Einheit noch nicht vollzogen Ostdeutsche fühlen sich nicht als Bundesbürger

Stand: 20.07.2009 16:38 Uhr

Trabikolonne am Grenzübergang Herleshausen | Bildquelle: dpa
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Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall sieht die Mehrheit der Ostdeutschen große Unterschiede zwischen Ost und West.

Deutschland feiert in diesem Jahr 20 Jahre Mauerfall, doch für die Mehrheit der Ostdeutschen besteht die Trennung zwischen Ost und West fort. Wie eine Umfrage im Auftrag des Sozialsverbands Volkssolidarität ergab, sieht jeder zweite Ostdeutsche große Unterschiede zwischen den Lebensbedingungen in Ost und West. 21 Prozent erwarten sogar, dass die Unterschiede auch in 50 Jahren noch bestehen werden. Mehrheitlich herrsche die Meinung, dass die Einheit noch immer nicht vollzogen sei, sagte der Präsident der Volkssolidarität, Gunnar Winkler, in Berlin. Nur jeder fünfte Ostdeutsche (19 Prozent) sieht die deutsche Einheit demnach auf einem gutem Weg. Insgesamt bewerten Arbeitslose und Niedrigverdiener den Stand der deutschen Einheit deutlich negativer als Akademiker, Beamte und unter 25-Jährige.

Infografik: Deutsche Einheit
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38 Prozent der Ostdeutschen sehen die Einheit als Gewinn.

Gewinner und Verlierer der Einheit

Als Verlierer der Einheit sehen sich Befragte im Alter zwischen 50 und 60 Jahren, Arbeitslose und Menschen in ländlichen Gegenden. Großstadtbewohner, Akademiker, Selbstständige und Besserverdiener ziehen für sich eine positive Bilanz der Einheit. Die Herausgeber der Studie weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass es "die" unzufriedenen Ostdeutschen nicht gibt: 44 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Ihre eigene wirtschaftliche Lage bewerten allerdings nur 32 Prozent als gut. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt sogar, dass es ihnen in fünf Jahren schlechter gehen werde.

Als "richtige Bundesbürger" fühlen sich ein Viertel der Befragten. Das sind 16 Prozent mehr als 1997. Auch hier gilt: Je jünger die Befragten, desto höher die Identifikation als Bundesbürger. 60 Prozent fühlen sich demnach weder im DDR-System noch in der Bundesrepublik richtig wohl.

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Bei den über 35-Jährigen wurde ein Großteil der Erwartungen nach der Wende erfüllt.

Kein Vertrauen in Politikeraussagen

Die Demokratie hält eine große Mehrheit in den neuen Ländern für wichtig (67 Prozent). Gleichzeitig fordern 60 Prozent mehr Teilhabe, etwa durch Volksentscheide. Das Vertrauen in Politikeraussagen ist fast gleich Null: Weniger als 1 Prozent der Befragten glaubt Wahlversprechen - im Superwahljahr 2009 ein bedenkliches Ergebnis.

Die Untersuchung mit dem Titel "Die Sicht der Ostdeutschen auf 20 Jahre friedliche Revolution 1989 bis 2009" wurde vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg im Auftrag der Volkssolidarität erstellt. Dafür wurden rund 1900 Bürger der ostdeutschen Bundesländer befragt. Die Volkssolidarität gehört mit rund 300 000 Mitgliedern zu den großen Sozial- und Wohlfahrtsverbänden Deutschlands.

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Nur fünf Prozent der Ostdeutschen glauben, dass Ost und West zusammengewachsen sind.

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