Afghanische Soldaten an einem Außenposten in Helmand | Bildquelle: REUTERS

"Helmand steht vor dem Fall an die Taliban" Afghanische Provinz ruft über Facebook um Hilfe

Stand: 21.12.2015 03:27 Uhr

Weil der afghanische Präsident Ghani auf anderem Weg nicht zu erreichen sei, hat der Vize-Gouverneur der afghanischen Provinz Helmand einen Facebook-Eintrag verfasst: Die Region stehe kurz vor einer Machtübernahme der Taliban.

Die südafghanische Provinz Helmand steht laut einer Warnung des Vize-Gouverneurs kurz vor dem Fall an die radikalislamischen Taliban. Mohammed Dschan Rasuljar wandte sich per Facebook an Präsident Aschraf Ghani. "Ich kann nicht länger schweigen", schrieb der hohe Provinzbeamte. "Helmand steht kurz vor dem Fall. 90 Männer sind (bei Kämpfen mit den Taliban) in den vergangenen zwei Tagen getötet worden."

Erinnerungen an Kundus

In seinem Facebook-Eintrag forderte Rasuljar sofortige Verstärkung aus der Hauptstadt Kabul. Ihm sei es nicht gelungen, den Präsidenten über andere Kanäle zu erreichen, beklagte er sich. Er warf Ghani vor, die bedrohliche Lage in Helmand herunterzuspielen. Örtliche Behördenvertreter bestätigten seine Angaben, wonach die Taliban auf dem Vormarsch seien.

Rasuljars Warnung wirft ein Schlaglicht auf die dramatische Sicherheitslage in Teilen Afghanistans ein Jahr nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Und sie erinnert an die Eroberung der nördlichen Stadt Kundus im September - die von den Taliban überrannt worden war, allerdings nach wenigen Tagen wieder unter Regierungskontrolle gebracht werden konnte.

Anschlag in Lashkargah City (Helmand Provinz) im November | Bildquelle: AFP
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Die Provinz Helmand wird auch durch Anschläge wie diesen in Lashkargah City im November bedroht.

12.000 NATO-Soldaten im Einsatz

Vergangene Woche hatte der Bundestag einem neuen Bundeswehr-Mandat für Afghanistan zugestimmt. Bis zu 980 deutsche Soldaten werden in dem Land stationiert.

Ursprünglich sollten sich die internationalen Truppen im Laufe des kommenden Jahres ganz aus Afghanistan zurückziehen. Wegen der verschlechterten Sicherheitslage hatte die NATO kürzlich beschlossen, 2016 in praktisch unveränderter Stärke von etwa 12.000 Soldaten im Land zu bleiben.

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