Wütende Demonstranten stürmten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran. | Bildquelle: dpa

Nach Hinrichtung von Schiiten Saudische Botschaft in Teheran gestürmt

Stand: 03.01.2016 09:05 Uhr

Aufgebrachte Demonstranten haben im Iran die saudi-arabische Botschaft gestürmt. Grund ist die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen und 47 weiterer Männer in Saudi-Arabien. Auch die USA und die EU äußerten sich besorgt, die religiösen Spannungen könnten zunehmen.

Die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien hat internationale Besorgnis und heftige Proteste ausgelöst. In der iranischen Hauptstadt Teheran stürmten aufgebrachte Demonstranten die saudi-arabische Botschaft und warfen Brandsätze auf das Gebäude. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.

Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, es seien 40 Menschen festgenommen worden, die in die Botschaft eingedrungen waren. Schiitische Milizen riefen zu einer weiteren Protestkundgebung vor der Botschaft auf. Auch in der iranischen Stadt Maschhad wurde das saudi-arabische Konsulat angegriffen.

Sobhan Hassanvand @Hassanvand
RIGHT NOW: Saudi embassy in Tehran on fire after stormed by protesters over execution of Shiite leader al-Nimr https://t.co/k92bTkh5hb

Zuvor hatte das iranische Außenministerium gedroht, Saudi-Arabien werde "einen hohen Preis" für die Exekution des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr zahlen. "Die saudi-arabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner", sagte ein Sprecher. Das geistliches Oberhaupt Irans Ayatollah Ali Chamenei warnte das Königreich vor einer "Rache Gottes". "Das ungerechtfertigt vergossene Blut dieses Märtyrers wird rasche Konsequenzen haben."

Der schiitische Iran, der mit Riad um die Vorherrschaft in der Region rivalisiert, kritisiert seit langem die Behandlung der Schiiten in Saudi-Arabien. Die schiitische Minderheit klagt über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus.

Spannungen nach Vollstreckung von 47 Todesurteilen
tagesthemen 23:16 Uhr, 02.01.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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Hisbollah spricht von "abscheulichem Verbrechen"

Die mit Teheran verbündete libanesische Hisbollah-Miliz verurteilte die Hinrichtung Nimrs als "abscheuliches Verbrechen". Der irakische Ministerpräsident Haidar al Abadi reagierte "traurig" und "geschockt". Auch in Bahrain, dessen Regierung mit Riad verbündet ist, kam es zu Protesten von Jugendlichen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit. Die Polizei setzte Zeugen zufolge Tränengas gegen Demonstranten ein.

Proteste nach der Hinrichtung des Geistlichen Nimr in Saudi-Arabien. | Bildquelle: AFP
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Saudische schiitische Frauen protestieren im Bezirk Katif, wo Nimr herkommt, gegen die Hinrichtung.

Reaktionen auf die Hinrichtungen in Saudi Arabien. | Bildquelle: AP
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Trauer und Protest auch in Srinigar: Schiitische Muslime halten Bilder mit dem Konterfei Nimrs hoch.

Geistlicher war zentrale Figur des Protests 2011

Der 56-jährige Nimr war die zentrale Figur schiitischer Proteste während des arabischen Frühlings 2011. Er hatte die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und al Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Nimrs Festnahme im Juli 2012 hatte Proteste der Schiiten ausgelöst, bei denen zwei seiner Anhänger getötet worden waren.

Im Oktober 2014 wurde Nimr wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober 2015 war das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt worden.

Auch die EU protestiert

Auch von USA und EU kam Protest. "Dieser Fall hat auch das Potenzial, sektiererische Spannungen, die bereits viel Schaden in der gesamten Region anrichten, mit gefährlichen Folgen weiter anzuheizen", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die Bundesregierung kritisierte die Hinrichtungen ebenfalls und zeigte sich besorgt über die dadurch wachsenden Spannungen in der Region.

Deutsche Oppositionspolitiker warfen dem Königreich Saudi-Arabien vor, gegen Gegner nicht anders vorzugehen als der IS. Die Bundesregierung müsse die Rüstungsexporte in das arabische Land und die "strategische Partnerschaft" mit dem Königreich beenden, forderten der Grünen-Politiker Omid Nouripur und die Linkspartei-Abgeordnete Sevim Dagdelen.

König Salman | Bildquelle: AFP
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König Salman ist seit knapp einem Jahr im Amt. Er war Ende Januar nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah auf den Thron gestiegen.

Saudi-Arabien richtet 47 Häftlinge hin
S. Rossi, ARD Kairo
02.01.2016 12:43 Uhr

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