Schlechte Versorgung der Katastrophenopfer Zweimal am Tag ein wenig Reis

Stand: 18.03.2011 12:26 Uhr

In Notunterkünften in der japanischen Katastrophenregion gibt es zu wenig Nahrungsmittel und Medikamente. Auch die Menschen, die in ihren Häusern geblieben sind, leiden. Helfer aus anderen Landesteilen machen sich auf den Weg.

Von Benjamin Großkopff, ARD-Studio Singapur

Notunterkunft im japanischen Katastrophengebiet
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Japanisches Katastrophengebiet: Notunterkünfte in Sporthallen

Die Schlangen sind lang bei der Essensausgabe in dieser Notunterkunft im Katastrophengebiet. Doch japanisch diszipliniert wartet jeder, bis er dran kommt und bedankt sich mit einer tiefen Verbeugung.

Zweimal am Tag gibt es hier ein wenig Reis. Ansonsten sitzen die Flüchtlinge auf dem Boden der Turnhalle und warten geduldig auf Hilfe. Immer noch besser, sagt eine Frau, die mit ihrer bettlägrigen Mutter seit gestern hier ist, als die Tage zuvor: "Erst hatten wir nur ein kleines Stück Schokolade, am nächsten Tag nur eine Banane, dann ein Viertel Banane, und am nächsten Tag nur noch einen Keks."

Zu wenig Transportmittel

Eine Woche nach der Katastrophe kommt die Hilfe weiterhin nur zögerlich an. Zu wenig Hilfsgüter, zu wenig Autos und LKW, um diese zu transportieren, und für diese wenigen Transportmittel fehlt auch noch das Benzin: Auf diese Formel lässt sich die Misere bringen. Hinzu kommt die andauernde Kältewelle. Für die Überlebenden, die noch in ihren Häuser ausharren, wird es langsam eng. "Meine Grenze ist erreicht, heute oder morgen", sagt eine alte Frau, die zu Hause geblieben ist: "Ich habe keine Medizin mehr, ich zittere am ganzen Leib."

90.000 Rettungskräfte sind inzwischen in der Katastrophenregion unterwegs und ihre einzige Möglichkeit ist häufig die Hilfe aus der Luft. Bei der Reparatur von Straßen, Häfen und Flughäfen melden die Behörden inzwischen zwar erste Erfolge, doch auch in den Krankenhäusern spitzt sich die Situation weiter zu. Hier fehlen Medikamente und Essen. Manchmal haben die Ärzte seit Tagen nicht mehr geschlafen. Doch wirklich etwas tun, das könne auch er nicht, sagt ein Arzt: "Die Menschen verhungern, und sie brauchen Hilfe. Wir würden ihnen gerne helfen." Doch das Essen fehlt.

Krankenstation im japanischen Katastrophengebiet
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Patienten liegen auf Pritschen in der Eingangshalle eines überfüllten Krankenhauses in Ishinomaki

Suche nach Helfern

Es muss einfach schneller gehen, fordert auch der Vertreter einer lokalen Behörde in der Kleinstadt Saitama: "Unsere Stadt, die voller Erinnerungen war, ist weg", sagt er: "Jetzt, wo das passiert ist, hätten wir gerne mehr Hilfe. Von der Regierung und auch von jedem Einzelnen." Der Tsunami hat Saitama dem Erdboden gleich gemacht.

Im Rest des Landes melden sich nun immer mehr freiwillige Helfer. Besonders groß ist die Bereitschaft in Kobe. Die Stadt war 1995 selbst von einem heftigen Beben erschüttert worden war. Tausende Wolldecken, Windeln und vor allem viele Lebensmittel wie Brot und Milch hat der Nachbarschaftsverein Coop Kobe schon in den Norden geschickt. Heute starten zehn seiner Mitglieder ins Katastrophengebiet: "Wir fahren mit dem starken Wunsch los, dass unser Engagement wirklich zum Wiederaufbau der Region beiträgt", sagt einer von ihnen.

Denn eines ist klar: Gebraucht wird diese Hilfe eine Woche nach dem Beben und dem folgenden Tsunami mehr als dringend.

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