Netzwerkkabel | Bildquelle: dpa

Reparatur nach Cyberangriff Der Bundestag zieht den Stecker

Stand: 20.08.2015 05:54 Uhr

Wegen der Abstimmung über das dritte Hilfspaket für Griechenland mussten die IT-Experten noch warten, aber heute ist es so weit: Nach dem schweren Cyberangriff auf den Bundestag wird das Computernetzwerk heruntergefahren und komplett überarbeitet.

Von Astrid Wulf, MDR, ARD-Hauptstadtstudio.

Computer-Nachhilfe vom Bundestagspräsidenten persönlich, das gibt’s auch für Parlamentarier nicht alle Tage. Norbert Lammert will ganz sicher gehen: "In den Büros in Berlin und in den Wahlkreisbüros werden Sie über die Anmeldemaske durch das Passwortänderungs-Verfahren geführt, das Ihnen von früheren Passwortänderungen bekannt sein sollte. Insofern handelt es sich hier weder um ein ungewöhnliches, noch um ein aufwendiges Verfahren, aber es ist ein unverzichtbares Verfahren, wenn man im System arbeiten will."

IT-Netz des Bundestages vorübergehend abgeschaltet
tagesschau 17:00 Uhr, 20.08.2015, Marie-Kristin Boese, ARD Berlin

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IT-Sicherheit musste wegen Griechenland warten

Doch ein Schritt nach dem anderen: Bevor die Abgeordneten sich neu anmelden müssen, wird das Computersystem des Bundestages heute Nachmittag erst einmal abgeschaltet und in den kommenden Tagen komplett überarbeitet. Eigentlich sollte das schon vor einer Woche passieren. Doch die IT-Sicherheit musste wegen der Abstimmung über die Griechenlandhilfen warten.

Bundestag geht offline
A. Wulf, ARD Berlin
20.08.2015 05:54 Uhr

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Unmittelbar vor der Entscheidung über das Milliardenpaket für Athen im Parlament am Mittwoch richtete Lammert einen Appell an die Abgeordneten: "Jedenfalls würde ich gerne vermeiden, dass nach den erheblichen und bemerkenswerten Anstrengungen, die jetzt viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgenommen haben, ich ab Mitte der Woche verzweifelte Anrufe von Kolleginnen und Kollegen bekomme, sie hätten gehört, ab Montag wäre das System wieder verfügbar, sie kämen nur nicht rein."

Folgen des Cyberangriffs wiegen schwer

Erheiterung im Plenum, doch das Thema ist ernster als es hier anklingt. Bereits im Mai war bekannt geworden, dass Hacker das Netzwerk des Bundestags mit Trojanern angegriffen und Daten gestohlen hatten. Ob das E-Mails waren, Protokolle oder streng geheime Dokumente wurde der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt. Klar war dennoch: Die Folgen des Cyberangriffs wiegen schwer.

So auch Ende Mai die Einschätzung von Sandro Gaycken, Politikberater und IT-Forscher an der European School of Management and Technology in Berlin: "Das ist halt die schlechte Nachricht da dran, wenn man so einen sehr guten Angreifer in seinem System drin hat. Und das ist ein sehr komplexes System, mit vielen verschiedenen Endrechnern und Datenbanksystem. Es ist extrem schwierig, den Angreifer rauszukriegen."

Nun die Konsequenz: Ab heute werden alle Parlamentsrechner vom Bundestagsnetz getrennt und das IT-System wird neu installiert. Ab Montag soll das neue Computernetzwerk dann funktionieren. Wenn alles gut geht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2015 um 09:00 Uhr.

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