Die Sorbonne in Paris | Bildquelle: picture alliance / Youngtae/Leem

30 Jahre EU-Förderprogramm Studieren an der Sorbonne - dank Erasmus

Stand: 01.06.2017 02:02 Uhr

Ein Semester in Paris oder Barcelona - dank Erasmus für viele Studierende mittlerweile ganz normal. Zuletzt haben 45.000 Deutsche Förderung für ihren Auslandsaufenthalt aus dem EU-Programm beantragt. Die Erfahrungen sind durchaus unterschiedlich.

Von Danny Marques Marcalo für tagesschau.de

Am Anfang war es ziemlich übersichtlich. Nur 657 deutsche Studierende wurden im ersten Erasmusjahr 1987 gefördert. Die Zeiten haben sich geändert. Im Jahr 2016 wurden fast 45.000 Anträge genehmigt.

Doch man könne nicht allen Wünschen nachkommen, sagt Patrick Honecker, Sprecher der Universität Köln. "Die meisten Studierenden wollen nach Südeuropa. Barcelona ist ein sehr beliebtes Ziel." Plätze an prestigeträchtigen Universitäten, wie der Sorbonne in Paris, sind ebenfalls schnell vergeben. "Viel bessere Chancen hat man, wenn man nach Skandinavien möchte", sagt Honecker.

Hintergrund: Erasmus-Programm

Die EU hat mehrere Förderprogramme für Auslandsaufenthalte. Mit Erasmus werden Studierende, aber auch Auszubildenende und Lehrende, unterstützt. 33 Länder machen mit, durchschnittlich gibt es 325 Euro Förderung. Benannt ist das Programm nach dem Gelehrten Erasmus von Rotterdam.

2,5 Millarden Euro Förderung im Jahr 2017

Insgesamt nehmen 33 Länder an Erasmus teil. Neben den Ländern der Europäischen Union sind das Norwegen, Island, Liechtenstein, die Türkei und die Schweiz.

Die an der Uni im Ausland erbrachten Leistungen werden auch an der Heimatuniversität anerkannt. Studierende, aber auch Praktikanten und Lehrende, werden finanziell unterstützt. Das Geld wird - je nach Anzahl der Studenten, die aus einem Land teilnehmen - von den Staaten bereitgestellt. Allein für 2017 sind das 2,5 Milliarden Euro.

Wie hoch die Förderung ist, hängt davon ab, wo es hingehen soll. In Großbritannien sind die Lebenshaltungskosten höher als in Osteuropa. Deshalb gibt es in dem Fall mehr Geld. Durchschnittlich sind es 325 Euro im Monat. Studiengebühren werden Erasmus-Studenten erlassen.

Studenten sitzen in einem Hörsaal
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45.000 Studenten aus Deutschland, gingen 2016 für ein Semester ins Ausland.

Ein Semester im Ausland kann hilfreich sein

Ein Vorurteil über Erasmus lautet: Viele würden die Zeit im Ausland nicht sinnvoll nutzen, sondern nur feiern und Urlaub machen. Kerstin Krüsemann aus Hamburg hat eine andere Erfahrung gemacht. Sie hat Fremdsprachen und Didaktik studiert und war 2011 im spanischen Huelva. Sie sagt: "Viel Party habe ich da nicht gemacht. Im Gegenteil, ich habe für einen Professor als Tutorin gearbeitet." So habe sie ihre Spanisch- und Englisch-Kenntnisse deutlich verbessert. Besonders spannend sei für sie gewesen, dass die Lehre ganz anders organisiert sei. "Im Gegensatz zu Deutschland wurde viel mehr Wert auf mündliche Beteiligung gelegt. Das war sehr spannend", sagt sie.

"Im Grunde war es wie Schulunterricht"

Etwas kritischer ordnet Wiebke Döscher aus Kiel ihre Erfahrung ein. 2015 war sie im Rahmen ihres Agrarwirtschaftsstudiums in Rennes in Frankreich. "Ich konnte mir keine Kurse aussuchen, hatte fast zehn Stunden Unterricht am Tag. Im Grunde war es wie Schulunterricht." Aber auch sie sagt, dass sie nach den Monaten in Rennes besser Französisch spreche und davon profitiere.

Praktikums-Ordner
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Auslandspraktika schaffen bessere berufliche Perspektiven als Studienaufenthalte.

Viele Studenten erhoffen sich, dass sie von einem Auslandsaufenthalt auch für einen späteren Berufseinstieg profitieren. Ob das der Fall ist, hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) untersucht. Ergebnis: "Auslandspraktika scheinen sich etwas mehr auszuzahlen als reine Studienphasen im Ausland", sagt Nicolai Netz vom DZHW. Aber egal ob Studium oder Praktikum, es gelte: Menschen mit Auslandserfahrungen bekommen häufiger Jobs bei internationalen Unternehmen, die zudem besser bezahlt werden.

Erasmus als Völkerverständigung

Auch für die Universitäten sind internationale Studenten immer wichtiger. "Mittlerweile werben wir auf Messen im Ausland und auf Social Media, damit Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen", sagt Patrick Honecker von der Uni Köln. Zwei Dutzend Mitarbeiter kümmern sich allein an seiner Universität um Auslandsangelegenheiten. Honecker sagt: "Angesichts des demografischen Wandels ist Deutschland auf gut ausgebildete, junge Menschen aus anderen Nationen angewiesen." Ein Programm wie Erasmus helfe da.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juni 2017 um 14:47 Uhr und am 05. Juni 2017 um 14:07 Uhr.

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