Ein Arbeiter befestigt eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an einer Hausfassade | Bildquelle: dpa

BGH-Urteil Streit um fünf Millimeter Putz

Stand: 02.06.2017 13:30 Uhr

Der Bundesgerichtshof hat in einem Nachbarschaftsstreit entschieden, der zunächst skurril klingt: Es ging um fünf Millimeter Putz und die Frage, wie weit die Wärmedämmung eines Hauses die Grenze des Nachbargrundstücks überschreiten darf.

Wer sein Haus direkt an die Grundstücksgrenze baut, sollte von vornherein ausreichend Platz für die Wärmedämmung einkalkulieren. Im Streit mit den Nachbarn haben Eigentümer sonst schlechte Karten. Das ergibt sich aus einem Urteil, das der Bundesgerichtshofs in Karlsruhe verkündet hat.

Keinen Millimeter mehr

Die Richter hatten es mit einem Berliner Fall zu tun. Dort sind im Stadtteil Köpenick Nachbarn seit Jahren zerstritten, weil die nachträglich angebrachte Dämmschicht an der Seitenwand eines Mehrfamilienhauses ein paar Zentimeter über die Grundstücksgrenze ragt.

Das hatte der Nachbar noch hingenommen. Dass diese Dämmung danach mit einer Stärke von fünf Millimetern verputzt und gestrichen werden sollte, wollte er aber nicht mehr dulden.

Dämmung ja, aber ...

Laut BGH sträubt sich der Nachbar zu Recht: Ein Berliner Gesetz verpflichtet Grundstückseigentümer zwar, für den Klimaschutz das Dämmen bestehender Nachbargebäude zu dulden. In erster Linie ist dabei aber an Altbauten gedacht, die oft von Grundstücksgrenze zu Grundstücksgrenze reichen.

Das Haus in diesem Fall steht allerdings erst seit Mitte der 2000er-Jahre. Damals war schon klar, dass die Wand zwingend gedämmt werden muss.

"Der Bau hätte also von vornherein so geplant werden können und so geplant werden müssen", sagte die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann. Das Gesetz sei nicht dazu da, die Versäumnisse von Bauherren nachträglich auszugleichen.

Aktenzeichen: Az. V ZR 196/16

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juni 2017 um 13:46 Uhr

Darstellung: