Mitglieder der ISIS-Miliz | Bildquelle: AFP

Vormarsch radikaler Sunniten im Irak Mossul fällt an Islamisten-Miliz

Stand: 10.06.2014 21:58 Uhr

Die irakische Regierung hat alarmiert auf die Einnahme Mossuls durch die radikalislamische ISIS-Miliz reagiert. Ministerpräsident Nuri al Maliki forderte das Parlament in einer Fernsehansprache dazu auf, den Ausnahmezustand über die zweitgrößte Stadt des Landes zu verhängen.

Kämpfer des Al-Kaida-Ablegers "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) nahmen Mossul am Vormittag ein. Der Gouverneur der Provinz Nineveh, Athil al-Nudschaifi, sagte dem Nachrichtensender Al Arabija, er sei selbst nur knapp entkommen, als Milizionäre den Regierungssitz stürmten. Die Regierungstruppen haben sich aus der Stadt zurückgezogen, teilte die Regierung in Bagdad mit.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration flüchteten rund 500.000 der etwa drei Millionen Einwohner Mossuls aus der Stadt. Viele seien zu Fuß in die kurdischen Provinzen Erbil und Dohuk unterwegs, da ihnen verboten worden sei, ihre Fahrzeuge zu benutzen.

Wird für das irakische Mossul der Ausnahmezustand verhängt?
N. Amin, ARD Kairo
10.06.2014 18:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Maliki will Bevölkerung für Widerstand bewaffnen

Ministerpräsident Maliki rief die Bevölkerung zum Widerstand auf. Wer sich freiwillig melde, werde von der Regierung bewaffnet, sagte er. Zudem bat er die internationale Gemeinschaft um Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus.

Laut Nachrichtenportal "Sumaria News" drangen Kämpfer der ISIS-Miliz auch in Gefängnisse ein und ließen mehr als 1400 Häftlinge frei. Zudem übernahmen sie demnach die Kontrolle über den Flughafen sowie zwei Fernsehsender. Laut türkischer Nachrichtenagentur Dogan wurden auch 28 türkische Lkw-Fahrer entführt.

Radikale Sunniten bringen Mossul unter ihre Kontrolle
tagesschau 20:00 Uhr, 10.06.2014, Volker Schwenck, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Erstmals irakische Provinz unter ISIS-Kontrolle

Mit der Einnahme Mossuls haben die ISIS-Kämpfer erstmals eine gesamte irakische Provinz unter ihre Kontrolle gebracht: Die sunnitisch geprägte erdölreiche Provinz Niniveh sei "in die Hände der Aufständischen gefallen", teilte Parlamentpräsident Ussama al Nudschaifi auf einer Pressekonferenz mit. Die Provinz gilt seit langem als eine Hochburg von Aufständischen und als eines der gefährlichsten Gebiete im Irak.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP brachten die Dschihadhisten auch Teile der benachbarten Provinzen Kirkuk und Salaheddin unter ihre Kontrolle. Ein Brigadegeneral und ein örtlicher Regierungsvertreter sagten demnach, islamistische Kämpfer seien nach Sinijah und Sulaiman Bek eingerückt, nachdem sich die Sicherheitskräfte zurückgezogen hatten.

Die ISIS gehört zu den radikalsten Sunnitengruppen, die im arabischen Raum einen Gottesstaat errichten wollen. Seit Januar kontrollieren die Milizionäre bereits Gebiete der westlichen Provinz Al Anbar und liefern sich dort heftige Kämpfe mit Regierungstruppen. Aus der Provinz sind nach UN-Angaben inzwischen mehr als 400.000 Menschen geflohen.

Die Aufständischen erstarken durch das Machtvakuum im Nachbarstaat Syrien. Sie haben dort einen Rückzugsort, gewinnen an Einfluss und haben Zugang zu Waffen. Mossul ist die zweite Stadt nach Falludscha westlich von Bagdad, die die irakische Regierung an die Islamisten verliert.

Durch den Vormarsch der Milizen im Norden eskaliert der langjährige Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten im Land. Ministerpräsident Maliki gehört der schiitischen Mehrheit des Landes an. Seine Gegner werfen ihm vor, die sunnitische Minderheit zunehmend an den Rand zu drängen.

Darstellung: