Logo des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge auf einem Schild | Bildquelle: picture alliance / Geisler-Fotop

Unbearbeitete Asylanträge BAMF will Rückstau bald abbauen

Stand: 30.12.2016 08:43 Uhr

Hunderttausende unbearbeitete Asylanträge haben sich im Bundesflüchtlingsamt angehäuft. Die Behörde widmet sich zunehmend Altfällen. BAMF-Chef Weise fürchtet einen Stimmungsumschwung, falls die Integration arbeitssuchender Flüchtlinge scheitert.

Das Amt will den Rückstau an unbearbeiteten Asylanträgen "im Frühjahr 2017 weitgehend abbauen". Das sagte der Behördenchef Frank-Jürgen Weise der "Bild"-Zeitung.

Bei einem Viertel der rund 400.000 angehäuften Verfahren handele es sich um "sehr spezielle und langwierige Fälle, bei denen entweder keine Dokumente vorliegen oder wir weitere Informationen aus dem Ausland brauchen". Oft hätten die Betroffenen daran keine Schuld, weil sie überstürzt fliehen müssten oder ihre Herkunftsländer nur ohne Papiere verlassen dürfen.

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise
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BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise

Die "Rheinische Post" berichtet auf der Grundlage von Daten des BAMF, die Behörde starte voraussichtlich mit mindestens 450.000 nicht abgeschlossenen Asylverfahren ins neue Jahr. Das seien deutlich mehr als ein Jahr zuvor - obwohl die Behörde viel effektiver geworden sei. Ende 2015 lag die Zahl demnach deutlich unter 400.000.

Bis zu sieben Monate für einen Asylantrag

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer bei Asylanträgen liegt Weise zufolge - nach 5,2 Monaten im Vorjahr - aktuell bei 6,9 Monaten, weil sich das Amt nun komplexeren Altfällen widme. "Neue Anträge, die in den letzten sechs Monaten gestellt wurden, entscheiden wir mittlerweile in zwei Monaten."

Ein BAMF-Sprecher sagte der "Rheinischen Post": "Die Verfahrensdauer wird wieder deutlich sinken, wenn die Altfälle abgeschlossen sind." Bis Ende November habe sein Haus rund 615.000 Entscheidungen getroffen, ergänzte Weise. "Das ist sehr viel." Allerdings sei die Registrierung der Asylsuchenden nur der erste Schritt.

Die Stimmung im Land könnte kippen

"Jetzt gilt es, die vielen Bleibeberechtigten zu integrieren.", sagte der Behördenchef. Rund 70 Prozent der Flüchtlinge seien im erwerbsfähigen Alter und auf der Suche nach Arbeit. "Wenn es uns nicht gelingt, diese Flüchtlinge und anderweitig Schutzberechtigte in den Arbeitsmarkt zu integrieren, werden sie auf Dauer das Sozialsystem belasten und die Stimmung im Land kann kippen. Das darf nicht passieren."

Bis jetzt seien 120.000 Schutzberechtigte in Arbeit gebracht worden, fügte der scheidende BAMF-Präsident hinzu. Auch wenn vorhandene Berufserfahrung genutzt werde, müsse aber jedem klar sein: "Das Problem des Fachkräftemangels in Deutschland kann so nicht vollständig behoben werden."

Wirtschaftsfaktor "Flüchtling"

Die Milliardenausgaben für Flüchtlinge und deren eigener Konsum steigern Ökonomen zufolge dauerhaft das Wachstum. "Beides stimuliert die Binnenkonjunktur", sagte Ifo-Chef Clemens Fuest der "Rheinischen Post".

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte der Zeitung: "Die staatlichen Leistungen für Geflüchtete wirken wie ein kleines Konjunkturprogramm, denn ultimativ kommen sie vor allem deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern durch eine höhere Nachfrage zugute."

2016 hätten Staatsausgaben für Geflüchtete das Wirtschaftswachstum "um etwa 0,3 Prozent erhöht", langfristig seien gar 0,7 Prozent pro Jahr möglich. Die staatlichen Mehrausgaben im Zusammenhang mit der hohen Flüchtlingsmigration lagen 2016 deutlich über 20 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Dezember 2016 um 09:15 Uhr.

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