Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol: Das blauschimmernde Eis im Schmelztümpel zeigt an, das es sich um mehrjähriges und nicht um frisches Eis handelt. | Bildquelle: dpa

Studien zu Arktis-Eis Zwei Grad sind nicht genug

Stand: 03.04.2018 17:02 Uhr

Auf weniger als zwei Grad soll die Klimaerwärmung nach Beschluss der UN-Klimakonferenz begrenzt werden. Studien zeigen nun: Erst bei 1,5 Grad würden sich deutliche Effekte auf die Arktis-Eisschmelze zeigen.

Selbst bei einer Begrenzung der Klimaerwärmung auf zwei Grad könnte das arktische Eis verschwinden, warnen Wissenschaftler. Der Arktische Ozean wäre dann etwa alle vier Jahre in den Sommermonaten eisfrei. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien, die in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" veröffentlicht wurden. Nach wissenschaftlicher Definition bedeutet "eisfrei" eine Eisfläche von weniger als einer Million Quadratkilometern.

Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter hätte dagegen laut den Studien deutliche Effekte: Demnach wäre der Arktische Ozean nur etwa alle 40 Jahre eisfrei.

Alexandra Jahn, Autorin einer der beiden Studien und Forscherin an der Colorado Universität in Boulder, sagte, sie habe nicht erwartet, dass ein halbes Grad "so einen großen Unterschied" machen würde.

Ziel der UN-Klimakonferenz

Das 1,5-Grad-Ziel war auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris auf Druck der besonders stark vom Klimawandel betroffenen Staaten in den Vertragstext eingefügt worden. Demnach soll die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad, mindestens aber auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden. Allerdings halten Experten das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, für kaum noch einhaltbar.

Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean am Nordpol | Bildquelle: dpa
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Arktischer Ozean: Das Eis schmilzt - wie kann die Schmelze verlangsamt werden?

Eisfläche geht zurück

Im vergangenen Sommer schrumpfte das Eis in der Arktis auf 4,64 Millionen Quadratkilometer; damit war die Fläche zwar noch deutlich größer als im bislang verlustreichsten Jahr 2012 (3,39 Millionen Quadratkilometer), aber die Langzeitentwicklung ist laut Forschung eindeutig: Die Eisfläche im arktischen Sommer ging insgesamt um 40 Prozent zurück.

Jüngste Studien haben gezeigt, dass es am Nordpol an manchen Wintertagen inzwischen um rund zehn Grad wärmer ist als in Europa oder Nordamerika. Beim noch größeren Schreckensszenario einer globalen Erwärmung um drei Grad wäre sogar jeden Sommer mit einer eisfreien Arktis zu rechnen - das zumindest zeigt das Klimamodell kanadischer Forscher.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 03. April 2018 um 16:30 Uhr in der Sendung "Grünstreifen" (Wissensnachrichten).

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