Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen nach einer Messerattacke mit einem Toten den Tatort in dem Supermarkt im Hamburger Stadtteil Barmbek. | Bildquelle: dpa

Messerattacke in Hamburg Verdächtiger konnte offenbar nicht abgeschoben werden

Stand: 28.07.2017 22:49 Uhr

Nach der Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt mit einem Toten und sechs Verletzten werden immer mehr Details zum Angreifer bekannt. Es soll sich um einen 26 Jahre alten Mann handeln, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde. Offenbar war er als Flüchtling registriert und sollte abgeschoben werden.

Bei einer Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt sind am Nachmittag ein Mann getötet und sechs weitere Menschen verletzt worden. Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz zufolge handelte es sich bei dem Täter offenbar um einen Mann, "der Schutz bei uns in Deutschland beansprucht und dann seinen Hass gegen uns gerichtet hat".

Scholz sagte: "Offensichtlich handelte es sich um einen Ausländer, der ausreisepflichtig war, aber nicht abgeschoben werden konnte, weil er keine Papiere hatte. Das zeigt umso dringlicher, dass diese rechtlichen und praktischen Hindernisse bei der Abschiebung beiseite geräumt werden müssen." Scholz sagte, er setze darauf, "dass die Sicherheitsbehörden alle Hintergründe der Tat zügig aufklären werden, auch ob es weitere Beteiligte gab".

Wahllos auf Kunden eingestochen

Der Hamburger Innensenator Andy Grote sagte: "Wir stehen fassungslos und getroffen vor dieser grauenhaften Gewalttat. Der erbärmliche Anschlag trifft uns umso schmerzhafter, als der mutmaßliche Täter, der aus dem arabischen Raum stammt, als Schutzsuchender in unsere Stadt gekommen ist." Er sei froh, "dass der Täter sofort gefasst wurde, und ich danke den mutigen und entschlossenen Hamburgern, die dazu entscheidend beigetragen haben".

Der Messerstecher hatte am Nachmittag einen Supermarkt im Hamburger Stadtteil Barmbek betreten und wahllos auf Kunden eingestochen. Anschließend flüchtete er aus dem Geschäft. Zeugen verfolgten ihn und verständigten die Polizei. Die kurz darauf eintreffenden Beamten nahmen den Mann in der Nähe des Tatorts fest.

Ermittlungen nach Messerangriff in Hamburg
nachtmagazin 01:10 Uhr, 29.07.2017, Anna Kohut, NDR

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Auch Staatsschutz ermittelt

Der mutmaßliche Täter ist der Polizei zufolge in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren worden. Er sei 26 Jahre alt, teilten die Behörden am Abend mit. Die Staatsangehörigkeit werde noch geklärt. Laut dem ARD-Terrorismusexperten Michael Stempfle gibt es salafistische Bezüge bei dem Täter. Inwieweit die bei der Tat eine Rolle spielten, sei jedoch nicht klar. Die Polizei bildete eine Sonderkommission unter Beteiligung der Mordkommission und des Staatsschutzes. Letzterer ist für politisch motivierte Delikte zuständig. "Weiterhin wird in alle Richtungen ermittelt. Dies schließt Ermittlungen des Staatsschutzes ausdrücklich ein", so die Polizei.

Es handele sich um einen Einzeltäter, teilte die Polizei kurz nach der Festnahme mit. Teil der Ermittlungen sei unter anderem der Hintergrund des Täters und seine Motivlage, so Polizeisprecher Timo Zill. Zur Möglichkeit eines Terror-Hintergrunds sagte er: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Einschätzung seriös nicht möglich." Auch Berichte, wonach der Angreifer "Allahu Akbar", Gott ist groß, gerufen habe, bestätigte Zill nicht.

Bei dem Toten geht die Polizei aufgrund von Ausweispapieren davon aus, dass es sich um einen 50-jährigen Mann handelt. Eine 50-Jährige sowie vier Männer im Alter von 64, 57, 56 und 19 Jahren erlitten demnach Messerstichverletzungen. Ein 35-Jähriger sei beim Überwältigen des Tatverdächtigen verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die Verletzungen seien teilweise schwer.

Bitte um Mithilfe

Zur Aufklärung der Tat hat die Polizei um Mithilfe gebeten. Auf Twitter wies sie auf ein entsprechendes Portal hin, das die Beamten dafür aktiviert haben. Darauf können selbst erstellte Videos und Fotos des Tatgeschehens hochgeladen werden. "Bitte nur eigenproduzierte Bild- und Videodateien heraufladen", bat die Polizei.

Für allgemeine Hinweise sollten sich Zeugen an eine Polizeidienststelle in der Nähe wenden, in dringenden Fällen sei die Notrufnummer 110 zu wählen.

Michael Stempfle, ARD Berlin, mit einer Einschätzung
tagesthemen 22:00 Uhr, 28.07.2017

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Juli 2017 um 22:00 Uhr.

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