Interview

Interview zur Festnahme Karadzics "Ein Sieg der Gerechtigkeit"

Stand: 22.07.2008 12:27 Uhr

Ein "Sieg der Gerechtigkeit" sei die Festnahme Karadzics, so der ehemalige hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Schwarz-Schilling im Interview mit EinsExtra. Auf dessen Aussage in Den Haag warte er mit Spannung, "denn es gab viele Gerüchte, dass es von westlicher Seite unschöne Vereinbarungen mit ihm gegeben hat."

EinsExtra: Herr Schwarz-Schilling, zwischen 2006 und 2007 waren Sie der hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina. Wie überraschend kam für Sie nun die Festnahme von Radovan Karadzic?

Christian Schwarz-Schilling: Auf die regelmäßigen Voraussagen, dass Karadzic bald festgenommen wird, habe ich mich nicht mehr verlassen - denn diese Hoffnungen wurden immer wieder enttäuscht. Dass es diesmal wirklich so gekommen ist, ist eine riesige Erleichterung für die Bürger Bosnien-Herzegowinas und ein Sieg der Gerechtigkeit. Karadzic wird nun mit einem Gerichtsverfahren in Den Haag zu rechnen haben. Zumindest hoffe ich, dass man den Verhafteten von Belgrad aus nach Den Haag bringt und nicht glaubt, man könnte ihn jetzt selbst vor Ort verurteilen.

Das ist ein ganz großes, sozusagen abschließendes Kapitel für die notwendige Gerechtigkeit, die die Schuldigen treffen muss, die das größte Massaker und die größte Völkermordserie nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa zu verantworten haben.

EinsExtra: Was bedeutet die Festnahme für die Menschen in Bosnien-Herzegowina?

Schwarz-Schilling: Die Bedeutung für die Menschen in Bosnien-Herzegowina ist sehr groß. Nun bekommen auch die Skeptiker, die die gesamte Politik der internationalen Gemeinschaft in Zweifel gestellt haben, gezeigt, dass auch die Großen drankommen und nicht nur die Kleinen vor den Richterschranken stehen.

Jetzt fehlt nur noch der zweite große Angeklagte - Ratko Mladic. Er war der unmittelbare Organisator des Massakers in Srebrenica und an vielen anderen Orten Bosnien-Herzegowinas - und der wird noch gesucht.

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Festnahme von Radovan Karadzic

Ein undatiertes Foto von Radovan Karadzic in Belgrad

Der ehemalige Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wurde am 21. Juli festgenommen. Er ist seit Juli 1995 wegen Völkermordes angeklagt. Mehr als ein Jahrzehnt lang war Karadzic untergetaucht.

EinsExtra: Könnte die Festnahme auch das Verhältnis zu Serbien verändern?

Schwarz-Schilling: Es kann auf diesem Weg eine gewisse Klärung zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien in Gang kommen. Denn bisher hat man ja geglaubt, dass Serbien diese Leute stützt, sie schützt und damit die Gerechtigkeit in Bosnien-Herzegowina verhindert. Das ist nun vorbei.

Es wird natürlich auch interessant sein, was Karadzic in Den Haag zu berichten hat. Denn es gab eine ganze Menge Gerüchte darüber, dass es von westlicher Seite sehr unschöne Vereinbarungen mit ihm gegeben hat - beispielsweise dass die NATO nur zum Schein gewisse Schläge durchführt, damit die Serben auf der Siegerseite bleiben.

Das Interview führte Ina Böttcher, EinsExtra

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