Ein E-Book im Bücherregal | Bildquelle: dpa

Schriftsteller-Verband zu Amazon-Vergütung "Katastrophe für die Literaturlandschaft"

Stand: 06.07.2015 16:24 Uhr

Seit Anfang Juli bezahlt Amazon Autoren bei Leih-eBooks nicht mehr pro Download, sondern pro gelesener Seite. Viele Autoren hätten sich das gewünscht. Doch der Schriftsteller-Verband wirft dem Online-Händler vor, das Leseverhalten seiner Kunden wie "Big Brother" zu verfolgen.

Der Verband Deutscher Schriftsteller (VS) hat das neue Vergütungsmodell des Online-Händlers Amazon für Autoren heftig kritisiert. Es sei ein "kontrollierender Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch", erklärte die VS-Vorsitzende Eva Leipprand in Berlin.

Amazon bezahlt seit Anfang Juli Autoren von eBooks, die ihre Bücher selbst über die Kindle-Leihbücherei sowie die eBook-Flatrate Kindle Unlimited, bei der Kunden maximal zehn eBooks gleichzeitig ausleihen können, veröffentlichen, nur noch pro tatsächlich gelesener Seite. Dafür muss Amazon das Leseverhalten der Kunden auswerten. Bislang bekamen die Autoren für jeden Download ihres Buches Geld.

"Katastrophe für die Literaturlandschaft"

Voraussetzung für diese neue Art des Bezahlens sei, dass Amazon das Leseverhalten seiner Kunden wie "Big Brother" verfolge, kritisierte der VS. Sollte Amazon das Bezahlsystem weiter ausdehnen, sei dies eine "Katastrophe für die Literaturlandschaft". Die Gedankenfreiheit der Leser und Autoren werde dadurch einem fortschreitenden "rein ökonomisch orientierten" Zugriff unterworfen.

Amazon begründet das neue Vergütungsmodell damit, dass viele Autoren sich gewünscht hätten, dass eBooks mit mehr Seiten besser bezahlt würden als weniger umfangreiche elektronische Bücher. Wie genau Autoren beim US-Online-Händler bezahlt werden, gibt Amazon im Internet bekannt: Der Autor eines 100 Seiten starken Buches, das 100 Mal komplett gelesen wird, bekommt 1000 Dollar. Der Autor eines 200 Seiten starken Buches bekommt unter gleichen Bedingungen 2000 Dollar.

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