Hintergrund

Das Konklave Wie wird ein neuer Papst gewählt?

Stand: 26.08.2007 18:05 Uhr

Eingeschlossen in die Sixtinische Kapelle haben die Kardinäle einen neuen Papst bestimmt. Die Wahl folgte festen Ritualen - und unterlag strengster Geheimhaltung. Bis zum Aufsteigen des weißen Rauches war den Kardinälen jeder Kontakt zur Außenwelt verboten.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom

Der Beginn

Sixtinsche Kapelle 1978
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Ein Blick in die Sixtinische Kapelle im Oktober 1978.

In einer feierlichen Prozession, singend um den Beistand des Herrn bittend, zie­hen die Kardinäle in die Sixtinische Kapelle. Alle schwö­ren, mit niemandem darüber zu sprechen, was im Konklave geschieht. Nachdem die Kardinäle den Eid abgelegt haben, ertönt vom vatikanischen Zere­monien­meister Piero Marini der rituelle Ruf: „Extra omnes“ - "Alle hinaus". Von innen und von außen werden dann die Türen verriegelt. Mit dem Schlüssel, auf Latein: „Cum clave“.

Die Regeln

Die Wichtigste lautet: Nichts darf nach draußen dringen. Fenster und Türen sind versiegelt, Spezialisten haben die Sixtinische Kapelle und die Unter­kunft - das ehemalige Hospiz Santa Marta - auf Geheimsender abgesucht. Es dürfen aber auch keine Informationen von draußen nach innen gelangen. Die Kardinäle sollen sich bei ihrer Entscheidung nur vom Heiligen Geist, nicht aber von der Öffentlichkeit jenseits der Mauern beeinflussen lassen. Deswegen sind Radio, Fernsehen und Internet verboten. Auch alle Handys werden eingesammelt.

Der Chef

... ist der Deutsche Joseph Ratzinger. Als Kardinaldekan nimmt er seinen Kollegen den Verschwiegenheitseid ab. Und er leitet – unterstützt von drei gewählten anderen Kardinälen – die Abstimmungen.

Die Wahl

Gleich nachdem die Türen zu sind, kann es den ersten Durchgang geben. Er hat meist symbo­lische Bedeutung, viele Kardinäle stimmen aus Hochachtung oder besonderer Sympathie auch für Kandidaten, die nicht als Papstanwärter gelten. Danach wird es ernst: Ab dann wählen die Kardinäle jeweils zweimal am Vormittag und zweimal am Nachmittag – solange bis der neue Papst gefun­den ist. Wenn es bis Freitag noch keine Entscheidung gibt, käme es zur ersten Unterbrechung. Denn nach drei vollen Tagen Wahl ist nach den Konklave-Regeln eine Beratungs- und Gebetspause vorgesehen.

Die Mehrheit

... liegt bei 77 Stimmen. Dies entspricht bei den 115 Kardinälen, die ins Konklave einziehen, einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Erst nach 34 Wahlgängen würde auch die absolute Mehrheit reichen – also 50 Prozent der Stimmen plus eine. Niemand aber rechnet damit, dass die Kardinäle so lange brauchen. Seit über 175 Jahren war das Konklave nach spätestens vier Tagen zu Ende.

Die Stimmabgabe

... ist ein fest vorgeschriebenes Ritual. In die untere Hälfte des Wahlzettels schreiben die Kardinäle den Namen ihres Kandidaten. Danach müssen sie den Zettel zweimal falten, mit erhobenem Arm einzeln nach vorne treten und die Eidesformel sprechen: „Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte." Danach wird der Wahlzettel auf einen Teller und von dort in die Urne gegeben.

Die Auszählung

Die drei als Wahlhelfer ausgewählten Kardinäle entfalten die Stimmzettel vor dem Altar, der Letzte liest den Namen laut vor und trägt ihn in eine dafür vorgese­hene Wahlliste ein. Danach werden die Stimmzettel mit einer Nadel gelocht, auf eine Schnur gezogen und am Ende des Vor- und des Nachmittags – zusammen mit allen Notizen der Kardinäle über diese Wahlgänge – im dafür vorgesehenen Ofen verbrannt. Aus dem Kaminrohr über der Sixtinischen Kapelle steigt Rauch auf.

Das Ja-Wort

... ist die erforderliche Mehrheit erreicht, fragt Kardinaldekan Ratzinger oder der nach ihm Ranghöchste, Subdekan Angelo Sodano, den Gewählten: „Nimmst Du deine kanonische Wahl zum Papst an?“. Danach verkündet der neue Pontifex Maximus, wie er sich nennen will. Und er muss sich für seinen ersten Auftritt vor den Gläubigen einkleiden. Die Papstschneiderei Gammarelli hat dafür drei Gewänder in verschiedenen Größen vorbereitet. Bevor es rausgeht, küssen alle Kardinäle dem neuen Papst die Hand und versprechen ihm Gehorsam.

Die Verkündung

Schornstein der Sixtinischen Kapelle, 1978.
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Weißer Rauch steigt aus einem Schornstein der Sixtinischen Kapelle auf. Ein neuer Papst ist gewählt. (Archivbild von 1978)

Um weißen Rauch zu erzeugen, werden den verbrennenden Stimmkarten Chemikalien beigefügt. Trotzdem ist die Farbe des Qualms nicht immer eindeutig. 1958 verkündete Radio Vatikan die geglückte Wahl des Papstes versehentlich einen Tag zu früh. Deswegen gibt es diesmal eine Premiere: Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, werden parallel zum weißen Rauch die Glocken geläutet. Wahrscheinlich zehntausende Gläubige kommen dann zum Petersplatz, wo Protodekan Medina Estevez rund eine halbe Stunde nach dem weißen Rauch ausruft: „Habemus Papam“ – und der Welt verkündet, wer der neue Papst ist.

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