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ARD-DeutschlandTrend Große Sorgen vor neuem Kalten Krieg

Stand: 30.04.2014 22:24 Uhr

Der Ukraine-Konflikt schürt Ängste vor einem neuen Kalten Krieg: 72 Prozent der Deutschen macht dies laut ARD-DeutschlandTrend große oder sehr große Sorgen. Zudem ist das Vertrauen in Russland als Partner auf einen Tiefststand gerutscht.

Von Michael Strempel, WDR

Die Krise in der Ukraine übersteigt an Dramatik vieles, was sich die Deutschen zu Beginn des Konflikts vorstellen konnten. Die Verunsicherung durch diese Krise ist groß, vor allem durch das Geiseldrama der vergangenen Tage.

Die Mehrheit der Befragten hat aber eine klare Vorstellung, wo Deutschlands Position im Ukraine-Konflikt sein soll: 60 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Deutschland fest an der Seite der USA und der westlichen Bündnispartner stehen sollte. 48 Prozent finden, Deutschland solle sich aus dem Konflikt so weit wie möglich heraushalten, 35 Prozent fordern dagegen von Deutschland mehr Verständnis für die Position Russlands. (Anmerkung der Red.: Die Befragten konnten zu jeder der drei Positionen ihre Haltung äußern. Daher kommt es zu einer Gesamtzahl von über 100 Prozent.)

ARD-DeutschlandTrend I: Wie sollte sich Deutschland im Ukraine-Konflikt verhalten?
tagesthemen 22:15 Uhr, 30.04.2014

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Gespaltene Ansichten zum Thema Sanktionen

Die Frage, welche politischen Maßnahmen in dieser Krise geeignet sind, um Russland zum Einlenken zu bewegen, spaltet die Meinungen noch deutlicher. Bei sanfteren Sanktionen besteht eine deutlich größere Bereitschaft zur Zustimmung: Zusätzliche Einreiseverbote und Kontensperrungen für russische Politiker befürworten 51 Prozent, 41 Prozent sind dagegen.

Wirtschaftssanktionen, die EU und USA bislang nur bei weiterer Eskalation angedroht haben, wünschen sich 50 Prozent, das sind 12 Punkte mehr als noch im März. 43 Prozent lehnen sie ab.

Wie groß die Sorge allgemein ist, zeigt sich vor allem, wenn man einen Begriff wieder einführt, den wir schon in den Geschichtsbüchern geglaubt hatten: Kalter Krieg.

72 Prozent haben sehr große oder große Sorgen, zwischen Russland und dem Westen könne ein neuer Kalter Krieg entstehen, 28 Prozent haben da wenig oder gar keine Sorgen. Zum Vergleich: In der Kaukasus-Krise 2008, in der Russland in Georgien intervenierte, sorgten sich nur die Hälfte der Befragten vor einem neuen Kalten Krieg.

Auch eine andere Zahl zeigt die großen Auswirkungen des Konflikts auf das deutsch-russische Verhältnis: Nur noch 14 Prozent der Befragten sehen in Russland einen vertrauenswürdigen Partner. Der niedrigsten Wert, den der DeutschlandTrend in dieser Frage bisher gemessen hat.

Wenig Interesse an Europawahlen

Für die Ende Mai anstehenden Europawahlen interessieren sich die deutschen bislang sehr wenig: Nur 35 Prozent zeigen hier starkes oder sehr starkes Interesse. 64 Prozent geben an, weniger oder gar kein Interesse an den Europawahlen zu haben.

Die Spitzenkandidaten der großen Parteienfamilien bewerben sich erstmals auch um das Amt des Kommissionspräsidenten. Diese Personalisierung wirkt sich auf das Interesse an dieser Wahl bislang wenig aus. Ein Grund mag im recht niedrigen Bekanntheitsgrad liegen.

Martin Schulz, Spitzenkandidat der europäischen Sozialisten wünschen sich 33 Prozent (+/-0 gegenüber April) als EU-Kommissionspräsidenten, seinen christdemokratischen Kontrahenten Jean Claude Junker 25 Prozent (-4).

Aber 7 Prozent wollen keinen von beiden und 27 Prozent kennen beide nicht. Da muss im Wahlkampf von beiden noch hart gearbeitet werden.

Union weiter vorne

Wäre die Europawahl schon am Sonntag, käme die Union auf 39 Prozent, die SPD auf 27 Prozent und die Grünen auf 9 Prozent. Die Linkspartei käme auf 8 Prozent, die FDP würde 4 Prozent erreichen. Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) liegt in dieser Umfrage bei 6 Prozent.

ARD-DeutschlandTrend II: Wie stehen die Deutschen zur Europawahl und EU-Erweiterung?
tagesthemen 22:15 Uhr, 30.04.2014

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Angesichts des bisher schwachen Interesses besteht also bei der Europawahl für die Parteien zumindest noch erhebliches Mobilisierungspotenzial.

Untersuchungsanlage DeutschlandTrend

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung ab 18 Jahren
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/ Dual Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 70:30)
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)***

Fallzahl: 1003 Befragte
Fragen zu Steuern: ca. 500 Befragte

Sonntagsfrage Deutschland und Sonntagsfrage Europawahl: 1.600 Befragte

Erhebungszeitraum: 28. und 29. April 2014

Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
*bei einem Anteilswert von 5 Prozent **bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Aus statistischen und methodischen Gründen lassen sich bei der Telefonumfrage sehr kleine Parteien nicht sinnvoll ausweisen. Infratest dimap verfolgt deshalb die Praxis, Parteien, deren Anteil lediglich bei zwei Prozent oder darunter vermutet wird, nicht aufzuführen.

Korrespondent

Michael Strempel | Bildquelle: WDR Logo WDR

Michael Strempel, WDR

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