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Affäre um WM-Vergabe DFB geht gegen Beckenbauer vor

Stand: 05.02.2016 18:00 Uhr

Der DFB will möglicherweise Schadenersatz in Millionenhöhe von Franz Beckenbauer und den anderen Mitgliedern des ehemaligen Organisationskomitees (OK) der WM 2006 fordern. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat der Verband ein Verfahren eingeleitet, um zu verhindern, dass Ansprüche verjähren könnten.

Von Georg Mascolo und Christian Baars, NDR

Es geht um viel Geld: Dem DFB könnte durch die dubiosen Zahlungen im Zusammenhang mit der WM 2006 ein immenser Schaden entstehen. Eine mögliche Strafzahlung plus Steuernachzahlung inklusive Zinsen und Zinseszinsen sowie der eventuelle Verlust der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 könnten am Ende etwa 25 Millionen Euro ergeben - und das alles wegen des ominösen Deals zwischen dem WM-Organisationskomitee, der FIFA und dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006.

Der DFB hatte nach bisherigen Kenntnisstand im Jahr 2005 über die FIFA heimlich einen Kredit in Höhe von 6,7 Millionen Euro an Louis-Dreyfus zurückgezahlt. Er hatte das Geld drei Jahre zuvor vorgestreckt - angeblich dafür, dass die FIFA dem WM-OK einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro gewährte. Ermittler prüfen nun den Verdacht, dass die 6,7 Millionen Euro damals in eine schwarze FIFA-Kasse flossen.

Steuerfahnder ermitteln

Seit Mitte Oktober 2015 versuchen Anwälte der Wirtschaftskanzlei Freshfields die Hintergründe der Millionenzahlung aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat parallel dazu ein Strafverfahren wegen Verdachts der schweren Steuerhinterziehung eingeleitet. Beschuldigte in diesem Verfahren sind die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der Ex-Schatzmeister des Verbands, Horst R. Schmidt.

Der Ausgang des Verfahrens ist noch völlig offen. Sollten jedoch Steuerfahnder am Ende zu dem Ergebnis kommen, dass die 6,7 Millionen Euro fälschlicherweise für das Jahr 2006 als Betriebsausgabe abgesetzt wurden, wären Strafe und Steuernachzahlung fällig.

Franz Beckenbauer | Bildquelle: dpa
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Der DFB hält sich die Möglichkeit offen, Schadenersatz von Franz Beckenbauer zu fordern.

Der DFB will sich offenbar die Möglichkeit erhalten, den möglichen Schaden von den ehemaligen Präsidiumsmitgliedern des WM-OK zurückzufordern. Dies beträfe den Ex-Präsidenten des OK, Franz Beckenbauer, sowie Zwanziger, Niersbach, Schmidt und den Beckenbauer-Vertrauten Fedor Radmann.

Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ hat der DFB die Öffentliche Rechtsauskunft-und Vergleichsstelle (ÖRA) in Hamburg eingeschaltet. Sie ist eine außergerichtliche Verhandlungsinstanz und kümmert sich sonst um Fälle, bei denen es beispielsweise um nicht gezahlte Handwerkerrechnungen geht.

Verjährung unterbrochen

Die Anträge bei der ÖRA hat der DFB außer an die ehemaligen WM-Präsidiumsmitglieder auch an den Testamentsvollstrecker von Louis-Dreyfus und die FIFA adressiert. Eingereicht hat der Verband sie bereits Ende 2015. Dadurch wurde die Verjährung der möglichen Taten unterbrochen. Sie hätte eventuell zu Beginn dieses Jahres gedroht. "Der DFB hat die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um eine etwaige Verjährung von Ansprüchen des gemeinnützigen Verbandes zu verhindern", erklärte der Verband auf Anfrage.

Einsprüche oder Widersprüche gegen die Anträge lägen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor, teilt der DFB mit. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass er die betroffenen, ehemaligen WM-OK Mitglieder nicht darüber informiert hatte. Man wollte verhindern, dass die Betroffenen, die noch möglicherweise bei Freshfields erneut aussagen sollen, abgeschreckt würden.

Normalerweise dauert die Zustellung der Anträge Monate, also genug Zeit für den DFB. Womit niemand gerechnet hatte: In der Schweiz werden Anträge früher zugestellt. Radmann lebt in der Schweiz. Die Sache flog also auf. "Ich fühle mich vom DFB reingelegt", sagt einer der Betroffenen: "Das sind doch Methoden von Tricksern.".  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Februar 2016 um 20:00 Uhr.

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