Frage vom 05.04.2011 Wie viele Windräder können ein AKW ersetzen?

Stand: 05.04.2011 16:32 Uhr

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung ganz einfach. Ein großes Windrad moderner Bauart kann eine Leistung von sechs Megawatt bringen. Ein mittleres Kernkraftwerk leistet 1200 Megawatt. Nach dieser Rechnung könnten 200 moderne Windräder ein Atomkraftwerk ersetzen. Macht bei bundesweit 17 AKW insgesamt 3400 Windräder. Soviel die Theorie. Doch mit der Wirklichkeit hat diese Rechnung aus verschiedenen Gründen nichts zu tun.

Windpark der Fläche Bremens könnte ein AKW ersetzen

In der Praxis bringen weder die Kernkraftwerke geschweige denn die Windräder dauerhaft die jeweilige Höchstleistung. Da ist ein AKW für Revisionszwecke abgeschaltet, da beeinträchtigt auf der anderen Seite etwa eine wochenlange Flaute die Renditeerwartung der Windmüller. Nehmen wir also konkrete Zahlen für 2009. Die Stromproduktion aus Kernkraft im Jahr 2009: 135 Milliarden Kilowattstunden. Macht bei 17 AKW eine durchschnittliche Stromproduktion von 7,9 Milliarden Kilowattstunden pro Kraftwerk. Erzeugter Strom durch die 21.000 Windkraftanlagen andererseits: 38,6 Milliarden Kilowattstunden.

Windräder in Norddeutschland | Bildquelle: dpa
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Windräder in Norddeutschland

Um den Strom eines einzelnen AKW durch Windräder zu ersetzen, wären folglich knapp 4400 durchschnittlich große Windräder nötig. Ferner angenommen, diese Windräder würden zu einem einzigen großen Windpark zusammengestellt und die einzelnen Räder würden den nötigen Mindestabstand vom drei- bis fünffachen Rotordurchmesser einhalten, dann kämen bei durchschnittlich 70 Meter Rotordurchmesser eine Fläche von 322 Quadratkilometer zusammen. Der Windpark, der ein AKW ersetzen könnte, hätte etwa die Fläche des Bundeslandes Bremen. Alle 17 Kernkraftwerke zusammen durch einen Windpark zu ersetzen würde demnach theoretisch die doppelte Fläche des Saarlands in Anspruch nehmen.

Verzicht auf Atomkraft durch Zusammenspiel aller Erneuerbaren Energien

Stromnetz mit Masten | Bildquelle: dpa
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Stromnetz mit Masten

Gottseidank ist auch diese Rechnung nur ein Teil der Wirklichkeit. Erstens können viele kleine alte Windräder durch neue Großanlagen am gleichen Standort ersetzt werden. Dieses “Repowering” spart Fläche. Und: der Verzicht auf Atomkraft ist eh nur möglich, wenn außer der Windkraft auch die Photovoltaik, die Wasserkraft, die Geothermie, kurz: sämtliche Erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Ganz wichtig ist: Auch die benötigte Strommenge wird durch gesteigerte Effizienz und Einsparung deutlich abnehmen.

In den Szenarien des Umweltbundesamts zur Energieversorgung im Jahr 2050 wird deutlich: die Stromerzeugung in vierzig Jahren wird überwiegend von Photovoltaik und Windenergie übernommen. Überschüssiger Strom wird jeweils als Wasserstoff oder Methan gespeichert und bei Bedarf – Flaute oder Dunkelheit – in Gas- und Dampfturbinenkraftwerken wieder zu Strom gewandelt und eingespeist. In der monatsmittleren Stromerzeugung ergänzen sich die beiden Erneuerbaren bestens. Sommermonate sind lichtreicher und windärmer, im Winter ist es umgekehrt.

Fragen zu Fukushima

Die SWR-Uweltredakteure Werner Eckert und Axel Weiß haben im Blog zahlreiche Fragen zu Fukushima beantwortet. tagesschau.de hat diese ursprünglich für das Blog verfassten Texte nun zu einem Dossier zusammengefasst.

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