Donald Trump bei einem Auftritt Anfang Dezember | Bildquelle: REUTERS

US-Politologe zu Donald Trump "Er schürt Populismus, er bündelt Ängste"

Stand: 08.12.2015 14:09 Uhr

Muss man Donald Trump und dessen harsche Forderungen ernst nehmen? Ja, sagt Amerika-Experte Garrett von der Uni Leipzig im tagesschau24-Interview. Der Republikaner werde zwar nicht gewinnen, bündele aber erfolgreich Ängste. Das sei aber kein reines US-Phänomen.

tagesschau24: Mit seiner Forderung nach einem US-Einreiseverbot für Muslime erntet Trump heftige Kritik auch aus den eigenen Reihen. Warum riskiert Trump diese Forderung trotzdem?

Zur Person

Crister S. Garrett ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler. Er hat derzeit eine Professur an der Uni Leipzig. Zu seien Forschungsschwerpunkten zählen die aktuelle amerikanische Politik und Gesellschaft.

Crister Garrett: Moderne Politik hat viel mit Medien zu tun. Da kennt sich Herr Trump bestens aus. Wir sehen jetzt: Er beherrscht damit die Nachrichten für mindestens 24, wenn nicht gar 48 Stunden und alle gucken auf ihn.

tagesschau24: Einige halten die Aussage von Trump für wirr, andere für rechtsextrem. Viele fragen sich: Was ist, wenn dieser Mann tatsächlich Präsident werden sollte?

Garrett: Davon sind wir weit entfernt. Wir sind in der Frühphase der Vorwahlen. Gleichzeitig muss man ihn ernst nehmen. Er schürt Populismus, er bündelt Ängste in der Gesellschaft. Das ist - wenn wir so wollen - ein transatlantische Phänomen: Das haben wir jüngst in Frankreich erlebt, das sehen wir in Deutschland und sogar in skandinavischen Ländern, in denen Sozialdemokraten das Wort haben. Wir sehen jetzt eine populistische Strömung. Das ist ernst zu nehmen und wird eine klare Rolle in der Politik spielen.

Amerika-Experte Crister Garrett über Trumps Äußerungen
tagesschau24 13:00 Uhr, 08.12.2015

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"Die Mitte der Gesellschaft ist offen gegenüber Muslimen"

tagesschau24: Gerade gestern hat US-Präsident Barack Obama vor einem Generalverdacht gegen alle Muslime gewarnt. Wie stehen die Amerikaner dazu?

Garrett: Ob man Präsident wird, entscheidet sich in der Mitte der Gesellschaft. Und die große Mitte der amerikanischen Gesellschaft ist offen gegenüber Muslimen. Die Muslime in den USA sind landesweit meistens sehr gut integriert, das zeigen auch EU-Studien. Zwar gibt es in der amerikanischen Gesellschaft Vorurteile gegenüber Muslimen. Aber ich denke, das wird keine große Rolle spielen. Die Demokraten werden am Ende des Tages gegenüber Trump punkten können.

tagesschau24: Wie wahrscheinlich ist es Ihrer Meinung nach denn, dass Donald Trump für die Republikanische Partei bei den US-Präsidentschaftswahlen antreten kann?

Garrett: Er wird viele Stimmen für sich gewinnen - das hat er ja schon. Die ersten Vorwahlen finden im Januar im Mittleren Westen der USA statt. Dort gibt es Ängste, dort sind aber auch viele Einwanderer aus Asien oder dem Nahen Osten, die sehr gut integriert sind. Es gibt dort auch viele Religionen. Danach folgen Vorwahlen an der Ost- und der Westküste. Dort gibt es Hunderttausende Muslime. Sie spielen eine große Rolle in der Gesellschaft. Ich denke, auf lange Sicht wird Trump verlieren.

Das Interview führte Kerstin Petry, tagesschau24. Die gesprochene Sprache des Live-Interviews wurde für die schriftliche Fassung leicht überarbeitet.

Donald Trump will Muslimen die Einreise in die USA untersagen
A. Horchler, ARD Washington
08.12.2015 15:04 Uhr

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