Porträt von Marine Le Pen Blond, laut und gefährlich

Stand: 16.01.2011 16:02 Uhr

Sie ist das neue Gesicht der französischen Rechten - und das beliebteste. 27 Prozent der Franzosen finden Marine Le Pen sympathisch, das unterscheidet sie von ihrem Vater, Jean-Marie. Inhaltlich sind sich beide ähnlich. Das Feindbild der neuen Chefin des Front National: Muslime.

Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkkorrespondentin Paris

Sie ist blond, laut und gefährlich: Marine Le Pen, das neue Gesicht der französischen Rechtsextremen. Sich selbst bezeichnet sie als zweite Stufe der Rakete im Le Penschen Familienbetrieb: "Diese zweite Stufe muss jetzt losfliegen und die Partei, den Front National, an die Macht bringen, damit wir unsere Ideen umsetzen können."

Ihr Vater brachte es zu zweifelhafter Berühmtheit, als er die Nazi-Gaskammern als "Detail der Geschichte" bezeichnet hat. Tochter Marine hat sich davon wohlweislich distanziert. Was nicht heißt, dass sie nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie ihr fremdenfeindlicher Vater. Aber sie hetzt zeitgemäßer: gegen Muslime. Diese seien wie "eine Okkupation, die immer mehr Städte in Frankreich betrifft".

Marine Le Pen und ihr Vater Jean-Marie Le Pen | Bildquelle: dpa
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Die Macht bleibt in der Familie: Marine Le Pen folgt auf ihren Vater Jean-Marie als Vorsitzende des Front National.

Marine Le Pen auf einer Parteiveranstaltung der Front National | Bildquelle: AFP
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Auch dessen fremdenfeindliches Gedankengut hat sie übernommen. Gegen Le Pen wird wegen Rassenhasses ermittelt.

27 Prozent der Franzosen finden sie sympathisch

Wegen dieses Vergleichs der Muslim-Straßengebete mit der Nazi-Besatzung ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Rassenhass wird ihr vorgeworfen. Ihrem Erfolg tut das keinen Abbruch. Auch nach dieser Entgleisung finden sie 27 Prozent der Franzosen sympathisch. Marine Le Pen macht das sehr geschickt, bescheinigt ihr auch der Psychologe Serge Hefez: "Sie sagt: 'Wir sind alle Opfer machtgieriger Politiker und korrupter Systeme' - und sie präsentiert sich selbst als die einzige, die die unbequeme Wahrheit sagt."

Marine Le Pen | Bildquelle: AFP
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Die gelernte Juristin inszeniert sich gern als Verteidigerin der enttäuschten Franzosen.

Diese Rolle der Verteidigerin der enttäuschten Franzosen spielt sie perfekt. Das Handwerkszeug dazu hat sie während ihres Jurastudiums und ihrer Zeit als Anwältin gelernt. Auch die jahrzehntelange Ausbildung in der väterlichen Partei hat sich für sie ausgezahlt. Sie ist mittlerweile im politischen Frankreich etabliert, taucht in vielen Diskussionssendungen auf. Ihre Taktik ist immer die gleiche: Attacke.

"Wenn man die Le Pens angreifen lässt, sind sie fast unschlagbar. Aber wehe, sie müssen sich verteidigen, gegen Fakten und Argumente. Dann sehen sie schlecht aus, die Tochter genauso wie der Vater. Darum gehen sie auch immer gleich in die Offensive", sagt der Soziologe Erwan Lecoeur.

"Ich habe einen eher kämpferischen Charakter"

Marine musste das schon von Kind auf lernen. Als Tochter eines Le Pens habe man es nicht leicht, erzählte sie einmal. Das habe ihr vielleicht einen eher kämpferischen Charakter gegeben. Ihre eigenen Kinder hat sie ebenfalls schon vorbereitet: "Ich sage ihnen: 'Macht euch darauf gefasst, dass man euch unangenehme Fragen stellt.' Ich selbst mache das auch schon seit Jahrzehnten mit."

Von den Vätern ihrer drei Kinder ist sie geschieden. Spötter sagen, es gibt nur einen Mann an Marines Seite - und das ist ihr Vater. Angeblich denkt der aber nicht im Traum daran, ihr die Führung der Partei wirklich zu überlassen, sagt der Journalist Christophe Forcari: "Für sie gehen die Probleme jetzt erst richtig los, wenn sie offiziell Parteichefin wird. Dann wird sie merken, dass ihr der Papa permanent auf die Finger guckt und die Fäden weiterhin zieht", so Forcari.

Aber Marine ist wesentlich populärer als ihr Vater. Und das macht einem anderen Mann Sorgen: Nicolas Sarkozy. Der Präsident hat es bis jetzt nicht geschafft, ihr die Wähler am rechten Rand abspenstig zu machen. Typisch Le Pen attackierte Marine seine diversen Versuche mit dem Spruch: "Dann wählen die Leute doch lieber das Original. Und das bin ich."

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