Brennendes Polizeiauto in Frankfurt a.M.

Polizeistrategie bei G20 Die Lehren aus Blockupy

Stand: 05.07.2017 19:50 Uhr

Die Angst vor Ausschreitungen beim G20-Gipfel ist groß. Deshalb hat die Polizei die Krawalle bei den Blockupy-Protesten in Frankfurt 2015 genau analysiert. Kann sie Lehren daraus für den Einsatz in Hamburg ziehen?

Von Jan-Peter Bartels, HR

"Wer kann mir helfen, wer kann mir helfen?", ruft ein Beamter. Ein anderer: "Unsere Autos brennen, da sitzen noch meine Leute drin!" Was am 18. März 2015 in Frankfurt über den Polizeifunk läuft, haben viele Beamte in ihrer gesamten Dienstzeit noch nicht erlebt: "Man hörte den Einsatzleitern die Dramatik richtig an, die hatten Angst um ihre Leute. Wenn ich mich daran erinnere, läuft es mir heute noch kalt über den Rücken," erzählt ein Polizist, der damals dabei war.

Es ist der Tag der Eröffnung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, da greifen gewaltbereite Demonstranten an. Sie werfen Steine und Molotowcocktails auf Beamte und Polizeiwagen, errichten Barrikaden, zünden Privatautos an. Bushaltestellen und die Fensterscheiben von Banken gehen zu Bruch, Mülleimer brennen, ein Polizeirevier wird angegriffen. Es kommt zu Millionenschäden, mehr als 150 Menschen werden verletzt.

Einweihung EZB: Demonstration
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Rangelei zwischen einem Demonstranten und einem Polizisten bei einer Demonstration in Frankfurt/Main im März 2015. Im Hintergrund wird eifrig fotografiert.

Auf dem Weg zur Arbeit bekommen viele Einwohner den Eindruck, in ihrer Stadt sei ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Der Frankfurter Polizeipräsident spricht von "völlig enthemmten Gewalttätern" und Ausschreitungen, die "vorbereitet, organisiert und geplant waren".

Ereignisse aufgearbeitet

Zwei Jahre ist das her, inzwischen hat die Frankfurter Polizei die Ereignisse dieses Tages intensiv analysiert. "Wir wurden schlicht überrascht", sagt Polizeisprecher Andrew McCormack: "Auch von der Vehemenz und Skrupellosigkeit der Gewalt. Und natürlich gibt es immer einen gewissen Grad an Unvorhersehbarkeit, man kann nicht alles vorausplanen."

Zur Taktik der Angreifer will die Polizei offiziell nichts sagen. Hinter den Kulissen aber erzählen viele Quellen die gleiche Geschichte: Erstmals hätten gewaltbereite Demonstranten alle Möglichkeiten moderner Kommunikation genutzt und das mit klassischer Guerillataktik kombiniert. Mehr als 1000 gewaltbereite Randalierer seien dazu angereist, viele auch aus dem europäischen Ausland - vor allem aus Italien und Griechenland. Das Ziel laut einem hessischen Innenpolitiker: "Die wollten Bilder erzeugen, die um die Welt gehen. Sie wollten ein Signal setzen zur EZB-Einweihung." Und die vergleichsweise kleine Gruppe der Gewaltbereiten hat Erfolg: Die Krawalle überschatten in allen Berichten den friedlichen Protest von 17.000 Demonstranten.

Zum Vorgehen der Polizei bei G20-Protesten
tagesthemen 22.15 Uhr, 05.07.2017, Mareike Aden, NDR

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Generalstabsmäßige Vorbereitungen

Schon vor dem 18. März sei die Stadt ausgekundschaftet, seien kleine Gassen als Verbindungswege herausgesucht und markiert worden. Die Gewalttäter hätten sich nicht zusammen bewegt, sondern in getrennten, kleinen Gruppen. Diese seien von Aufklärern auf Fahrrädern beispielsweise via WhatsApp koordiniert und darüber informiert worden, an welchen Stellen die Polizei gerade weniger stark aufgestellt war. "Man hatte nicht damit gerechnet, dass die in Kleinstgruppen durch die Stadt marodieren, sich plötzlich formieren, blitzartig angreifen und dann wieder abtauchen - bevor sich die Polizei an dem Ort sammeln konnte", berichtet ein Beamter. "Die Gewalt war nicht vorhersehbar, hat sich nicht aufgeschaukelt, sondern kam plötzlich und heftig."

Blockupy in Frankfurt - EZB
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Bei den Blockupy-Protesten in Frankfurt im März 2015 kam es zu schweren Ausschreitungen.

Zudem hätten die Gewalttäter gezielt in den frühen Morgenstunden zugeschlagen, um die Polizei zu überraschen, bevor diese in voller Stärke angetreten war. Dabei hätten sie versucht, den Beamten das Ermitteln möglichst schwer zu machen. Die Gewalttäter waren vermummt und hätten immer wieder untereinander die Kleidung getauscht oder gewechselt. Deswegen konnten nur wenige eindeutig identifiziert werden, selbst Videoaufnahmen halfen kaum. Das spiegelt sich in der Statistik der Frankfurter Staatsanwaltschaft: 675 Ermittlungsverfahren endeten mit sechs Verurteilungen und 14 Geldstrafen.

Doppelt so viele Polizisten bei G20

In Hamburg sollen sich die Bilder von brennenden Polizeiautos und steinewerfenden Randalierern nicht wiederholen. Dafür hat die Polizei nun mindestens 19.000 Beamte zusammen gezogen, etwa doppelt soviel wie damals in Frankfurt. Über Details will sie aus "einsatztaktischen Gründen" nicht reden. Stefan Rüppel, stellvertretender Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP in Hessen, ist nach den Erfahrungen in Frankfurt aber pessimistisch: "Wenn Randalierer solche Bilder wieder produzieren wollen, dann wird ihnen das auch gelingen, da kann man sich mit noch so massiven Einsatz nicht gegen schützen."

Über dieses Thema berichteten die Tagesthemen am 05. Juli 2017 um 22:15 Uhr.

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