Wiederaufbau nach dem Tsunami Das Leben im Musterdorf von Aceh

Stand: 25.12.2009 12:58 Uhr

Mit zerstörerischer Kraft rauschen die durch ein Erdbeben ausgelösten Wassermassen am Morgen des 26. Dezember über die Provinz Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra hinweg. 170.000 Menschen sterben, die Dörfer sind zerstört. Mit deutschen Spendengeldern wurden neue Häuser gebaut - sie sind sicherer und moderner.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien 

Ein Musterdorf steht auf einem kleinen Berg, in sicherer Höhe und mit wunderschöner Aussicht auf das Meer. Rund ein Dutzend Holzhäuser in Reih und Glied, jedes Haus hat eine neue Küche, ein Badezimmer und alle zusammen teilen sich eine Kläranlage. So etwas hatten die Bewohner vor dem Tsunami gar nicht. Sie seien dankbar und froh über den viel besseren Lebensstandard, sagt Dorfchef Normansa. "Unsere Häuser sind durch den Tsunami völlig zerstört worden. Jetzt haben wir ein neues Dorf, mit neuen, viel besseren Häusern und guten sanitären Einrichtungen."

Schulmädchen in Aceh, im Hintergrund die neugebauten Häuser.
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Schulmädchen in Aceh, im Hintergrund die neugebauten Häuser.

Fast überall im einstigen Katastrophengebiet in Aceh wurde beim Wiederaufbau darauf geachtet, dass der Lebensstandard der Menschen verbessert wurde. Da in den Küstenregionen nahezu alles völlig zerstört war und ohnehin alle Ortschaften von Grund auf neu geplant und gebaut werden mussten, habe man Umweltstandards und Sicherheitskriterien berücksichtigen können, sagt Kuntoro Mangkusobroto. Er ist Leiter der indonesischen Behörde für Wiederaufbau in Aceh. "Unser Plan war, Aceh besser wieder aufzubauen. Wir wollten nicht Häuser bauen, die wie die alten aussahen, sondern besser." Die Häuser sollten zum Beispiel Sanitäreinrichtungen und Küchen bekommen. "Und dort wo es keine Schulen gab, haben wir Schulen gebaut, wo es keine Gesundheitsstationen gab, haben wir Gesundheitsstationen gebaut", berichtet der Chef der Wiederaufbaubehörde. 

DRK baut Brunnen und Wohnhäuser

Auch die Moschee in der Provinzhauptstadt Banda Aceh wurde wiederaufgebaut.
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Auch die Moschee in der Provinzhauptstadt Banda Aceh wurde wiederaufgebaut.

Von den internationalen Hilfsgeldern für die Tsunami-Opfer sind umgerechnet rund fünf Milliarden Euro nach Aceh geflossen. Ein Großteil davon stammt aus deutschen Spendengeldern. Allein das Deutsche Rote Kreuz habe in Indonesien knapp 40 Millionen Euro in den Wiederaufbau investiert, sagt Johannes Richert vom Generalsekretariat des DRK. "Nach der Nothilfephase, die darin bestand, medizinische Hilfe zu leisten sowie Wasser, Hilfsgüter, Decken und Zelte zu liefern, konnten wir in der zweiten Phase Wiederaufbauhilfe leisten." Seinen Angaben zufolge hat das DRK 1491 Wohnhäuser aufgebaut - alle an Orten, die sicherer sind. "Wir haben 32 Schulen und sieben Gesundheitszentren aufgebaut", fährt Richert fort. Zudem sei die Trinkwasserversorgung verbessert worden: "Wir haben 1700 Brunnen wieder hergestellt, so dass die Trinkwasserqualität an Land besser wurde. Wir haben also nicht nur Gebäude aufgestellt, sondern die Bevölkerung vorbereitet auf ähnliche Situationen."

Sirenen heulen - ein erster Test für das Tsunami-Warnsystem

Die Erinnerung an den Tsunami bleibt in Aceh lebendig: Ein Fischerboot, das die Katastrophe vor fünf Jahren überstand, ist heute ein Denkmal.
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Die Erinnerung bleibt in Aceh lebendig: Ein Fischerboot (rechts), das die Katastrophe vor fünf Jahren überstand, ist heute ein Denkmal.

Am 14. Oktober, dem internationalen Tag für Katastrophenschutz, heulten in Banda Aceh und anderen Ortschaften auf der Insel Sumatra die Sirenen. Diesmal war es nur eine Übung, der erste internationale Test für das Tsunami-Warnsystem nach der Katastrophe vor fünf Jahren. Die Einwohner rannten aus den gefährdeten Küstenstreifen in höher gelegene Gebiete. Militärlastwagen brachten die Menschen aus der Gefahrenzone. Schilder an den Stränden von Aceh zeigen inzwischen die Fluchtwege bei einem Tsunami-Alarm an. In den flachen Küstenregionen der Provinz Aceh muss man jedoch mehrere Kilometer weit gehen oder fahren, bis man in höhere Bergregionen kommt.

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