DeutschlandTrend

Angela Merkel | Bildquelle: AFP

ARD-DeutschlandTrend Schulz unten, Merkel obenauf

Stand: 08.06.2017 22:50 Uhr

Der Abstand zwischen der Kanzlerin und ihrem SPD-Herausforderer wächst: Während Martin Schulz einen neuen Tiefstwert verbuchen muss, ist Angela Merkel wieder so beliebt wie vor der Flüchtlingskrise. Die FDP begibt sich auf Höhenflug.

Von Ellen Ehni, WDR

Es ist der niedrigste Wert, der bisher im ARD-DeutschlandTrend für Martin Schulz gemessen wurde: Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat erhält bei der Politikerzufriedenheit 36 Prozent Zustimmung und verliert damit im Vergleich zum Vormonat sechs Punkte. Das hat eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der tagesthemen für den ARD-DeutschlandTrend ergeben.

ARD-DeutschlandTrend: Talfahrt für Schulz und SPD
tagesthemen 22:30 Uhr, 08.06.2017, Ellen Ehni, WDR

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In der Liste der beliebten Politiker erreicht Angela Merkel ihren besten Wert seit August 2015, also vor ihrem berühmten Satz "Wir schaffen das": 64 Prozent der Befragten sind aktuell mit der Arbeit der Kanzlerin zufrieden, ein Punkt mehr als im Vormonat. Ihr folgt Finanzminister Wolfgang Schäuble mit 63 Prozent Zustimmung (-3). Mit der Arbeit von Außenminister Sigmar Gabriel sind 62 Prozent zufrieden bzw. sehr zufrieden (-1). Innenminister Thomas de Maizière erreicht 53 Prozent Zustimmung (+2). Der Parteivorsitzende der Grünen Cem Özdemir erreicht 49 Prozent Zustimmung (-1). Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner erreicht mit 44 Prozent (+7) seinen bisherigen Bestwert im ARD-DeutschlandTrend. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kommt auf 41 Prozent Zustimmung (+3).

Die Diskrepanz zwischen Amtsinhaberin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz spiegelt sich auch in der sogenannten Direktwahlfrage wider. Wenn man die Bundeskanzlerin bzw. den Bundeskanzler direkt wählen könnte, würden sich 53 Prozent der Befragten für Angela Merkel entscheiden (+4 im Vergleich zum Vormonat), 29 Prozent würden sich für Martin Schulz entscheiden (-7). 13 Prozent würden sich für keinen von beiden entscheiden (+3).

Parallel zum Trend in der Direktwahlfrage kann sich die Union im Juni weiter von der SPD absetzen: Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, dann käme die Union auf 38 Prozent, ein Punkt mehr als im Vormonat. Die SPD verliert drei Punkte und kommt auf 24 Prozent. Die Grünen verlieren einen Punkt und landen bei 7 Prozent; die Linke verbessert sich um einen Punkt und kommt auf 8 Prozent. Die FDP verbessert sich um zwei Punkte auf 10 Prozent, die AfD verschlechtert sich um einen Punkt und landet bei 9 Prozent.

Vertrauen in die USA auf gleichem Niveau wie Russland

So kritisch haben die Deutschen die USA noch nie gesehen: Nur 21 Prozent der Befragten halten die Vereinigten Staaten für einen Partner, dem man vertrauen kann. Das sind 8 Punkte weniger im Vergleich zu April, und mit diesem Tiefstwert befinden sich die USA aktuell auf demselben Niveau wie Russland - auch diesem Land vertrauen gerade mal 21 Prozent der Deutschen. Zum Vergleich: Im November 2016, vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, hielten noch 59 Prozent die USA für einen vertrauenswürdigen Partner Deutschlands.

Frankreich erreicht dagegen seinen höchsten im ARD-DeutschlandTrend gemessenen Wert: 94 Prozent der Befragten halten Frankreich für einen Partner für Deutschland, dem man vertrauen kann (+3 im Vergleich zu April). Großbritannien halten 60 Prozent der Befragten für einen Partner, dem man vertrauen kann (+3 im Vergleich zu April). China halten 36 Prozent für einen vertrauenswürdigen Partner (+14 als einziges Land in der Liste im Vergleich zu Juli 2013) und die Türkei halten 3 Prozent der Befragten für einen Partner, dem man vertrauen kann (+/-0 im Vergleich zu April).

Wenn man die Deutschen nach ihrer Zufriedenheit mit ausländischen Staatschefs fragt, geben 59 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Arbeit des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zufrieden bzw. sehr zufrieden sind; 9 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Mit der Arbeit der britischen Premierministerin Theresa May sind 22 Prozent der Befragten zufrieden bzw. sehr zufrieden; 59 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Mit der Arbeit des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump sind 5 Prozent der Befragten zufrieden bzw. sehr zufrieden; 92 Prozent sind mit der Arbeit von Donald Trump weniger bzw. gar nicht zufrieden.

Deutliche Mehrheit befürwortet Festhalten Deutschlands am Pariser Klimaschutzabkommen

Anders als Donald Trump hat Angela Merkel sehr klar formuliert, dass das Pariser Klimaschutzabkommen für die Zukunft unseres Planeten dringend gebraucht wird. Und damit hat sie eine deutliche Mehrheit der Deutschen hinter sich: 93 Prozent finden es gut, dass die Bundesregierung am Pariser Klimaschutzabkommen festhält. 6 Prozent finden das nicht gut.

Wenn man die Deutschen nach ihrem persönlichen Engagement für den Klimaschutz fragt, sagen 82 Prozent, dass sie bereit sind, höhere Preise zu zahlen, wenn dadurch Produkte klimaschonend hergestellt werden können. 73 Prozent sind bereit, mehr für Strom zu bezahlen, wenn dieser aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. 64 Prozent sind bereit, wann immer es geht, auf das Auto zu verzichten, auch wenn dies manchmal umständlich ist.

Deutsche wünschen sich mehrheitlich stärkeres Engagement bei internationalen Krisen

Das Vertrauen in die USA sinkt, und gleichzeitig ziehen sich die Vereinigten Staaten weltpolitisch zurück. Wer sollte diese Lücke füllen? 80 Prozent der Deutschen meinen, dass die EU gemeinsam eine größere Verantwortung in der Welt übernehmen sollte. Nur 17 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. Eine noch deutlichere Mehrheit findet, dass die Staaten der Europäischen Union auch in der Verteidigungspolitik enger zusammenarbeiten sollten (+22 im Vergleich zu Juli 2016), 5 Prozent stimmen dem eher nicht zu.

Doch nicht nur die EU sollte aus Sicht der Mehrheit der Deutschen mehr Verantwortung übernehmen - auch Deutschland sollte künftig bei internationalen Krisen deutlicher in Erscheinung treten, so die Mehrheit: 62 Prozent finden ein stärkeres Engagement Deutschlands bei internationalen Krisen grundsätzlich richtig (+6 Punkte im Vergleich zu Dezember 2016), 33 Prozent finden das nicht richtig (-4).

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/ Dual Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 70:30)
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)***

Fallzahl: 1000 Befragte
Sonntagsfrage: 1503 Befragte
Erhebungszeitraum: 06. bis 07. Juni 2017
Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte

Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von fünf Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle eine Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird deshalb keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

ARD-DeutschlandTrend im Juni
E. Ehni, WDR
08.06.2017 20:09 Uhr

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