Sichergestellte Drogen in Tüten auf einem Tisch drapiert | Bildquelle: dpa

Drogenbericht der Bundesregierung Mehr synthetische Drogen - mehr Tote

Stand: 21.04.2015 15:01 Uhr

In Deutschland sind 2014 Jahr wieder mehr Menschen an Drogen gestorben. Der Drogenbericht der Regierung verzeichnet 1032 Tote - drei Prozent mehr als 2013. Besonders problematisch: Immer mehr Menschen nehmen synthetische Drogen.

Von Bastian Sorge, SWR, ARD-Hauptstadtstudio

Versteckt zwischen Gurken, Knoblauch und Bananen, über die Häfen Hamburg und Bremen oder über die Balkanroute, so kommen die unterschiedlichsten Drogen tonnenweise nach Deutschland. Nur ein Bruchteil, davon muss man ausgehen, wird gefunden. Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, sagte bei der Vorstellung des Drogenberichts 2014, dass immer mehr im Internet gedealt wird und zwar über das sogenannte "Darknet". Der Handel sei schwierig bis gar nicht zurückverfolgbar. Bezahlt wird mit Bitcoins, einer virtuellen Währung.

Immer mehr synthetische Drogen

Eine weitere Entwicklung: Deutschlands Drogenabhängige werden immer älter. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler von der CSU führt das auf die bessere Gesundheitsversorgung zurück. Und: Die Drogenabhängigen nehmen immer weniger konventionelle Drogen wie Heroin, Kokain oder Crack , sagt BKA-Präsident Holger Münch: "Der Drogenmarkt verändert sich kontinuierlich in den letzten Jahren. Er ist heute komplexer geworden, sicherlich durch andere Formen des Vertriebs, er ist dynamischer geworden und er verändert sich vor allem strukturell weg von pflanzlichen Stoffen hin zu synthetischen Drogen. Eine Ausnahme bildet da sicherlich Marihuana."

Aber weder BKA-Präsident Münch noch die Drogenbeauftragte Mortler denken daran, Mariuhana legalisieren zu wollen. Zu gefährlich sei das als Einstiegsdroge, und das falsche Signal noch dazu. 

Badesalze und Kräutermischungen: Das Problem der "Legal Highs"

Gegen synthetische Drogen wollen sie aber stärker vorgehen. Besonders die sogenannten Legal Highs stehen da im Fokus: Europaweit gibt es etwa 1500 Rauschmittel, die sich als Kräutermischungen oder Badesalze tarnen. Jede Woche kommen zwei neue Wirkstoffe dazu, die Gesetzgebung kommt nicht hinterher und die Polizei kann oft nichts tun.

"Legal Highs": Synthetische Drogen getarnt als Badesalz

Unter "Legal Highs" versteht man Präparate, die psychoaktive Substanzen erhalten und häufig als Badesalze, Kräutermischungen oder Lufterfrischer über das Internet vertrieben werden. Es handelt sich dabei oft um künstlich hergestellte Wirkstoffe, die chemisch gesehen Cannabis-Erzeugnissen ähneln, die aber wegen leichter molekularer Veränderungen nicht unter bereits ausgesprochene Verbote fallen. In Deutschland sind laut BKA mittlerweile mehr 1500 "Legal-High-Produkte" mit rund 160 psychoaktiven Wirkstoffen bekannt. Ihre genaue Zusammensetzung ist häufig unbekannt, was hohe Risiken für Konsumenten birgt. Die Nebenwirkungen der Substanzen reichen von Übelkeit, Herzrasen und Erbrechen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Tod.

Daran soll sich jetzt etwas ändern, sagt die Drogenbeauftragte Marlene Mortler. Die Regierung arbeite an einem Gesetzentwurf, der die Regeln für Legal Highs verschärft. Wann der fertig ist? Schwierig. Aber bei der dritten Nachfrage verspricht die Drogenbeauftragte dann doch: "Ich kann Ihnen sagen, er kommt und zwar in diesem Jahr".

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