DFB Zentrale Frankfurt | Bildquelle: dpa

Steuer-Razzia in Frankfurt Staatsanwaltschaft ermittelt gegen DFB

Stand: 03.11.2015 11:14 Uhr

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen DFB-Präsident Niersbach und dessen Vorgänger Zwanziger eingeleitet. Beamte durchsuchten am Morgen deren Privatwohnungen und die DFB-Zentrale.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall aufgenommen. Laut der Behörde geht es um den Geldtransfer von 6,7 Millionen Euro des WM-Organisationskomitees an den Fußball-Weltverband FIFA.

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft gegen den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und dessen Vorgänger Theo Zwanziger. "Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Frankfurt am Main Durchsuchungsbeschlüsse für die Geschäftsräume des DFB sowie die Wohnungen der Beschuldigten erlassen", so die Staatsanwaltschaft.

Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach (r.) | Bildquelle: dpa
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Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach (r.) stehen im Fokus der Ermittlungen. (Archivbild)

50 Beamte im Einsatz

Insgesamt seien bei den Durchsuchungen am Morgen 50 Beamte der Frankfurter Steuerfahndung sowie der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt am Main beteiligt gewesen.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, die Einreichung inhaltlich unrichtiger Steuererklärungen veranlasst und dadurch zu wenig Abgaben für das Jahr 2006 gezahlt zu haben.

Steuerminderung nicht rechtens?

In der Erklärung der Staatsanwaltschaft heißt es: "Nach derzeitigem Erkenntnisstand soll eine durch das Organisationskomitee im Frühjahr 2005 geleistete Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro für eine Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht worden sein, obwohl ihr tatsächlich ein anderer Zweck zugrunde lag und die Zahlung daher nicht als abzugsfähige Betriebsausgabe hätte geltend gemacht werden dürfen."

Vom DFB gab es zunächst keine Stellungnahme. Der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger bestätigte der ARD in Frankfurt jedoch, dass er die Durchsuchung ausdrücklich begrüße. Er habe nichts zu verbergen und hoffe, dass die Untersuchungen zur Aufklärung der Korruptionsvorwürfe beitrügen.

Die Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Rahmen der WM-Vergabe 2006 steht bereits seit Wochen im Mittelpunkt der DFB-Affäre. So gibt es weiter den Verdacht, dass das Geld zum Stimmenkauf genutzt wurde, um die WM nach Deutschland zu holen.

DFB-Präsident Niersbach hatte zwar zuletzt erklärt, bei der Vergabe sei alles mit rechten Dingen zugegangen, es habe keinen Stimmenkauf und keine schwarzen Kassen gegeben. Die 6,7 Millionen Euro seien an den Weltfußballverband FIFA geflossen, um dem DFB einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken für die Organisation der Weltmeisterschaft 2006 zu sichern. Die FIFA widersprach allerdings dieser Version.

Steuer-Razzia beim DFB
H. Borufka, HR
03.11.2015 11:42 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 03. November 2015 um 11:42 Uhr auf NDR Info.

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