Festnahme eines mutmaßlichen Putschisten

Weitere Generäle und Richter festgenommen Erdogans "Säuberungswelle" läuft

Stand: 17.07.2016 12:26 Uhr

In der Türkei gibt es nach dem gescheiterten Putsch massive Eingriffe in Militär und Justiz. Die von Präsident Erdogan angekündigte "Säuberung" läuft auf Hochtouren: Bereits 6000 Menschen wurden festgenommen.

Nach dem Umsturzversuch in der Türkei haben die Sicherheitskräfte ihren Einsatz gegen mutmaßliche Unterstützer der Putschisten fortgesetzt. Justizminister Bekir Bozdag teilte mit, rund 6000 Menschen seien festgenommen worden. Er kündigte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu an, dass die "Säuberungsaktionen" weitergehen werde.

Zuvor hatte Anadolu berichtet, am Sonntagmorgen seien der Brigadegeneral Özhan Özbakir und mehr als 50 weitere Soldaten bei einer Razzia auf einem Armeestützpunkt in Denizli in Gewahrsam genommen worden. Auf dem auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik wurde laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" der General Bekir Ercan Van zusammen mit mehr als einem Dutzend weiterer Soldaten festgenommen. Sie würden nun von den Ermittlern befragt.

Tausende Festnahmen und Haftbefehle

Die türkische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass bereits mehr als 2800 Angehörige der Armee festgenommen worden seien. Anderen Quellen zufolge sind bereits rund 3000 Soldaten, darunter auch Offiziere, in Gewahrsam. Nach Angaben des Senders NTV sitzen auch 34 Generäle in Untersuchungshaft - unter ihnen Erdal Öztürk, Kommandeur der Dritten Armee, sowie der Kommandeur der Zweiten Armee, Adem Huduti.

Zudem wurden laut Anadolu mehr als 2700 Richter und Staatsanwälte suspendiert. In der Türkei gibt es nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa schätzungsweise rund 15.000 Richter.

In der Nacht zum Sonntag wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan bei Einsätzen in den Städten Konya und Gaziantep insgesamt 136 Richter und Staatsanwälte festgenommen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Anhänger des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen zu sein. Die türkische Regierung macht ihn für den versuchten Militärputsch verantwortlich. Der Kleriker weist diesen Vorwurf entschieden zurück.

Warnung vor Willkür

Das Vorgehen gegen mutmaßliche Putschisten sorgt international für Kritik. Die USA forderten die Türkei auf, die Gesetze bei der Verfolgung zu beachten, die EU warnte vor Willkür.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Juli 2016 um 22:45 Uhr.

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