Shakira während Des Global-Citizen-Konzerts zum G20 in Hamburg | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Musikrechte in den "Paradise Papers" Wenn Steuern den Ton angeben

Stand: 09.11.2017 19:00 Uhr

Urheberrechte an Songs sind das Gold der Musikbranche. Die "Paradise Papers" zeigen: Sie werden steuergünstig in Steueroasen gelagert. Auch die kolumbianische Pop-Ikone Shakira hält dort Firmen.

Von Markus Sehl und Jan Lukas Strozyk, NDR

"Take me home, country roads, to the place I belong" - diese Zeilen wecken weltweit bei Abschlussfesten und Silvesterparties sehnsüchtige Bilder an einsame, schnurgerade Highways, die bis zum Horizont reichen. Ganz sicher aber nicht an die Insel Jersey im Ärmelkanal. An ihrer breitesten Stelle misst die Insel gerade einmal 14 Kilometer.

Sheryl Crow | Bildquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
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Auch Musikrechte von Country-Sängerin Sheryl Crow liegen auf Jersey.

Die "Paradise Papers" zeigen nun: Auf dem Eiland lagerten die Musikrechte für den Top-Hit "Country Roads" von John Denver. Und nicht nur die. Bis zum Jahr 2014 wurden die Rechte an mindestens 26.000 internationalen Top-Hits dort von einer Briefkastenfirma gehalten. Von Bob Marleys Reggae-Hymne "Get up, stand up" bis zu Duke Ellingtons "Day Dream", von Avril Lavigne bis Sheryl Crow.

In Zeiten, in denen das Geschäft mit klassischen Tonträgern immer schwieriger wurde, ist die Bedeutung der Musikrechte gewachsen. Sie sind so etwas wie das Gold der Branche. Immer wenn irgendwo auf der Welt ein bestimmter Song auf der Bühne, im Radio oder aus den Lautsprechern im Supermarkt gespielt wird, klingelt es bei den Rechteinhabern in der Kasse. Das gilt in der Regel auch für Musik-Streaming-Dienste, bei denen man gegen eine Abo-Gebühr hören kann, was man mag.

Die "Paradise Papers"

Mehr als ein Jahr haben 381 Journalistinnen und Journalisten von 96 Medienpartnern aus 67 Ländern den Datensatz der sogenannten "Paradise Papers" ausgewertet. Darin haben sie zahlreiche Geschichten entdeckt. Die Daten waren der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt worden. Die Koordination der Recherche übernahm das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ). Insgesamt umfassen die "Paradise Papers" rund 13,4 Millionen einzelne Dateien.

Rechte-Kataloge werden gehandelt

Die "Paradise Papers" zeigen nun, dass dieser wertvolle Zweig des internationalen Musikgeschäfts auch über Offshore-Konstruktionen organisiert wird. Häufig werden die Rechte an Songs verschiedener Künstler gesammelt über sogenannte Kataloge verkauft. Diese Kataloge werden dann wie Aktien gehandelt. "Es gibt einen richtigen Marktplatz für Musikkataloge unter Investoren, die nach ziemlich sicheren Erträgen suchen", sagt der Ökonom Chris Hayes, der für die Analysefirma Enders Analytics auf Medien und Unterhaltung spezialisiert ist.

Katalog "First State" lagert steuerfrei auf Jersey

In den Unterlagen lässt sich nun das Schicksal eines solchen Katalogs nachverfolgen, der auf der Kanalinsel Jersey lagerte. Der Katalog "First State" umfasst Songs von Creeds "With arms wide open" bis Sheryl Crows "All I wanna do". Zu seinen besten Zeiten enthielt der Katalog rund 26.000 Titel aus den vergangenen sieben Jahrzehnten. In einer internen Verkaufsbroschüre aus dem Jahr 2013 wird der Katalog als "einer der größeren Zusammenstellungen von Urheberechten, die auf dem Markt gerade verfügbar sind" angepriesen.

Der Katalog gehört einem Fond mit dem Namen "MS Media Work Funds I"; verwaltet wird er von einem Unternehmen auf Jersey und einer Gesellschaft, die in Irland registriert ist. Jedes Jahr kaufen die Manager neue Titel hinzu. Zwischen 2010 und 2012 spielte der Katalog im Schnitt pro Jahr 4,6 Millionen US-Dollar Gewinn ein.

Der Vorteil an einer Lagerung in Jersey: Auf der Insel fallen keine Steuern für Gewinne aus Lizenzgebühren an. Das ist besonders attraktiv für Titel von US-amerikanischen Rechteinhabern - und die sind in der Mehrzahl im "First State"-Katalog. Ein vertrauliches Papier der Beraterfirma KPMG rechnet vor: Falls die Gewinne bei einer Firma in den USA angefallen wären, wären dort 38 Prozent Gewinnsteuer fällig gewesen. In Jersey: null Prozent. "Wir gehen davon aus, dass die Gesellschaft als Offshore-Struktur gilt, was bedeutet, dass keine Steuer zu zahlen ist auf das Einkommen, das der Katalog generiert", schreibt die Beraterfirma.

Auf Anfrage des ICIJ äußerte sich die irische Verwalterfirma des Katalogs nicht. Auch verschiedene Musiker, die in dem Katalog auftauchen, haben Anfragen nicht beantwortet oder wollten keine Stellung beziehen. KMPG lehnte eine Stellungnahme ebenfalls ab.

Shakira während eines Konzertes in Prag 2007 | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Shakiras maltesische Firma entstand nach ihrem Erfolg mit den Alben "Fijación Oral".

Shakira hält Musikrechte auf Malta

Auch die Musikrechte von Superstar Shakira hatten ein Gastspiel auf einer Steueroasen-Insel. Sie wählte allerdings Malta. Im Jahr 2009 übertrug sie die Rechte an ihrer Musik auf die maltesische Firma Tournesol, französisch für Sonnenblume. Alleinige Anteilseignerin war Shakira selbst, die Musikrechte blieben also in ihren Händen. Shakiras Anwalt bestätigte auf Anfrage des ICIJ, dass sie die Firma immer noch besitze. Weiter sagte er: "Die Information über diese Gesellschaft ist öffentlich und transparent." Sie habe sich seit der Gründung an die Gesetze gehalten.

Ohne Gesetze zu brechen kann man auch auf Malta satt Steuern sparen. Auf der Mittelmeerinsel fallen keine Abgaben auf Lizenzgebühren an. Im Jahr 2014 gingen Shakiras Musikrechte an eine Gesellschaft in Luxemburg. Auch diese Gesellschaft gehört der Sängerin. Auch hier werden keine Steuern auf Lizenzgebühren fällig. Danach verliert sich die Spur in den Dokumenten.

Über dieses Thema berichtete MDR Kultur am 09. November 2017 um 15:10 Uhr.

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