Anhänger der AfD protestieren in Hamburg | Bildquelle: dpa

Profil der AfD-Anhänger "AfD-Wähler sind keine Exoten"

Stand: 21.04.2017 00:04 Uhr

Erst Professorenpartei, dann Partei der Rechtspopulisten? Das Profil der AfD und ihrer Anhänger hat sich stark verändert: Heute ist sie vor allem eine Partei der Mitte, mit dem Potenzial sich dauerhaft zu etablieren.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Es läuft nicht gut für die AfD. In die Schlagzeilen dringen aktuell vor allem Meldungen über parteiinterne Streitereien. Die vergiftete Absage Frauke Petrys an eine Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl ist da nur das jüngste Beispiel.

Hinzu kommt ein anhaltendes Umfragetief: Seit Anfang des Jahres sinken die Zustimmungswerte bei allen Umfrageinstituten um drei bis fünf Prozentpunkte. Hatte Infratest dimap im September 2016 noch einen Spitzenwert von 16 Prozentpunkten für die AfD gemessen, sind es im aktuellen DeutschlandTrend des ARD-Morgenmagazins nur noch zehn Prozent.

Vorbereitungen auf den AfD-Parteitag in Köln
tagesschau 20:00 Uhr, 21.04.2017, Gudrun Engel, WDR

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"Thema Flüchtlingskrise weniger wichtig"

Warum und vor allem wohin die AfD-Sympathisanten abwandern, darüber gibt es bislang noch keine belastbaren Daten. Der Politologe Everhard Holtmann ist sich jedoch sicher, dass diese Frage zum einen mit dem Bild der heillosen Zerstrittenheit und Ineffektivität der Parteiführung und auch der Landesparlamente zu tun hat. Zum anderen ist der AfD ihr wichtigstes Thema abhanden gekommen: die Flüchtlingskrise.

"Die Themen Asyl und Zuwanderung haben in hohem Maße zu den Spitzenwerten der AfD in den Umfragen und bei den Landtagswahlen beigetragen. Diese Themen haben inzwischen für die Bevölkerung an Bedeutung verloren", sagt Holtmann im Gespräch mit tagesschau.de. Eine weitere Erklärung sei, dass die AfD zu großen Teilen aus Protest gewählt wird, um etablierten Parteien einen Denkzettel zu verpassen. "Dieses Protestmotiv hat sich abgeschwächt, nachdem die Flüchtlingskrise von der Politik effektiver gemanagt wurde."

"Weniger Angriffsflächen für Protestwähler"

Auch Michael Kunert von Infratest dimap sieht für die AfD derzeit weniger Angriffsflächen, erst recht, seit Martin Schulz Kanzlerkandidat ist: "Seitdem gibt es eine Alternative zur CDU beziehungsweise zu einer Regierung Merkel", sagt Kunert gegenüber tagesschau.de. Der Fokus in der Berichterstattung habe sich von AfD-Themen wegbewegt und die beiden großen Volksparteien stünden verstärkt im Blickpunkt. "Und seitdem die SPD eine ernsthafte Machtoption bietet, gibt es auch eine Wahlalternative im Lager der etablierten Parteien. Dieser Zweikampf zwischen Union und SPD mobilisiert die Anhänger dieser beiden Parteien."

Doch der Eindruck, die AfD-Anhänger seien eine Gruppe wankelmütiger Protestwähler, die sich nur von kurzfristigen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen wie der Euro- und der Flüchtlingskrise leiten lassen, täuscht. Protestmotive spielen für sie zwar eine Rolle. Daneben hat sich aber seit Gründung der AfD Anfang 2013 ein Kern einer loyalen Anhängerschaft gebildet. Zu diesem Ergebnis kommt die Erhebung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin.

Rasch loyale Anhängerschaft gebildet

Die Forscher haben herausgefunden, dass die AfD nicht nur ihre Anhängerschaft vergrößert hat, sondern dass diese auch in relativ kurzer Zeit eine Parteibindung entwickelt hat. Vier bis fünf Prozent der Befragten gaben 2016 an, ausschließlich der AfD zuzuneigen. Im Unterschied zu Wechsel- und Protestwählern dürften diese vier bis fünf Prozent der Partei also auch unabhängig von kurzfristigen Ereignissen treu bleiben. Zunächstmal höre sich das nach wenig an, sagt Martin Kroh, der stellvertretende Leiter des SOEP. Es liege aber ungefähr auf dem Niveau, das die FDP im langjährigen Mittel erreiche.

Und auch ein charakteristisches Profil der AfD-Wähler hat sich herausgebildet. "AfD-Wähler sind keine Exoten, ganz im Gegenteil", sagt Kunert von Infratest dimap. "Ihre Anhänger findet die Partei zwar in allen Schichten der Bevölkerung, besonders erfolgreich ist sie aber in der Mitte: bei den Menschen mittleren Alters, mittleren Einkommens, mittleren Bildungsniveaus." Vor allem Männer zwischen 30 und 50 wählen die Partei. Im Osten sind es mehr als im Westen. Und: Unter AfD-Anhängern sind rechtsextreme Positionen stärker vertreten als bei Anhängern anderer Parteien.

Keine Partei der Abgehängten

Die These einer Prekariatspartei, die vor allem die Abgehängten anzieht, trifft aber nicht zu. Zwar hat sich das Profil der Partei und damit auch das der Anhängerschaft seit ihrer Gründung verändert. Damals prägten noch Professoren die Führungsriege, inzwischen stehen rechtspopulistische Positionen im Vordergrund. Zulegen konnte die AfD seither - wenig überraschend - bei Personen mit niedrigerem Bildungsniveau, vor allem auch bei Arbeitern, Arbeitslosen und unter 30-Jährigen.

Doch bemerkenswert ist, dass nach Erhebungen des SOEP im Jahr 2015 das durchschnittliche Nettoeinkommen der AfD-Anhänger leicht über dem Bundesdurchschnitt liegt: nämlich bei 2200 Euro monatlich. Ihre eigene wirtschaftliche Situation schätzen die meisten AfD-Anhänger aktuell auch nicht als schlecht ein. Große Sorgen machen sie sich laut einer anderen Wahlstudie allerdings über die Zukunft: Etwa ein Drittel der Befragten mit AfD-Wahlabsicht erwartet eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage. Das sind fast doppelt so viele wie bei allen anderen Befragten.

Pessimisten ohne Vertrauen in die Demokratie

Auch um die allgemeine wirtschaftliche Lage, die Zuwanderung, die Kriminalitätsentwicklung, den Erhalt des Friedens und den sozialen Zusammenhalt machen sie sich größere Sorgen als andere. Hinzu kommt, dass ihr Vertrauen in die Demokratie gering ist, das Misstrauen gegenüber Politikern und anderen Parteien hingegen ist groß. Die Autoren verschiedener Studien kommen also zu dem Schluss, dass es sich bei den AfD-Sympathisanten zu einem großen Teil um Pessimisten handelt, deren aktuelle Lage zwar nicht unbedingt schlecht sein muss, die aber eine Verschlechterung in der Zukunft erwarten. Gekoppelt an das Gefühl, diesen Entwicklungen hilflos ausgeliefert zu sein.

Ob sich mit der AfD erstmals eine rechtspopulistische Partei in Deutschland dauerhaft etablieren kann, lässt sich aus diesen Erkenntnissen über die AfD-Klientel zwar nicht so einfach ablesen. Martin Kroh vom SOEP glaubt aber, dass die Zukunft der Partei vor allem davon abhängen wird, ob sie es schafft, sich als konservative Alternative rechts neben der Union zu etablieren oder ob sie ins rechtsextreme Lager abrutscht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel befand sich das Bild eines Wahlplakats, das wir fälschlicherweise der AfD direkt zugeordnet haben. Tatsächlich handelte es sich um ein Plakat einer Unterstützer-Initiative der AfD.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2017 um 19:16 Uhr

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Sandra Stalinski, tagesschau.de

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