Hintergrund

Rechtliche Situation Wo Homosexuellen die Todesstrafe droht

Stand: 20.12.2013 20:56 Uhr

In zahlreichen Staaten der Welt werden homosexuelle Männer und Frauen strafrechtlich verfolgt. Häufig drohen ihnen lange Haftstrafen - und in einigen Staaten in Afrika und der arabischen Welt können sogar Todesurteile verhängt werden.

Von Michael Zimmermann, tagesschau.de

Weltweit gibt es in mehr als 70 Staaten Gesetze gegen homosexuelle Handlungen - in sieben Staaten droht die Todesstrafe. In einigen Ländern beziehen sich die gesetzlichen Regelungen nur auf Männer, Frauen werden dort nicht explizit erwähnt.

Schwules Paar auf dem Hamburger Christopher Street Day.
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Homosexuelle werden in vielen Ländern der Welt strafrechtlich verfolgt.

Die Menschenrechtsorganisation ILGA stellt jährlich die rechtliche Situation für Schwule und Lesben weltweit vor. Nach dem "State Sponsored Homophobia"-Bericht aus dem Mai 2013 sind besonders in Afrika Gesetze gegen Homosexuelle weit verbreitet: In fast 40 afrikanischen Staaten steht Homosexualität unter Strafe.

Einige Länder verschärfen ihre Gesetze sogar

Vielerorts drohen Haftstrafen von mehr als zehn Jahren. Einige Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Gesetze sogar verschärft, zum Beispiel Nigeria und Liberia in den Jahren 2011 und 2012. Im Dezember 2013 verabschiedete das Parlament von Uganda ein Gesetz, das für wiederholte homosexuelle Handlungen lebenslange Haft vorsieht.

Im Sudan, Somalia, Mauretanien und in Nigeria droht die Todesstrafe. Libyen und Ägypten haben keine explizit homophoben Gesetze, die bestehenden Regelungen können aber auch gegen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen ausgelegt werden.

Eine der wenigen Ausnahmen auf dem Kontinent ist Südafrika, das bereits seit 1996 sexuelle Diskriminierung verbietet und 2006 die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt hat.

Verbote in vielen muslimischen Ländern

Auch in Asien gibt es Staaten, die lange Haftstrafen für homosexuelle Handlungen vorsehen. Der Iran, der Jemen und Saudi-Arabien sehen die Todesstrafe vor, in anderen asiatischen Ländern wie Bangladesch, Pakistan, Malaysia und Singapur droht eine lebenslange Haft.

Der indische Supreme Court hob im Dezember 2013 ein Urteil von 2009 auf, das einvernehmlichen Sex zwischen erwachsenen gleichgeschlechtlichen Partnern erlaubt hatte. Nun kann gleichgeschlechtlicher Sex dort wieder mit bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Unklar ist die rechtliche Situation im Irak: Homosexualität ist nicht gesetzlich verboten, in vielen Gebieten wird nach Angaben von ILGA jedoch von selbsternannten Scharia-Gerichten auch die Todesstrafe verhängt.

Als einziger Staat auf dem asiatischen Kontinent gesteht Israel gleichgeschlechtlichen Paaren eheähnliche Rechte zu. Im Gazastreifen sind lange Haftstrafen vorgesehen - im Westjordanland ist Homosexualität legal.

Weitgehende Gleichstellung in der westlichen Welt

In den meisten Staaten Europas und auf dem amerikanischen Kontinent sowie in Australien und Neuseeland ist Homosexualität nicht verboten. Viele Länder Südamerikas haben bereits im 19. Jahrhundert das Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen abgeschafft. Homosexuelle Paare sind weitgehend oder komplett mit heterosexuellen Paaren gleichgestellt und durch Antidiskriminierungsgesetze geschützt.

Allerdings gibt es auch hier gravierende Ausnahmen: Einige Länder in Mittelamerika und der Karibik sehen Haftstrafen vor, unter anderem Jamaika, Grenada und Trinidad und Tobago. In Russland etwa ist Homosexualität zwar nicht strafbar, dort gibt es aber ein äußerst umstrittenes Gesetz, das positive öffentliche Äußerungen über Homosexualität unter Strafe stellt.

Diskriminierung trotz Legalität

Zudem werden Homosexuelle unabhängig von Gesetzen oftmals diskriminiert. In vielen Ländern werden sie häufig Opfer von Gewalt, Belästigung, willkürlichen Festnahmen, Folter und Morden aufgrund ihrer sexuellen Identität.

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