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ARD-DeutschlandTrend Merkel macht Boden gut

Stand: 29.02.2016 22:32 Uhr

Merkels Zustimmungswerte steigen, mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sind die Deutschen aber weiter unzufrieden: Der ARD-DeutschlandTrend zeigt außerdem, dass die AfD vor allem der Union Wähler abspenstig macht. Aber nicht nur ihr.

Von Ellen Ehni, WDR

Angela Merkel dürfte innerlich etwas aufatmen: 54 Prozent der Menschen sind aktuell mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden - das sind acht Punkte mehr als im Vormonat, als sie mit 46 Prozent auf dem Tiefstwert dieser Legislaturperiode angekommen war und fast gleichauf mit dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer lag.

Mit dessen Arbeit waren im Vormonat 45 Prozent der Menschen zufrieden. Er muss jetzt sieben Punkte einbüßen und hat nur noch 38 Prozent Befürworter hinter sich. Das ergab eine Umfrage von Infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend, die vor dem Talkshow-Interview der Kanzlerin bei "Anne Will" erhoben wurde.

Negative Noten für Merkels Flüchtlingspolitik

Bemerkenswert ist, dass gleichzeitig eine klare Mehrheit mit Merkels Haltung zum Thema Flüchtlinge hadert: 59 Prozent der Befragten geben an, mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin weniger oder gar nicht zufrieden zu sein - nur 39 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden.

Interessant ist es, die Zufriedenen nach Parteianhängerschaft zu unterteilen. 55 Prozent der Unionsanhänger sind mit Merkels Kurs in der Asyl- und Flüchtlingspolitik zufrieden. Von den SPD-Anhängern sind dies gerade mal 44 Prozent, obwohl Union und SPD gemeinsam eine Regierung bilden. Die größten "Fans" hat Merkel allerdings bei der Opposition, genauer gesagt bei den Anhängern der Grünen: Hier sind es 67 Prozent.

Eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen Zufriedenheit mit der Kanzlerin als Person und ihrer Flüchtlingspolitik dürfte darin liegen, dass die Flüchtlinge zwar das in den Medien und der öffentlichen Debatte präsenteste Thema sind - aber nicht das alles bestimmende Thema für den Alltag der Menschen. Themen wie zum Beispiel Arbeitsmarkt und ökonomische Rahmenbedingungen sind für die Bürger ebenfalls wichtig.

Deutschlandtrend I: Haltung der Bevölkerung zu Merkels Politik
tagesthemen 22:30 Uhr, 29.02.2016, Ellen Ehni, WDR

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Europäische Lösung - gut, aber realitätsfern?

Die Kanzlerin wird nicht müde, bei den europäischen Partnern für eine gemeinsame, nachhaltige Lösung der Flüchtlingskrise zu werben. Damit trifft sie den Nerv der Deutschen: 77 Prozent halten eine europäische Lösung für richtig - nur 20 Prozent geben an, dass nationale Lösungen am sinnvollsten seien. Einzig die Anhänger der Alternative für Deutschland plädieren mehrheitlich (53 Prozent) für eine solche nationale Lösung.

Wenn man jedoch fragt, wie realistisch es scheint, dass zeitnah eine Lösung auf europäischer Ebene gefunden werden kann, sind die Deutschen skeptisch: 64 Prozent geben einer solchen Lösung in naher Zukunft keine Chance.

Merkel strebt auch eine Vereinbarung mit der Türkei an: Das Land soll für einen wirksamen Schutz seiner Grenzen sorgen, um Flüchtlinge davon abzuhalten, in die EU weiterzureisen. Im Gegenzug sollen europäische Länder der Türkei eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen abnehmen und Geld für die Versorgung von Flüchtlingen in der Türkei zahlen. Die Deutschen sind bezüglich dieses Plans gespalten: 46 Prozent halten ihn für eher gut, 49 Prozent für eher schlecht.

Wenig Veränderung bei der Sonntagsfrage

Nach ihrem Stimmungstief im vergangenen Monat kann sich die Union im März leicht verbessern: Derzeit würden sich 36 Prozent für die CDU/CSU entscheiden, ein Punkt mehr als im Vormonat - und zugleich der zweitniedrigste Wert der laufenden Legislaturperiode. Die SPD verschlechtert sich um einen Punkt auf 23 Prozent.

Die Oppositionsparteien im Bundestag halten ihre Stimmenanteile stabil zum Vormonat: Die Linkspartei erreicht neun Prozent, die Grünen zehn Prozent. Die FDP legt einen Punkt zu und landet bei sechs Prozent; die Alternative für Deutschland verliert einen Punkt und erreicht elf Prozent.

Woher kommen die Wähler der Alternative für Deutschland?

Anhand der Sonntagsfragen, die Infratest dimap seit Anfang des Jahres gestellt hat, kann man errechnen, woher die Stimmen für die AfD kommen: Die Umfragewerte werden mit dem Wahlergebnis der Bundestagswahl von 2013 verglichen. So kann man ein grobes, aber doch aussagekräftiges Bild der (fiktiven) Wählerwanderung zeichnen.

Deutschlandtrend II: Wer wählt die AfD?
tagesthemen 22:30 Uhr, 01.03.2016, Ellen Ehni, WDR

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Die Zuwächse der Alternative für Deutschland würden zu einem großen Teil aus dem konservativen Lager gespeist: Der aktuellen Sonntagsfrage zufolge würden rund 900.000 Stimmen von ehemaligen Unionswählern kommen; das passt zu dem Bild, dass die Union im politischen Spektrum jetzt links der Mitte verortet wird und somit Platz rechts der Mitte lässt.

Die AfD bekommt aber auch Auftrieb aus dem Lager der SPD und der Linkspartei: Von diesen Parteien bekäme die rechtspopulistische Partei jeweils rund 250.000 beziehungsweise 300.000 Stimmen. Von der FDP kämen 100.000 Stimmen, von den anderen Parteien 500.000. Hinzu kommen Stimmengewinne aus dem Nichtwählerlager.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/ Dual Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 70:30)
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)***
Fallzahl: 1005 Befragte
Erhebungszeitraum: 26. bis 27. Februar 2016
Sonntagsfrage: 1505 Befragte
Erhebungszeitraum: 26.bis 27. Februar 2016
Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5 Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle eine Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund 3 Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa 1 Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird deshalb keine Partei unter 3 Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

Korrespondentin

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