Bundestagspräsident Norbert Lammert sprich während des Festaktes zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der Semperoper in Dresden (Sachsen).  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Tag der Deutschen Einheit in Dresden "Eine kleine Dosis Zufriedenheit"

Stand: 03.10.2016 18:41 Uhr

Mit einem Festakt in der Dresdner Semperoper ist am Tag der Deutschen Einheit an die Wiedervereinigung vor 26 Jahren erinnert worden. Bundestagspräsident Lammert mahnte zu mehr Respekt und Toleranz und wandte sich direkt an pöbelnde Demonstranten.

Ungeachtet der aktuellen Probleme sieht Bundestagspräsident Lammert am Tag der Deutschen Einheit Grund zum Feiern. "Vieles ist uns gelungen, manches offenbar besser als anderen", sagte er beim zentralen Festakt in der Dresdner Semperoper. "Wir leben in Verhältnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet." Deutschland könne sich daher "eine kleine Dosis Zufriedenheit" erlauben, wenn nicht sogar ein Glücksgefühl.

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Merkel und Gauck verlassen die Frauenkirche #TdDE16 https://t.co/McwjlHMYnj

Er wandte sich auch direkt an die Menschen, die die geladenen Politiker zuvor bei ihrer Ankunft zu den Feierlichkeiten noch lautstark beschimpft hatten. Die Demonstranten, vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen "Pegida"-Bündnisses, hatten "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg" gerufen. Auch während der Rede, die vor der Semperoper auf einer großen Leinwand übertragen wurde, und der Abreise waren die Beschimpfungen unüberhörbar, auch Trillerpfeifen ertönten.

Die Polizei verteidigte, dass sie die Störaktion vor der Frauenkirche nicht beendete. Von den Personen sei keine Gefahr ausgegangen, ihre Äußerungen habe man als Form der Meinungsäußerung gewertet. "Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit der Stadt entschieden, nicht einzugreifen", hieß es in der Erklärung.

Am Nachmittag zog ein Demonstrationszug von "Pegida" wie fast jeden Montag durch die Stadt. Die unabhängige Forschungsgruppe "durchgezählt" sprach von bis zu 4800 Teilnehmern. Unter den Demonstranten befanden sich nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa erkennbar viele Neonazis. Auf Transparenten wurde unter anderem Merkels Rücktritt gefordert.

"Pegida"-Demo in Dresden | Bildquelle: REUTERS
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Einige Tausend Menschen nahmen an einer "Pegida"-Demonstration teil.

"Mindestansprüchen der Zivilisation genügen"

"Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien, haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde", sagte Lammert. "Wer das Abendland gegen tatsächliche und vermeintliche Bedrohungen verteidigen will, muss seinerseits den Mindestansprüchen der westlichen Zivilisation genügen: Respekt und Toleranz üben und die Freiheit der Meinung, der Rede, der Religion wahren und den Rechtsstaat achten."

"Ein Tag der Dankbarkeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Rande der Feierlichkeiten, für die "allermeisten Menschen in Deutschland" sei der Tag der Einheit nach wie vor "ein Tag der Freude, ein Tag der Dankbarkeit". Es sei aber "natürlich auch ein Tag, an dem wir 26 Jahre nach der Deutschen Einheit sehen, dass noch Probleme auf uns warten". Sie traf sich auch mit dem Imam, auf dessen Moschee in der vergangenen Woche ein Sprengstoffanschlag verübt worden war. Die Frau des Geistlichen sowie seine sechs und zehn Jahre alten Söhne waren bei dem Treffen dabei. Sie hatten sich zum Zeitpunkt des Anschlags in dem Gebäude aufgehalten. Ein zweiter Sprengsatz explodierte vor einem Kulturzentrum.

Demonstranten beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden
tagesschau 16:30 Uhr, 03.10.2016, Markus Reher, MDR

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Festgottesdienst in der Frauenkirche

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Die Einheitsfeier hatte am Vormittag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche begonnen. Neben Merkel nahmen auch Gauck und der Präsident des Bundesverfassungsgericht Voßkuhle sowie zahlreiche Ministerpräsidenten daran teil.

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