Airbus A 400M | Bildquelle: REUTERS

Bundeswehr wartet auf den A400M Teure Verzögerung

Stand: 07.10.2015 03:55 Uhr

Eigentlich sollte die Bundeswehr dieses Jahr fünf Transportflugzeuge vom Typ A400M bekommen. Doch noch immer ist unklar, wann die Maschinen kommen werden. Und jeder Tag Verzögerung kostet viel Geld.

Von Marie von Mallinckrodt und Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Manchen Abgeordneten des Verteidigungsausschusses dürfte ein mulmiges Gefühl begleitet haben, in einem A400M zu fliegen. Doch das war Teil des Bundestags-Ausflugsprogramms nach Wunstorf in Niedersachsen. Dort sollen irgendwann einmal alle A400M beim Lufttransportgeschwader 62 der Bundeswehr stationiert sein. Doch von dem Flieger hat die Bundeswehr erst einen in ihrem Bestand.

Die Abgeordneten sollten sich trotzdem vor einigen Tagen ein Bild der Lage vor Ort machen. Nach dem Termin flog die Luftwaffe die Abgeordneten mit dem A400M zurück nach Berlin. So etwas nennt sich vertrauensbildende Maßnahme.

Der erste A400M, der an die Bundeswehr übergeben wurde, nach seiner Landung auf dem Fliegerhorst Wunstorf. | Bildquelle: dpa
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Der erste A400M, der an die Bundeswehr übergeben wurde, nach seiner Landung auf dem Fliegerhorst Wunstorf.

Erst im Mai war ein nagelneuer Flieger gleichen Typs bei Sevilla abgestürzt. Der Grund war offenbar ein Softwareproblem.

Lange Mängelliste

Der SPD-Politiker Rainer Arnold saß auch im A400M, doch der sichere Flug hat seine Gesamteinstellung nicht geändert: "Ich glaube nichts mehr, egal was uns die Wirtschaft sagt. Erst wenn der Flieger auf dem Hof steht und auch technologisch abgenommen ist, sprich die Qualität stimmt, glaube ich denen wieder was."

Denn beim ersten A400M für die Luftwaffe gab es eine seitenlange Mängelliste. Fallschirmspringer absetzen: Geht nicht. Landen auf kurzer Piste: Eher nicht. Systeme zur Abwehr von Raketen: Kommen frühestens 2019. Abladen von Fracht im Kriegsgebiet, danach schneller Start: Geht nicht. Bremsen werden heiß, Pilot muss 30 Minuten warten, wie es in der Liste heißt, die der ARD vorliegt.

Absturzstelle nahe Sevilla | Bildquelle: dpa
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Im Mai war ein A400M bei Sevilla abgestürzt.

Im Parlament und im Ministerium gehen viele davon aus, dass die Abnahme bei Flieger Nummer zwei und drei mühsam laufen wird. Das Verhältnis zwischen Konzern und Ministerium ist frostig. Die Gespräche drehen sich um Lieferpläne und Kompensationszahlungen. Bis Mai 2016 soll die Industrie verbindlich sagen, wann die weiteren Maschinen kommen.

Wie viel Schadenersatz?

"Ich habe nicht das Gefühl, dass das Verteidigungsministerium bei Schadensersatzforderungen wirklich hinterher ist", sagt Tobias Lindner von den Grünen. Er befürchte, "dass durch den Schadensersatz, den man am Ende erhält, nur ein Teil dieser Mehrkosten aufgewogen werden kann".  Dabei geht es um mindestens 500 Millionen Euro.

Die Luftwaffe hat einen Notflugplan für die alten Transall-Maschinen aufgestellt, besorgt Ersatzteile und verlängert Verträge für das Personal, das für die alten Flieger geschult ist. Die Ausbildung für das A400M-Personal verzögert sich.

In der Luftwaffe gibt es die Hoffnung, dass Airbus mit Naturalien zahlt: Also beispielsweise vorübergehend ein anderes Flugzeug für den Transport zur Verfügung stellt. Im Ministerium herrscht die Meinung vor: Hauptsache, die liefern schnell. Hohe Summen als Drohkulisse könnten helfen.

Am Ende gilt: Airbus ist ein Zusammenschluss von Unternehmen aus mehreren Ländern. Deutschland hat ein wirtschaftspolitisches Interesse, dass der Konzern nicht zu sehr geschröpft wird. Und etwaige Strafzahlungen bekäme sowieso erst einmal Finanzminister Wolfgang Schäuble.

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