Hintergrund

IS-Kämpfer in einem Propaganda-Video | Bildquelle: AP

Vermögendste Terrororganisation der Welt Warum ist der "Islamische Staat" so reich?

Stand: 18.11.2015 16:28 Uhr

Der IS ist nicht nur eine Terrororganisation, sondern auch finanziell extrem gut ausgestattet. Das liegt zum einen an diversen lukrativen kriminellen Aktivitäten - aber auch an einer gezielten "Wirtschaftspolitik" in den besetzten Gebieten.

Von Sabine Rossi, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Der "Islamische Staat" (IS) gilt als die reichste Terrororganisation der Welt. Über wie viel Geld er genau verfügt, ist nicht bekannt. Internationale Experten gehen von bis zu zwei Milliarden US-Dollar aus.

Wo immer Dschihadisten auftauchen, verbreiten sie nicht nur Schrecken, sondern besetzen unverzüglich die wichtigen Positionen in der lokalen Wirtschaft: die Mühlen, die Bäckereien und die Wasserversorgung. Damit bringt der IS die Menschen vor Ort in eine Abhängigkeit, treibt von ihnen Steuern und Zölle ein, verhängt Bußgelder, wenn jemand nur minimal gegen die Regeln verstoßen hat. Nicht-Muslime zahlen Sondersteuern, sofern sie nicht konvertieren.

Neben den Steuern verdient der IS an Entführungen und Geiselnahmen, erpresst Lösegeld und plündert Banken.

Außerdem verkauft er antike Funde auf dem Schwarzmarkt. Damit nehme der IS enorme Summen ein, sagte der irakische Minister für Tourismus und Altertümer, Adel Fahd al-Schirschab, im Sommer auf einer Konferenz in Kairo. Bei der Plünderung von antiken Stätten durch Terrorgruppen habe der Irak einen sehr hohen Preis bezahlt. Diesen Gruppen wiederum habe der Handel mit den Kulturgütern bislang etwa sechs Milliarden Dollar eingebracht.

Lohnendes Geschäft mit dem Öl

Hinzu kommen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Das Rohöl, das IS im Osten Syriens aus dem Boden holt, wird entweder sofort geschmuggelt oder in kleinen primitiven Raffinerien weiterverarbeitet. Erst am Sonntag zerstörte die Anti-IS-Koalition nach Angaben des Pentagons 116 Tanklastwagen bei einem Luftangriff. Am Handel mit Erdöl verdient der IS doppelt: Von den Lastwagenfahrern lässt er sich zusätzlich Schutzzölle zahlen, damit sie durch sein Gebiet fahren dürfen.

Seit Beginn der internationalen Luftangriffe vor gut einem Jahr soll der Ölschmuggel jedoch in deutlich kleinerem Stil verlaufen. Von Zwischenhändler zu Zwischenhändler über Schleichwege gelangt das Öl in die Kurdengebiete, nach Iran und in die Türkei. Über die türkische Grenze zurück kamen und kommen Waffen, aber auch IS-Kämpfer, die in den "Heiligen Krieg" ziehen.

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