ARD-Dokumentation "Tage des Terrors" Wer nicht fliehen kann, wird unter Trümmern begraben

Stand: 27.08.2007 09:56 Uhr

Das World Trade Center in Rauchwolken gehüllt
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Das World Trade Center in Rauchwolken gehüllt

Nat Alcamo hat die Explosion des zweiten Jets überlebt, weil er nach dem ersten Anschlag sein Büro in der 60. Etage verlassen hat: "Hinter mir schrie einer, das Gebäude kippt um, es kommt auf uns runter. Alle rannten, eine junge Frau vor mir stürzte. Ich musste mich ganz schnell entscheiden, ob ich ihr helfen sollte oder nicht, ich entschied mich zu helfen, ich wollte sie hochheben, dann wurde ich gestoßen und fiel kopfüber zu Boden. In Sekunden lagen fünf oder sechs Leute auf mir, bis ich nicht mehr atmen konnte. Ich dachte, jetzt werde ich sterben. Mit aller Kraft habe ich diese Leute auf mir abgeschüttelt, es war wie eine Ewigkeit."

Um 10.07 Uhr stürzt der südliche Turm des WTC in sich zusammen und reißt alle, die nicht vorher fliehen konnten, in den Tod. Der Wachmann in einem nahegelegenen Bürogebäude grüßt die Menschen, die in Todesangst zu ihm hereinstolpern, mit einem korrekten "good morning".

Druckwelle wie ein Tornado

Nat Alcamo berichtet weiter: "Als ich mich umsah, wurde es um mich herum absolut schwarz, und das Grollen der Druckwelle wurde immer lauter. Ich habe mich an einem Haus entlanggetastet, ich konnte ja nichts sehen, und in der Fassade war so eine Nische, da konnte ich mich reindrücken. Ich habe gebetet, lieber Gott, bitte lass das aufhören - und die Druckwelle traf mich hinten am Kopf und Rücken und an den Beinen, es war wie ein Tornado".

Während Nat sich durch Manhattan kämpft, stürzt ein weiteres Passagierflugzeug ab, diesmal über freiem Feld. Passagiere hatten über ihre Handys von den Kamikazeangriffen auf das WTC erfahren und offenbar versucht, die Entführer, die das Flugzeug steuerten, zu überwältigen. Deren Ziel war möglicherweise Camp David, der Landsitz des amerikanischen Präsidenten.

Brennendes Pentagon stürzt ein

10.13 Uhr: Die 11.000 Mitarbeiter der Vereinten Nationen und alle Bewohner des südlichen Manhattan werden evakuiert. In Washington ist inzwischen ein Teil des brennenden Pentagon eingestürzt. Unter den Trümmern werden bis zu 800 Tote vermutet, später ist die Rede von 150 bis 200. Erste Vermutungen und Gerüchte über die Urheber des Terrors kursieren. Militante Palästinenser geraten zunächst in Verdacht.

Arafat spricht sein Beileid aus

Freudenschüsse in einem Palästinenserlager im Libanon am gleichen Tag. Freude über den Terror von New York und Washington. Bedeutung und Beweiskraft der Bilder sind umstritten, denn wie viele Palästinenser den Terror gegen die USA begrüßen, weiß keiner. Unstrittig aber ist, dass solche Solidarität mit dem Terror auch keine pure Erfindung ist.

Ein Sprecher der Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas distanziert sich noch am Dienstag von den Anschlägen in Amerika. Die USA sollen aber ihre Haltung im Palästina-Konflikt überprüfen. Denn die Politik Amerikas provoziert Wut und Hass des palästinensischen Volkes und aller arabischen und islamischen Völker. Spontane Freude auch bei manchen Palästinensern im Ost-Teil Jerusalems und der Westbank. Die Szenen erinnern an den Beifall für Saddam Hussein, als dieser Raketen auf Israel schoss. Palästinenserpräsident Arafat aber drückte dem amerikanischen Volk und seinem Präsidenten sein Beileid aus. "Wir sind völlig schockiert über diese Tat", sagte Arafat.

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