dass das Sicherheitspersonal der Delegationen beim Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nur mit Erlaubnis der Bundesregierung Waffen tragen darf. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Bundesverwaltungsamt berichteten, beantragten bereits mehrere Staaten eine solche Waffenerlaubnis, unter ihnen die USA, Großbritannien, Mexiko, Südafrika, Vietnam und die Niederlande.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juni 2017 um 18:38 Uhr.

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